Kinderheim Christhof
Heimleitung und Kanton weisen Vorwürfe der «Rundschau» zurück

Letzte Woche erweckte ein Beitrag der «Rundschau» von SRF den Anschein, dass das Kinderheim Christhof in Wisen von der Evangelischen Mennonitengemeinde Schänzli in Muttenz geführt und die Kinder von der Heimleitung missioniert würden.

Beat Wyttenbach
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Der Kanton wirft dem «Christhof» keinerlei Mängel vor.

Der Kanton wirft dem «Christhof» keinerlei Mängel vor.

Bruno Kissling

Im Beitrag der SRF «Rundschau» beklagte sich ein Mädchen weinend darüber, sie finde es «doof, in den Religionsunterricht zu gehen, aber wir müssen». Zu Wort kam auch «Sektenexperte» Hugo Stamm, welcher es «skandalös» findet, «dass religiös geführte Heime vom Staat gefördert werden».

Der im Bericht entstandene Eindruck, dass der «Christhof» ein von Mennoniten betriebenes Heim sei, ist falsch», unterstreicht Heimleiter Andy Hofer gegenüber dieser Zeitung. Er betont, dass das Heim, das derzeit neun Kinder zwischen 7 und 13 Jahren betreut, von einem eigenen Verein mit Sitz in Läufelfingen und Wisen getragen wird. Im Vereinsvorstand seien zudem immer auch Leute aus dem Dorf vertreten.

«Kein Zwang zur Unterweisung»

Die Kinder besuchen den regulären Religionsunterricht in der Schule, wie Hofer weiter ausführt. Und: «Im Alter von 12 oder 13 Jahren können sie dann selber entscheiden, ob sie dies noch wollen oder nicht.» Er stellt auch in Abrede, dass Unterweisungen irgendwelcher Art auf dem «Christhof» selber durchgeführt werden. «Was bei uns üblich ist, sind Rituale, wie das gemeinsame Händereichen und Singen vor den Mahlzeiten oder das freiwillige Abendgebet vor dem Schlafengehen.

Dies steht in der christlichen Tradition unseres Heims, und da stehen wir auch dazu», bemerkt der Heimleiter. Aber auch die Abendgebete seien freiwillig. «Würden wir die Kinder zu etwas zwingen, so würde dies meinem Glauben diametral widersprechen», erklärt Hofer, der selbst keinen Hehl daraus macht, der mennonitischen Glaubensgemeinschaft anzugehören.

Die Mennoniten haben sich bewusst als Freikirche ausserhalb von staatlichen Strukturen zusammengeschlossen. Sie betonen die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen. Die evangelische Mennonitengemeinde Schänzli ist zudem Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Baselland, zu der auch die Landeskirchen gehören.

Kanton: Normen sind erfüllt

Der Besuch der Sonntagsschule, so Hofer weiter, erfolge nach Absprache mit den Eltern. Diejenigen Kinder, welche die Sonntagsschule nicht besuchen wollen, müssten dies auch nicht. Die Sonntagsschule diene vielmehr der Einbindung in ein soziales Netz, genau gleich wie der Kontakt zu den offiziellen Landeskirchen, aber auch zu Sportvereinen und zur Jungschar in Trimbach.

Seit letztem Sommer arbeite man zudem mit der WG Treffpunkt zusammen. Ausserdem stehe es den Kindern frei, jederzeit Freunde im Dorf zu treffen oder auch musikalischen Interessen nachzugehen. Die Angestellten des «Christhofs» gehören überdies, so Hofer, verschiedenen Konfessionen an. Zudem gebe es auch Mitarbeitende, die sich zu keiner Konfession bekennen.

Seitens des Amts für soziale Sicherheit (ASO) hat Abteilungsleiterin Ursula Brunschwyler zuhanden der «Rundschau» eine schriftliche Stellungnahme verfasst, die dieser Zeitung vorliegt. Darin heisst es, dass im «Christhof» periodisch Aufsichtsbesuche durchgeführt würden. «Die Prüfung ergab, dass sämtliche Vorgaben und Normen erfüllt sind und das Kleinheim Christhof eine gut geführte und innovative Institution ist.» Per 12.April 2012 sei die seit 1996 erteilte Betriebsbewilligung «ohne Auflagen» erneuert worden.

Der «Christhof» habe «individuelle religiöse, politische und/oder ideologische Werte in sämtlichen Unterlagen vermerkt». Die Institution bekenne sich «transparent zu christlichen Grundwerten». Und schliesslich hält das Amt für soziale Sicherheit fest: «In all den Jahren wurden weder bei der Ombudsstelle soziale Institutionen noch beim Amt für soziale Sicherheit Vorkommnisse gemeldet, die das Kindeswohl gefährden könnten und ein aufsichtsrechtliches Einschreiten erforderten.»

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