Hart getroffen
Blasmusik und Guggen: Ohne Auftrittschancen keine Proben – ohne Proben keine Motivation

Blasmusiken und Guggen werden von den jüngsten Verschärfungen der Pandemiemassnahmen besonders hart getroffen. Blasmusikverbandspräsident Ruedi Berger hofft auf einen Nachholeffekt im Frühling.

Daniela Deck
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Blasmusikvereine und Guggen leiden besonders unter der jüngsten Verschärfung der Pandemiemassnahmen.

Blasmusikvereine und Guggen leiden besonders unter der jüngsten Verschärfung der Pandemiemassnahmen.

zvg

Die Verschärfungen, die seit gestern Montag gelten, stellen die Blasmusikformationen vor schier unlösbare Probleme. Angesichts des Pandemiezertifikatsstatus’ 2G+ (geimpft, genesen und getestet respektive frisch geboostert) droht manchem Verein der Schnauf auszugehen. Trompete mit Maske geht nicht, also müssen die Bläser entweder unter freiem Himmel spielen oder sich vor der Probe im Lokal testen lassen.

Diese Testpflicht ist es, die Ruedi Berger Sorgen bereitet. Der Präsident des Solothurner Blasmusikverbands (SOBV) hat in dieser Funktion erst vor kurzem den Regierungsrat Peter Hodel abgelöst. Berger erklärt:

«Organisatorisch ist die Testpflicht für die Vereine für regelmässige Proben schlicht nicht umsetzbar. Kaum Verein hat die Kapazität, um 15 bis 50 Personen jede Woche zu testen.»

Ein zweites Problem sind die beengten Platzverhältnisse im Probelokal, so dass Vereine bei den Gemeinden um die Benutzung von Mehrzweck- oder Industriehallen nachsuchen.

Besorgnis beim Regierungsrat deponiert

Deshalb habe Ruedi Berger sich letzte Woche mit einem Brief an die Regierung gewandt. «Es ist mir ein Anliegen, der Besorgnis Ausdruck zu geben. Manche Vereine können den Ermüdungserscheinungen durch wechselnde Vorgaben, unregelmässige Proben und Ausfall von Auftritten nicht mehr standhalten.» Zwei Musikgesellschaften, Rüttenen und Günsberg, hätten den Austritt aus dem Blasmusikverband eingereicht und bereiten nun ihre Auflösung vor, eine dritte bereite diesen Schritt vor.

Jugendformationen, hier die Jugendmusik Olten, spüren den «Hunger» der Bläserinnen und Bläser nach Auftrittsmöglichkeiten und dem gemeinschaftlichen Musizieren.

Jugendformationen, hier die Jugendmusik Olten, spüren den «Hunger» der Bläserinnen und Bläser nach Auftrittsmöglichkeiten und dem gemeinschaftlichen Musizieren.

Zvg/Remo Fröhlicher

Dabei hätten im Sommer die Musikjugendlager im Kanton einen Boom erlebt. Unbehagen bereitet Berger ferner der Anmelderückgang bei den Musikschulen, so sehr er als Primarlehrer Kinder und Eltern versteht, die sich mangels Konzerten nach Alternativen umsehen. «Weniger Volumen in der Musikschule schlägt in vier bis fünf Jahren auf die Jugendmusiken und danach bei den Erwachsenen durch. So hofft der SOBV-Präsident, dass sich die Scharte im Frühling durch Nachholbedarf auswetzen lässt.

Solidarität mit ungeimpften Mitgliedern leben

«Wir haben neben den Geimpften auch ungeimpfte Mitglieder und wir stehen solidarisch zusammen - draussen. Mit nur Geimpften, geschweige denn Geboosterten könnten wir nicht spielen», sagt Christoph Roos, Musikleiter bei den Oberdörfer Wüudbach Blosofonikern. Die Gugge habe das grosse Glück, von der Seilbahn den Parkplatz als Freiluft-Probelokal zugesprochen bekommen zu haben. Die Platzkonzertreise am 12. 12. von Oberdorf über Grenchen bis in die Altstadt Biel habe ein tolles Echo gehabt.

«Ohne Auftritte keine Motivation», sagt auch Joel Cutrona, Präsident der einstigen Grossgugge Krachwanzen in Bettlach. Der Aderlass sei hier in den letzten zwei Jahren dem Generationenwechsel geschuldet und nicht der Pandemie. «Dennoch ist es hart, dass unsere öffentliche Probe zu Werbezwecken nicht stattfinden konnte.»

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