GmbHs in Liquidation
«MeinArzt» in Oensingen und Günsberg: Jetzt übernimmt das Konkursamt

Das Solothurner Kapitel des MeinArzt-Debakels neigt sich dem Ende zu. Die betroffenen GmbHs befinden sich in Liquidation. Die Strafuntersuchung gegen den Gründer der Kette läuft.

Noëlle Karpf
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Der MeinArzt Geschäftsführer kaufte Praxen und stellte Personal ein - seitdem das Strafverfahren gegen ihn läuft wurden diese nach und nach wieder geschlossen.

Der MeinArzt Geschäftsführer kaufte Praxen und stellte Personal ein - seitdem das Strafverfahren gegen ihn läuft wurden diese nach und nach wieder geschlossen.

Christian Beutler / KEYSTONE

Es ist vorbei – das steht schwarz auf weiss im Amtsblatt. Eine vorläufige Konkursanzeige ist dort abgedruckt. Sie betrifft die MeinArzt GmbH in Günsberg. Deren Ende hatte sich schon vor einer Weile abgezeichnet.

Kurzer Rückblick: Vergangenen Herbst war der Gründer der MeinArzt-Kette verhaftet worden. Gegen ihn läuft eine Strafuntersuchung wegen Vermögensdelikten. In der ganzen Schweiz hatte er GmbHs gegründet. Das Vorgehen: Er übernahm Arztpraxen – häufig solche, für welche keine Nachfolge gefunden werden konnte – stellte Personal ein und überliess die Administration der MeinArzt-Zentrale; dafür wurde er am Gewinn der Praxen beteiligt. Bereits im Sommer 2020 wurden Vorwürfe laut, wonach dem MeinArzt-Gründer aus Österreich teils Bewilligung fehlten, in anderen Fällen ging es um Rechnungen, die nicht bezahlt worden seien.

Nun läuft eine Strafuntersuchung und reihenweise gehen nun die Arztpraxen, die der Beschuldigte eröffnet hat, wieder zu. Zwei befanden sich im Kanton Solothurn: In Oensingen und in Günsberg.

In Oensingen hat schon jemand Neues übernommen: Michael Wünnenberg praktiziert dort, wo zuvor die GmbH tätig war.

Unklar ist bisher noch, ob in Günsberg eine Nachfolgelösung in Aussicht ist – aufgrund der Ferienzeit war noch niemand für diese Auskunft zu erreichen.

GmbHs in Liquidation

Der erwähnte Amtsblattseintrag deutet zudem daraufhin, dass bald auch die letzten Überbleibsel von MeinArzt im Kanton verschwinden: Die beiden GmbHs in Günsberg und Oensingen.

Die GmbHs in Oensingen und Günsberg befinden sich in Liquidation. Zuständig ist das kantonale Konkursamt. Dessen Leiter Martin Schmalz erklärt, dass es sich hier nicht um einen Konkurs im eigentlichen Sinne handelt - normalerweise würde ein Gericht den Konkurs über die GmbH eröffnen, weil Gläubiger ihre Forderungen auf dem Betreibungsweg einfordern oder die Firma würde den Richter aufgrund einer Überschuldung selber benachrichtigen.

Im Falle der beiden MeinArzt-Praxen sei aber vom Handelsregisteramt festgestellt worden, dass bei den betroffenen GmbHs Mängel in der Organisation bestanden haben; etwa das Fehlen der gesetzlich vorgeschriebenen Organe (beispielsweise ein Geschäftsführer). Am Schluss habe deshalb das Gericht die Auflösung der Gesellschaften angeordnet und das Konkursamt mit der Liquidation nach den Vorschriften über den Konkurs beauftragt.

Inventar wird aufgenommen

Konkret heisst das: Das Konkursamt nimmt vorerst ein Inventar auf und stellt fest, wie viele Aktiven noch vorhanden sind. Gläubiger können ihre Forderungen anmelden. «Wie lange das Verfahren dauert, ist schwierig abzuschätzen», so Schmalz. Wird das Verfahren durchgeführt, beliefe sich die Dauer in der Regel auf etwa sechs bis zwölf Monate.

Sofern das Verfahren mangels Aktiven eingestellt werden muss - wenn zu wenig Aktiven vorhanden sind, um die Kosten des Verfahrens zu decken, würde das Verfahren bereits nach etwa zwei Monaten abgeschlossen. Im Falle der beiden GmbHs im Kanton dürfte es sich eher um eine kürzere Sache handeln, sagt Schmalz - noch laufen die Verfahren aber, und eine generelle Einschätzung sei schwierig.

Nach dem Abschluss dieser Verfahren werden die GmbHs auch aus dem Handelsregister des Kantons gelöscht. Damit dürfte das Thema - zumindest im Kanton – erledigt sein.