Zivilschutz
Für 3,5 Millionen geshoppt: Modernste Technik soll Leben retten

Der Kanton Solothurn hat den Bereich «Schadenplatzbewältigung» des Zivilschutzes mit neuem Material im Wert von knapp 3,5 Millionen Franken ausgerüstet.

Hans Peter Schläfli
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Zivilschutz Kanton Solothurn mit neuem Material ausgerüstet
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Peter Huber, Leiter Zivilschutz im Amt für Militär und Bevölkerungsschutz, zeigt eines der unscheinbaren Hebekissen, das 12 Tonnen tragen kann.
Ein Teil des beschaffenen Materials aufgelistet

Zivilschutz Kanton Solothurn mit neuem Material ausgerüstet

zvg

Eine Kettensäge mit diamantenen Zähnen, ein Luftkissen, das 35 Tonnen anheben kann und noch vieles mehr: Die neuen Geräte, die am Montag im «ziko», dem Ausbildungs- und Kompetenzzentrum in der Balsthaler Klus offiziell dem Solothurner Zivilschutz übergeben wurden, haben es in sich.

«Kein anderes Land bemüht sich so intensiv um den Schutz seiner Bevölkerung wie die Schweiz», sagte Regierungsrätin Esther Gassler in ihrer Rede. Der Zivilschutz sei umstrukturiert, modernisiert und verjüngt worden. Als Beispiel nannte sie die Aushebung, an der heute die Zivilschutzmitglieder gleichzeitig mit den Soldaten eingeteilt werden. Mit der Beschaffung des neuen Materials sei nun dieser Strukturwandel abgeschlossen. «Wir sind über das Resultat sehr glücklich», sagte Gassler.

Praxisnahe Arbeitsgruppe

Auch Iris Schelbert, die Oltner Stadträtin mit dem Ressort «Öffentliche Sicherheit», lobte die neue Ausrüstung. Der Blick auf das moderne Material mache sie stolz: «Die Beschaffung wurde nicht von oben diktiert», sagte Schelbert, «in der Arbeitsgruppe waren Leute am Werk, die die Zivilschutzaufgaben aus der Praxis kennen.»

Immerhin 3,5 Millionen Franken hat der Kanton Solothurn im vergangenen Jahr in das Material für den Schutz der Bevölkerung und die Rettung in einem Katastrophenfall investiert. «Schadenplatzbewältigung» heisst das Metier im Zivilschutz-Jargon. Das dürfte sich auch positiv auf das Image der Organisation auswirken. Die weissen Pickups mit 4x4-Antrieb sehen jedenfalls schnittig aus. Kein Vergleich zum verstaubten Design der Haflinger, die beim Solothurner Zivilschutz nun ausgemustert sind.

13 Stück hat der Kanton gekauft und sich über eine Ausschreibung mit 42'000 Franken pro Fahrzeug einen deutlich günstigeren Preis gesichert als der, den ein privater Käufer für ein solches Modell zu bezahlen hätte.

Miliztauglichkeit als Voraussetzung

«Mit den kleinen Hebekissen können 12 Tonnen, mit den grösseren sogar 35 Tonnen angehoben werden.» Peter Huber liess es sich als Leiter Zivilschutz des Solothurner Amtes für Bevölkerungsschutz nicht nehmen, persönlich einige der Hightechgeräte zu erklären. «Wenn Opfer aus Trümmern geborgen werden müssen, kann man mit diesem leicht zu bedienenden Gerät eine Betonplatte vorsichtig anheben, um einen Rettungsschacht zu öffnen.»

Falls das länger dauern sollte, stünde auf den neuen Anhängern auch Kernbohrgeräte bereit. «Damit kann man ein Loch durch den Beton bohren, um einem Opfer Wasser zu reichen.»
«Für den Betrieb eines hydraulischen Abbruchhammers kämen eigentlich nur Fachleute infrage», meint Huber. «Deshalb haben wir uns für elektrische Hämmer entschieden. Es sind die besten auf dem Markt, und diese sind so einfach zu bedienen wie eine Schlagbohrmaschine. Deshalb sind sie ideal für unseren Zivilschutz geeignet.»

Mit Diamanten besetzte Kettensäge

Etwas anders sieht es bei den neuen Steinschneidern aus. Für die Arbeit mit diesen genügen Schutzkleidung und Vorsicht alleine nicht, damit darf wirklich nur ein Fachmann ans Werk. Die Steinschneider sehen zwar fast aus wie normale Kettensägen, nur sind die Kettenzähne mit Diamanten besetzt, die auch den härtesten Beton durchtrennen.

Nun ist die Materialbeschaffung für den Bereich «Schadenplatzbewältigung» abgeschlossen. «Das Kader und rund drei Viertel der Zivilschützer wurden bereits an den neuen Werkzeugen ausgebildet», sagt Peter Huber. Das erklärt auch, warum einige der Geräte bei der feierlichen Übergabe durch Regierungsrätin Esther Gassler bereits deutliche Gebrauchsspuren aufwiesen.

Und so geht der Strukturwandel beim Zivilschutz in seine letzte Phase: Die Entsorgung der alten Geräte, die zum Teil fast 50 Jahre im Einsatz standen. Ob sich für die Stromgeneratoren, auf denen luftgekühlte «Käfer»-Motoren ratteren, noch Interessenten finden lassen, die für einen VW-Oldtimer Ersatzteile brauchen?

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