Solothurner Filmtage
Filmtage-Direktorin ist kurz vor dem Start überzeugt: «Das Publikum wird uns treu bleiben»

Die kommenden 56. Solothurner Filmtage vom 20. bis 27. Januar werden ein Onlinefestival sein. Anita Hugi und ihr Team haben eine aufreibende Vorbereitungszeit hinter sich. Sie ist überzeugt: Neues Publikum wird sich für die Solothurner Filmtage begeistern.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Anita Hugi erklärt, wie die online-Filmtag ablaufen.

Anita Hugi erklärt, wie die online-Filmtag ablaufen.

zvg

Ungewöhnliche Solothurner Filmtage stehen uns in gut einer Woche bevor. Direktorin Anita Hugi beantwortet Fragen zum ersten Online-Filmfestival.

Anita Hugi, welche Auswirkungen haben diese speziellen Filmtage auf die Finanzen der Solothurner Filmtage? Wird die Ausgabe teurer – günstiger?

Anita Hugi: Das Gesamtbudget ist 2021 etwas weniger hoch als 2020, weil ja vor Ort vieles nicht stattfindet. Dennoch müssen wir derzeit für die Home Edition mit einem Defizit rechnen. Durch den Wegfall der Durchführung vor Ort fallen zwar Kosten für die Bespielung der Spielstätten weg. Gleichzeitig fallen neue Kosten an: für das virtuelle Kino und die damit verbundenen neuen technischen Infrastrukturen, die wir in kurzer Zeit aufbauen mussten. Wie so vieles sind auch die Budgetierung und Finanzierung derzeit ein sehr dynamischer Prozess. Seit Juli haben wir umfangreiche Schutzkonzepte entwickelt und vorbereitet. Das ist Arbeit, die nicht sichtbar sein wird, aber geleistet wurde, weil wir bis Oktober hofften, die 56. Ausgabe der Werkschau wenn auch in angepassster Form vor Ort durchführen zu können. Auf der Einnahmenseite fällt uns ein massgeblicher Teil unseres Budgets weg: Die regulären Ticketing Einnahmen.

Sind Ihnen die grossen und kleinen Sponsoren treu geblieben?

Die Unterstützung durch Sponsoren, Stiftungen und durch die öffentliche Hand ist sehr gross und wir sind unseren Partnern für diese Treue sehr dankbar.Und wir haben sogar einen neuen Partner gefunden: die BKW. Sie engagiert sich in diesem Jahr als Supporter der Solothurner Filmtage. Das ehrt uns ganz besonders, weil die BKW ausgezeichnet zu uns passt: Von nationaler Ausstrahlung, doch lokal stark verankert, ebenso traditionsreich wie innovativ. Doch gerade auch für unsere lokalen Partner wie Hotels und Restaurants ist die Situation sehr hart. Dank dem intensivierten Informationsaustausch ist das gegenseitige Verständnis gross.

Warum sind die Filme «nur» jeweils von 1000 Personen zu sehen? Und «nur» während drei Tagen?

Einerseits geht es uns mit diesem Konzept darum, eine Festival-Atmosphäre herzustellen. Wie am «richtigen» Festival kann man sich an bestimmten Tagen mit den Filmen verabreden und die Plätze in den Festivalkinos sind beschränkt. Andererseits haben viele unserer Filme ein absolut verrücktes Jahr hinter sich und konnten ihr Kinopotenzial noch lange nicht ausschöpfen. Sie haben zum Beispiel letztes Jahr an einem Festival im In- oder Ausland Premiere gefeiert, wollten im Herbst in den Schweizer Kinos starten und mussten wegen der zweiten Welle abbrechen oder in den Frühling verschieben. Andere wollten an den digitalen 56. Solothurner Filmtagen Premiere feiern und die Aufmerksamkeit für einen Kinostart im Februar nutzen. Darum macht eine Begrenzung für alle Sinn. Wir wollen den Schweizer Film stärken und ihn sichtbar machen.

Für jeden Film muss jetzt bezahlt werden. Wäre nicht auch eine Art Abonnement – Wochenkarte möglich gewesen?

Darüber haben wir diskutiert. Doch gerade weil die Anzahl Online-Eintritte pro Film begrenzt ist, haben wir darauf verzichtet, Festivalpässe anzubieten. Die Filmplattform Festivalscope, die wir wie einige andere Schweizer Festivals einsetzen, bietet zudem keine Abonnemente an. Deshalb funktionieren wir dieses Jahr ausnahmsweise nur mit Einzeltickets. Wir haben aber verschiedene Filmprogramme zusammengestellt, wo man sich mit einem Ticket gleich mehrere Filme anschauen kann, so zum Beispiel für die sehr beliebten Kurzfilme.

Gibt es bereits Erfahrungen mit einem Online-Filmfestival?

Verschiedene Filmfestivals im In- und Ausland haben seit letztem Frühling wertvolle Erfahrungen mit Online-Ausgaben gesammelt. Es war uns sehr wichtig, die Erfahrung in unsere Vorbereitungen einzubeziehen und wir haben den Informationsaustausch aktiv gesucht - bilateral und im Rahmen der Conférence des Festivals, in welcher die Schweizer Filmfestivals als Interessenvereinigung verbunden sind. Ein Online-Festival ist auch für die Solothurner Filmtage eine neue Situation. Alle Abläufe mussten von A bis Z neu gedacht werden – und dies nicht nur einmal, sondern immer wieder. Mit dem Anbieter der Filmplattform Festivalscope, der als langjähriger Partner von schweizerischen und internationalen Festivals die Bedürfnisse von Festivals kennt und das Vertrauen der Filmproduktionsfirmen hat, waren wir seit Mai im Gespräch.

Was glauben Sie: bleiben Ihnen die Filmbegeisterten treu?

Ja, das glaube ich absolut - und dass kommendes Jahr dann auch Leute zum ersten Mal vor Ort an den Filmtagen dabei sein werden, die unser Festival und den Schweizer Film durch unsere Covid-Festivalausgabe kennen gelernt haben. Die Begeisterung für den Schweizer Film hat ja in erster Linie mit den filmischen Werken zu tun. Und da haben wir 2021 ein sehr starkes Jahr. Die ersten Rückmeldungen bestärken uns. Am Montag um 12 Uhr startet der Vorverkauf, dann geht es los.

Es gibt ja ein relativ dichtes Rahmenprogramm mit Gesprächen usw. Welche Gedanken stehen dahinter?

Ein Festival ist mehr als eine Filmplattform. Und die Solothurner Filmtage sind mehr als ein Abspielort für Filme: Sie sind der zentrale Begegnungsort zum Schweizer Film. Für das Publikum und die Filmschaffenden. Sie alle haben sich schon sehr lange nicht mehr gesehen und das Kino als Ort fehlt uns sehr. Den Filmschaffenden fehlt der Austausch mit dem Publikum, wie sie uns mitteilten. Deshalb haben wir das Unmögliche möglich gemacht und ein Online-Festival konzipiert und organisiert, das die Begegnung trotz allem ermöglicht - wenn auch digital. Wir werden für jeden Film ein Rendez-vous schaffen mit der Art der Programmierung - dass jeden Tag 15 bis 20 Filme starten - und den Filmgesprächen am Folgetag des Filmstarts. Die Filmgespräche moderieren wir live in zwei Kinos in Solothurn. Damit wollen wir bildlich und «by doing» auch daran erinnern, wo wir jetzt eigentlich alle versammelt sein möchten und wo Film am besten stattfindet: im Kinosaal, als gemeinsames Filmerlebnis, in Solothurn.

Die Anlässe werden moderiert, von wem?

Wir verankern alle Anlässe unseres Rahmenprogramms in Solothurn. Dafür richten wir im Kino im Uferbau und im Kino Canva zwei Studios ein. Wenn immer möglich, werden die Filmgespräche, Podiumsdiskussionen, Masterclasses oder Film-Brunches von hier aus gesendet und moderiert. Die Filmschaffenden nehmen zum Teil persönlich und zum Teil via Zoom teil. Als Moderatoren amten Mitglieder der Auswahlkommission, Kuratoren der Programme und weitere Persönlichkeiten. Monika Schärer moderiert seit Langem die grossen Filmpremieren und wird dieses Jahr auch aufgrund ihrer Fernseherfahrung zur «Anchor women».

Monika Schärer moderiert schon lange an den Filmtagen (hier zusammen mit der ehemaligen Direktorin Seraina Rohrer).

Monika Schärer moderiert schon lange an den Filmtagen (hier zusammen mit der ehemaligen Direktorin Seraina Rohrer).

Hansjörg Sahli

Welche Filme liegen Ihnen besonders am Herzen?

Wir haben mehr als 170 aktuelle Schweizer Filme im Programm - wir haben sie alle im Oktober im Kino im Uferbau im Rahmen der Auswahlarbeit gesehen. Ich kann da nur empfehlen, sich möglichst viele Filme anzuschauen.