Corona-Krise
Fast 4000 Anrufe beantwortet: «Kantonale Hotline hat Feuerprobe bestanden»

Man hat gehofft, sie gar nie brauchen zu müssen: Die kantonale Hotline für Krisen. Mittlerweile wurden an die 4000 Anrufe beantwortet. Unser Augenschein bei der Hotline, die von einem Bunker aus betrieben wird.

Noëlle Karpf
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Im Einsatz für die kantonale Hotline: Marianne Bläsi im Einzelbüro im kantonalen Verwaltungsschutzbau.

Im Einsatz für die kantonale Hotline: Marianne Bläsi im Einzelbüro im kantonalen Verwaltungsschutzbau.

Solothurner Zeitung

«Kantonali Hotline, Manganiello. Wie isch der Name? Mhm. Wie gross isch d’Gruppe? 15 Lüt...I kläres ab und lüte zrugg!»

Freitagvormittag, im Veso; im Verwaltungsschutzbau des Kantons . Hier ist die kantonale Hotline eingerichtet, die momentan Fragen rund um ein Thema beantwortet: Corona. Zwei Mitarbeiterinnen, Silvia Manganiello und Marianne Bläsi, sind im Dienst. In Einzelbüros, in welchen nebst Pult mit Telefon und Computer auch Stockbetten stehen. Der Veso ist eine Zivilschutzanlage, in dem sich im Krisenfall der kantonale Führungsstab trifft, und von hier aus die Ereignisbewältigung koordiniert. Es gibt keine Fenster, dafür Schleusen, eine Lüftungsanlage und Massenschläge.

Maya Schweizer führt durch die Anlage. Schweizer ist Projektleiterin der Katastrophenvorsorge, beim Amt für Militär und Bevölkerungsschutz. Schweizer, die keine Mühe mit der Arbeit unter Tageslicht hat – «ich habe ja selber Militärdienst geleistet» –, zeigt Essraum, wo Schokoküsse und Kaffe für Zucker und Motivation sorgen sollen, den Führungsraum, dessen Wände vollgepflastert sind mit Plänen, Karten und wichtigen Infos. Alles beleuchtet von Neonröhren.

soH hat Hotline eingestellt

Aufgrund der Corona-Krise hat auch die Solothurner Spitäler AG (soH) Anfang April eine Hotline eingerichtet; konkret die Abteilung der Psychiatrischen Dienste, um der Bevölkerung Ängste und Sorgen in dieser Zeit zu nehmen und Antworten auf psychische Fragen zu geben. Mittlerweile hat die soH das Angebot aber bereits wieder eingestellt, wie sie auf Anfrage mitteilt.

«Es war ursprünglich ein deutlicher Anstieg an psychischen Erkrankungen erwartet worden», schreibt Mediensprecher Gian Trionfini. «Die Nachfrage an der Hotline fiel äusserst gering aus, sodass sie per 30. April sistiert wurde.»

Zuvor gingen laut Trionfini Anrufe ein, die die Themen «Arbeitsplatzprobleme, Angst vor Infektion, soziale Ängste wegen der Situation» betrafen.

«Wenn von den Fachpersonen nach eingehenderem Gespräch vermutet worden ist, dass ein ernsthaftes psychisches Problem vorlag, das behandelt werden musste, konnte niederschwellig auf eine weiterführende Behandlung hingewiesen und bei Bedarf auch vermittelt werden», so der Mediensprecher. Oft war das aber wie gesagt gar nicht nötig - was schliesslich zur Einstellung der Hotline führte.

«Kantonali Hotline, Bläsi. Es geit umne Disco? Mhm, 300 Lüt si erlaubt. Wenn 50 usegö döfe nid Neui ine – es si 300 Lüt a eim Tag erlaubt. Um wele Club geits de? Ajo, dä kenni.»

Bei der Hotline arbeiten aktuell Teams – Bläsi und Manganiello gehören zum «Team Grün» – im Rhythmus von zwei Tagen in zwei Wochen aus. Sie alle sind Mitarbeitende der kantonalen Verwaltung. Insgesamt 50 stehen zur Verfügung. Sie haben sich bei der Gründung der Hotline im Jahr 2016 freiwillig gemeldet. Zuvor wurde die Hotline von einer externen Firma betrieben.

Der Vorteil an den Leuten aus der Verwaltung ist laut Schweizer, dass sie den Kanton – und eben auch die Verwaltung kennen. Mitarbeitende der Hotline sollen nämlich nicht nur zuhören und Fragen direkt beantworten – sondern auch an die richtige Stelle weiterleiten können.

«Jo im Schwümmbecki hesch das mit däm Abstang jo nid. Ebe gäu, es isch ei Person pro 10 Quadratmeter. Merci!»

Adrian Rudolf von Rohr legt das Mobiltelefon auf den Tisch in seinem Einzelbüro im Veso. Er ist Angehöriger der Polizei und Gruppenleiter der Hotline, die durch Mitarbeitende der Kantonspolizei unterstützt werden. Rudolf von Rohr springt wenn nötig bei der Hotline ein oder führt Abklärungen bei den zuständigen Ämtern durch, damit bis am Abend – die Hotline ist Werktags von 8 bis 16 Uhr in Betrieb – alle Fragen geklärt sind. In Rudolf von Rohrs Büro stapeln sich Gesprächsnotizen. Seit Ende Februar wurden rund 3900 Anrufe beantwortet. Daumendick sind mittlerweile auch die Info-Dossiers für die Mitarbeitenden.

Maya Schweizer und Adrian Rudolf von Rohr Im kantonalen Verwaltungsschutzgebäudes.

Maya Schweizer und Adrian Rudolf von Rohr Im kantonalen Verwaltungsschutzgebäudes.

Solothurner Zeitung

«Die Hotline hat die Feuerprobe bestanden», bilanziert der Gruppenleiter. Schweizer berichtet von einem kurzfristigen Engpass zu Beginn, als nicht alle 50 Mitarbeitende aufgeboten werden konnten, weil einige zur Risikogruppe gehören. Sofort habe sie aber andere Verwaltungsangestellte einspannen können. Die Helfenden seien extrem motiviert, die Infrastruktur «tipptopp». So konnte man bereits am Montag nach Bekanntgabe des Veranstaltungsverbots im Februar hier arbeiten. «Drückt man den Lichtschalter, ist der Veso betriebsbereit», so Schweizer zufrieden.

Auch das «Team Grün», weiss nur gutes über seinen Einsatz zu berichten – auch wenn man am liebsten natürlich keine Krise hätte, in welcher die Hotline eingesetzt werden muss. Dann klingelt auch schon wieder das Telefon. «Kantonali Hotline, Grüessech.»

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