Sexualstraftat
Fall William W: Wer sind die Sonderermittler, die die Solothurner Justiz durchleuchten?

Die Solothurner Regierung will wissen, was im Falle des freigelassenen Sexualstraftäters William W. schief gelaufen ist. Sie beauftragt damit die Anwälte Joe Keel und Peter Straub. Doch wer sind die beiden Sonderermittler?

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Peter Straub und Joel Keel
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Freigelassen und rückfällig geworden: William W., der Kinderschänder von Starrkirch-Wil.
Warum wurde William W. freigelassen, obwohl ein erhebliches Rückfallrisiko bestand? Das ist eine der Fragen, der nachgegangen wird.

Peter Straub und Joel Keel

AZ

Warum wurde der Sexualstraftäter freigelassen, obwohl ein erhebliches Risiko für einen Rückfall bestand - was sich dann auch bewahrheitete? Dieser Frage gehen nun Peter Straub und Joe Keel im Auftrag der Solothurner Regierung nach. Doch wer sind diese beiden Sonderermittler? Das ist über sie bekannt.

Joe Keel, Experte für Justizvollzug und Verwahrung

Da ist zum einen Joe Keel (59). Der St.Galler ist seit Mitte 2018 vollamtlicher Sekretär des Ostschweizer Strafvollzugskonkordats. Davor leitete er seit 2008 das Amt für Justizvollzug im Kanton St.Gallen. Keel war seit 1991 für den Vollzug der im Kanton St.Gallen ausgesprochenen Strafen und für alle Rechtsfragen rund um den Strafvollzug zuständig. Keel ist also ein ausgewiesener Fachmann für den Justizvollzug.

Mit Verwahrungsfragen - sie wurde auch im Falle von William W. aufgeworfen - ist Keel vertraut. Er war bei der Umsetzung der Verwahrungs-Initiative dabei und Teil einer Arbeitsgruppe.

Als Mitglied der CVP sass Keel von 1989 bis 1998 im St.Galler Stadtparlament, ist aber seit Jahren nicht mehr parteipolitisch tätig.

Wie denkt Joe Keel? In einem Interview mit dem St.Galler Tagblatt äusserte er sich vor einem Jahr auch zu Sexualstraftätern wie William W.. Auf die Frage, ob bei rückfällig gewordenen Tätern jeweils zurecht von Justizversagen die Rede sei, sagte Keel: "Diese Forderung ‹Das darf nie mehr passieren› macht uns das Leben schwer. Es werden von uns ‹sichere Prognosen› verlangt – ein Widerspruch in sich. Menschliches Verhalten lässt sich nie exakt voraussagen."

Man müsse einen Täter auf ihre Rückkehr in die Freiheit schrittweise vorbereiten und dabei gewisse Risiken in Kauf nehmen. "Wir versuchen, diese möglichst klein zu halten, eine absolute Sicherheit können wir aber nie garantieren."

Doch Keel hat eine klare Meinung, wenn es um gefährliche Täter geht: "Wenn jemand gefährlich ist, dann gehört er nicht auf die Strasse, sondern eingesperrt." Von Fussfesseln hält er wenig. Die Politik habe die Vorstellung, die elektronische Überwachung sei ein Allzweckmittel, auch im Kampf gegen Terrorismus. Jedoch: "Sie können mit einer Fussfessel keinen Anschlag verhindern: Wenn der Attentäter mit einem Sprengstoffgürtel herumläuft, merkt das die Fussfessel nicht."

Peter Straub, Experte für Gemeingefährlichkeit von Tätern

Da ist zum anderen Peter Straub. Der gebürtige Deutsche aus dem Schwarwald ist parteilos und seit 2012 leitender Staatsanwalt in St.Gallen. Er sitzt zudem in der Fachkommission Ostschweizer Strafvollzugskonkordat zur Überprüfung der Gemeingefährlichkeit von Straftätern. Er ist Mitglied der Prüfungskommission für Rechtsanwälte beim Kantonsgericht St.Gallen. An der Ostschweizer Polizeischule ist er Dozent, an der Hochschule St.Gallen Lehrbeauftragter für Strafprozessrecht.

Von 2008 bis 2011 war Straub stellvertretender Staatsanwalt des Bundes bei der Schweizerischen Bundesanwaltschaft, ehe er als Jurist zu einer Grossbank wechselte, wo er bis zum Wechsel in die Staatsanwaltschaft ein Team von Juristinnen und Juristen in der Anti-Geldwäscherei-Einheit leitete. (jk)

Was bisher geschah:

Der Fall des Kinderschänders beschäftigt die Justizbehörden, Politiker und Öffentlichkeit. Der Mann war im Mai 1999 vom Bezirksgericht Aarau wegen sexueller Handlungen mit fünf Kindern verurteilt worden. Er kassierte eine Zuchthausstrafe von 19 Monaten und eine ambulante Therapie.

Nach der Vergewaltigung eines achtjährigen Mädchens 2006 im Kanton Solothurn wurde er vom Amtsgericht Olten-Gösgen zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt, aufgeschoben für eine stationäre Therapie. Der Mann blieb zehn Jahre im Gefängnis und absolvierte 239 Therapiesitzungen.

Sie verliefen ohne Erfolg, weil sich der Mann verweigerte. Das Rückfallrisiko des Kinderschänders wurde als "mittelgradig bis hoch" eingestuft. Der Mann ist gemäss Gutachten pädophil.

Der Mann wehrte sich gegen eine Verlängerung der stationären Therapie vor Gericht. Das Solothurner Obergericht entschied, die Massnahme müsse aufgehoben werden. (sda)

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