Ernährung 2.0
Die Migros präsentiert das erste Ei auf Pflanzenbasis – wir haben es probiert

Plastik statt Eierschale, Sojaprotein statt tierisches Eiweiss: Die Migros präsentiert Ende Oktober das weltweit erste gekochte Ei auf Pflanzenbasis. Aber ist das mehr als ein Marketing-Gag?

Sébastian Lavoyer
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Vier Eier in Plastikfolie, darum eine Kartonschachtel unter mit dem V-Love-Brand der Migros drauf: So sieht das weltweit erste vegane Ei aus, das die Migros am 29. Oktober 2021 präsentierte.

Vier Eier in Plastikfolie, darum eine Kartonschachtel unter mit dem V-Love-Brand der Migros drauf: So sieht das weltweit erste vegane Ei aus, das die Migros am 29. Oktober 2021 präsentierte.

Sébastian Lavoyer

Was war zuerst: das Huhn oder das Ei? «Bei unserem Produkt ist diese Frage einfach zu beantworten», sagt David Wallmer, Markenverantwortlicher für vegane Produkte bei der Migros, «wir brauchen kein Huhn.» Er sagt dies im Rahmen der Präsentation von «The Boiled», dem weltweit ersten veganen Ei. Hart wie ein gekochtes Ei und in Plastikfolie verpackt soll es ab November in den grösseren Filialen in Zürich, Luzern, Genf und Basel erhältlich sein (Verfügbarkeit prüfen). 4.40 Franken kostet ein Pack mit vier Eiern, das sind rund 50 Prozent mehr, als man für ein Sechser-Pack Schweizer Eier bei der Migros bezahlt (2.95 Franken).

Stolz präsentieren die Exponenten der Migros an diesem Freitagvormittag in Buchs die Weltneuheit. Aber die Frage stellt sich: Warum braucht es ein veganes Ei? Wer auf tierische Produkte verzichten will, konnte das auch bisher problemlos. Wallmer sagt: «Viele Menschen werden vegan aus ethischen Gründen, nicht weil sie tierische Produkte nicht mögen. Für die braucht es Alternativen, viele von ihnen vermissen das Ei.» Dies hätten internationale Marktstudien ergeben. Wie gross das Marktpotenzial ist, dazu gibt es von der Migros keine Zahlen.

Aber es geht auch nicht nur darum, die Produktpalette für Veganerinnen und Veganer zu erweitern. Die Lancierung des ersten veganen Eis ist auch ein Statement des Detailhändlers. Wallmer:

«Wir meinen es ernst mit pflanzenbasierten Nahrungsmitteln.»

Dafür gebe es keinen besseren Beweis als die Lancierung von «The Boiled». Es geht also auch um Marketing. Man will ein Zeichen setzen, um zu zeigen, dass man die Zeichen der Zeit erkannt hat. Denn Veganismus liegt im Trend. Eng damit verbunden: das Thema Nachhaltigkeit.

In Plastik statt in Eierschale, aber eine Ökobilanz fehlt noch

Eine Ökobilanz können die Macher des Pflanzen-Eis nicht vorweisen. Aber man sei daran, wobei man die Zahlen erst nächste Woche erwarte. Nur eines kann Wallmer sagen: «Es ist zu erwarten, dass es weniger Energie braucht für die Herstellung eines veganen Eis.» Wie auch immer die Resultate der Studie sein werden: Das vegane Ei ist in Plastik verpackt. Und die Zutatenliste umfasst satte 14 Positionen. Vom Sojaproteinisolat bis hin zum Farbstoff Carotine.

Ein Ei ist ein Ei, ein Pflanzen-Ei aber besteht aus vierzehn Zutaten.

Ein Ei ist ein Ei, ein Pflanzen-Ei aber besteht aus vierzehn Zutaten.

Sébastian Lavoyer

«Das Ei lässt sich ganz leicht aus der Folie lösen», sagt Simone Codoni, Migusto-Köchin und Rezeptautorin, bei der Präsentation des veganen Eis in der Showküche. Das Ei lässt sich dann halbieren, vierteln oder in Scheiben schneiden. Aber es ist und bleibt fest. Zum Backen eignet es sich also nicht. Für Sandwiches, Salate oder dergleichen dagegen schon. Und dann wird uns das Ei serviert. Zur Degustation.

Zum Verwechseln ähnlich: «The Boiled», das vegane Ei der Migros, sieht nicht nur aus wie ein Hühnerei, sondern es schmeckt auch täuschend ähnlich.

Zum Verwechseln ähnlich: «The Boiled», das vegane Ei der Migros, sieht nicht nur aus wie ein Hühnerei, sondern es schmeckt auch täuschend ähnlich.

Sébastian Lavoyer

Wie es schmeckt? Erstaunlich ähnlich wie das Original. Einzig die Konsistenz des Eiweiss' weicht stärker ab. Es hat weniger Biss. Das Eigelb dagegen hat die mehlig-weiche Konsistenz, die gelbe Farbe – zum Verwechseln ähnlich. Lucie Kendall nickt, als sie das Urteil hört. Sie ist die Entwicklerin der Weltneuheit, der Kopf hinter dem veganen Ei. Dreieinhalb Jahre hat sie daran gearbeitet. Bis zum Schluss waren rund 20 Leute und vier Partnerunternehmen involviert.

Die grössten Herausforderungen: die Konsistenz und die Haltbarkeit

Kendall sagt: «Die zwei unterschiedlichen Konsistenzen waren eine der ganz grossen Herausforderungen.» Neben der Haltbarkeit. Da setzt man auf Hochdruck-Pasteurisierung, die bisher vor allem bei Fruchtsäften zum Einsatz kommt. Man hat alles unternommen, damit das Pflanzen-Ei möglichst wie ein Huhnei aussieht. Kleine Abweichungen waren jedoch unumgänglich, damit das Produkt nicht nur schön aussieht, oder gut schmeckt, sondern auch wirtschaftlich ist.

Produziert wird das Kunst-Ei im freiburgischen Estavayer-le-Lac von der Migros-Tochter Elsa. Vorerst nur in kleinen Mengen, auch weil die Beschaffung der zusätzlich benötigten Maschinen aufgrund von Lieferengpässen derzeit stockt. Auch deshalb werde heute noch Etliches von Hand gemacht, was künftig automatisiert werden soll. Wie viel produziert wird, dazu gibt die Migros keine Auskunft. Aber man arbeite im Zwei-Schichtbetrieb.