Energiekonzept
Es geht zu langsam: Nirgends stossen Heizungen immer noch so viel CO2 aus wie im Kanton Solothurn

Der Kanton Solothurn ist mit seinem Energiekonzept nicht mehr auf Kurs. Der Ersatz fossiler Energieträger kommt zu langsam voran. Dafür macht man beim Kanton hauptsächlich die Ablehnung des revidierten Energiegesetzes verantwortlich.

Urs Moser
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Rauchende Kamine: In Sachen CO2-Ausstoss von Heizungen hält Solothurn den traurigen Schweizer Rekord.

Rauchende Kamine: In Sachen CO2-Ausstoss von Heizungen hält Solothurn den traurigen Schweizer Rekord.

Urs Jaudas

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Während die Stadt Solothurn einen «Energiestadt-Monitor» enthüllt und das Ziel Energiestadt-Label «Gold» für 2024 ausruft, zeigt der zweite Reporting-Bericht zum kantonalen Energiekonzept, dass man bedrohlich vom Zielkurs abgekommen ist. Primär im Gebäudebereich, also beim Energieverbrauch für Raumheizung und Warmwassererzeugung, dort wo der Kanton hauptsächlich Einfluss nehmen kann, besteht Nachholbedarf (Ausgabe vom Mittwoch). Bei einem näheren Blick in den Reporting-Bericht zeigt sich, dass «Nachholbedarf» noch vorsichtig ausgedrückt ist.

Was den CO2-Ausstoss in diesem Bereich betrifft, trägt der Kanton Solothurn die rote Laterne. In keinem anderen Kanton liegen die CO2-Emissionen im Gebäudebereich pro Kopf und Quadratmeter so hoch wie in Solothurn.

Nein zum Energiegesetz wirkt nach

Die Abstimmungssieger von damals werden es nicht gerne hören, aber der Reporting-Bericht identifiziert eine klare Hauptursache für den Rückstand auf die Marschtabelle: Das wuchtige Nein zur Revision des kantonalen Energiegesetzes von 2018.

Damals hätten die neuen «Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich», kurz MuKEn in das kantonale Recht überführt werden sollen. Es ging dabei etwa um Vorgaben für den Ersatz von fossilen Heizsystemen und die Eigenstromproduktion bei Neubauten. Mit der Ablehnung dieser Regelungen könne «ein wesentlicher Teil der geplanten Einsparungen nicht erreicht werden», heisst es nun im zweiten Reporting-Bericht, während der erste von 2017 noch zum Schluss gekommen war, dass man energiepolitisch im Grossen und Ganzen «auf Kurs» sei.

Die Grafik zeigt: Der Anteil fossiler Heizungen geht zu langsam zurück, man ist noch weit vom Ziel entfernt.

Die Grafik zeigt: Der Anteil fossiler Heizungen geht zu langsam zurück, man ist noch weit vom Ziel entfernt.

Grafik Chm

Es ist nicht so, dass der Anteil der fossilen Energieträger für Heizung und Warmwasser nicht auch im Solothurnischen zurückgehen würde, nur eben deutlich zu langsam. Hier werden nach wie vor 81 Prozent des Gebäudeparks fossil beheizt, gesamtschweizerisch sind es «nur» 67 Prozent.

Die Zahl der Ölheizungen (derzeit rund 28'000) nimmt zwar ab, die der Gasheizungen (15'000) steigt aber nach wie vor an. Die Erstellung neuer thermischer Anlagen bewege sich dagegen auf «konstant niedrigem Niveau». Und: «Die Verdoppelung der Förderbeiträge zeigt bisher wenig Wirkung», ist im Bericht nachzulesen.

Grossbetriebe machen ihre Hausaufgaben

Wirklich auf Kurs, der sich seit der Verabschiedung des kantonalen Energiekonzepts 2014 mit dem Massnahmenpaket zur Energiestrategie 2050 auf Bundesebene allerdings auch verschärft hat, ist im Kanton laut Reporting-Bericht derzeit eigentlich nur noch die Industrie mit der Ausnützung des Sparpotenzials. Etwa die Hälfte der Grossverbraucher hat sich mit einer Zielvereinbarung zur Umsetzung von Effizienz- oder CO2-Reduktionsmassnahmen verpflichtet.

Beim motorisierten Individualverkehr sind einerseits zwar Fortschritte zu beobachten, indem die Neuzulassung von CO2-ärmeren Fahrzeugen insbesondere mit dem stark gewachsenen Anteil an Elektrofahrzeugen zunimmt, anderseits wird dieser Effekt aber durch die allgemeine Verkehrsentwicklung zu einem schönen Teil wieder kompensiert.

Auf rot steht die Ampel auch punkto Steigerung der lokalen Stromproduktion. Bei der Fotovoltaik bewegt sich der Zubau insgesamt zwar etwa auf dem nationalen Niveau, die Installation von neuen Kleinanlagen entwickelt sich ab er nicht wie geplant. «Nicht auf Kurs» heisst es auch bei anderen erneuerbaren Energien, sowohl was den Ausbau von Wasserkraftanlagen wie die Windenergie und Biomasse betrifft.

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