Das Gericht sprach einen 35-jährigen ehemaligen Spitzensportler, einen 27-jährigen ungelernten Koch und eine 51-jährige Frau des mehrfachen Mordes, des qualifizierten Raubes sowie der mehrfachen strafbaren Vorbereitungshandlungen zu Mord und Raub für schuldig.

Die Frau sei «nicht bloss Tippgeberin, sondern auch Denkerin und Lenkerin» gewesen, sagte Amtsgerichtspräsident François Scheidegger bei der Urteilseröffnung am Freitag. Dafür spreche auch, dass sie die Tatwaffe versteckt und geholfen habe, die Kleider und Tatutensilien zu verbrennen.

Staatsanwalt Jan Gutzwiller zeigt sich über die Urteile zufrieden

Staatsanwalt Jan Gutzwiller zeigt sich über die Urteile zufrieden

Angeklagte ohne Regung

Die drei Verurteilten nahmen den Richterspruch ohne Regung hin. Den beiden Männern wurden die Fussfesseln im Gerichtssaal erneut nicht abgenommen. Die beiden Männer waren geständig. Die Frau hatte jedoch bestritten, die Morde in Auftrag gegeben zu haben.

Das Tötungsdelikt zeige eine von «Egoismus geprägte Geringschätzung fremden Lebens», sagte Amtsgerichtspräsident Scheidegger. Das Ersticken durch Plastiksäcke sei «besonders grausam und kaltblütig» gewesen.

Ein genervter Daniel Walder, Verteidiger von Ruth S.

Daniel Walder, Verteidiger von Ruth S., ist genervt über das Urteil.

Die 55-jährige Ehefrau sowie die 35-jährige Tochter waren auf diese Weise erstickt worden. Der 60-jährige Ehemann wurde mit einem Kopfschuss getötet.

Staatsanwalt setzt sich durch

Das Urteil entspricht den Anträgen von Staatsanwalt Jan Gutzwiller. Dieser hatte für alle drei Angeklagten eine lebenslängliche Freiheitsstrafe gefordert.

Der Verteidiger des 27-Jährigen hatte eine Freiheitsstrafe von 12 bis 16 Jahren gefordert. Der Verteidiger des ehemaligen Spitzensportlers hatte keinen Strafantrag gestellt.

Mehrere Anträge der Verteidiger nach weiteren psychiatrischen Gutachten wurden vom Gericht abgewiesen. Das Gutachten des Forensikers Lutz-Peter Hiersemenzel erscheine vollständig und behandle alle wesentlichen Aspekte, sagte Scheidegger.

Der Anwalt von Guido S., Bruno Steiner, zieht das Urteil wie die anderen Strafverteidiger weiter

Der Anwalt von Guido S., Bruno Steiner, zieht das Urteil wie die anderen Strafverteidiger weiter.

Der Verteidiger der als Drahtzieherin beschuldigten Frau hatte einen Freispruch von den zentralen Anklagepunkten gefordert. Das Gericht kam seinem Antrag nach einer teilbedingten oder bedingten Freiheitsstrafe nicht nach und verhängte die Höchststrafe. Die 51- Jährige wird nach der Urteilseröffnung in Sicherheitshaft gesetzt.

Beim Dreifachmord von Grenchen SO wurden am 5. Juni 2009 eine dreiköpfige Familie ausgelöscht. Der 60-jährige Ehemann wurde mit einem Kopfschuss niedergestreckt. Seine 55-jährige Frau und die 35- jährige Tochter wurden mit Plastiksäcken erstickt. (sda)

So verlief die Urteilsverkündigung:

15:50

Die Verhandlung ist zu Ende, unter Protesten der frustrierten Strafverteidiger. Werden sie die Urteile weiterziehen?

15:48

Wie der Staatsanwalt fordern auch Richter keine Verwahrung, da es sich bei den Tätern um Ersttäter handle. Nun erklärt der Gerichtspräsident, was aus Sicht des Gerichts eine Sicherheitshaft Ruth S.' zwingend mache. Dann erklärt er noch, weshalb das Gericht die Zivilansprüche – Genugtuungs- und Schadenersatzzahlungen – anerkennt.

15:46

Auch bei Ruth S. seien keine strafmildernden Umstände geltend zu machen. Sie sei von Beginn weg Drahtzieherin gewesen. Scheidegger bezeichnet sie als domnant und kaltblütig, mit einer Portion Abgebrühtheit. Komme hinzu, dass sie eine Beteiligung stets abstritt und nie zur Aufklärung der Tat beitrug.

15:45

Nun referiert Richter François Scheidegger über die Strafzumessung. Alle drei seien schuldfähig. Durch ihre Grausamkeit, Skrupellosigkeit und massgebliche Beteiligung seien lebenslängliche Freiheitsstrafen angemessen. Für alle drei Beschuldigten will das Gericht keine strafmildernden Umstände erkennen: Patric S. sei von Beginn weg der «Mann fürs Grobe» gewesen. Angesichts der Schwere der Tat sei sein Drogenkonsum bedeutungslos. Doch auch Guido S. sei nicht etwa nur der «kleine Guido» gewesen, als der er dargestellt wurde. Er sei massgeblich in die Organisation und Beschlussfassung involviert gewesen und hätte früh erkennen müssen, dass er in die Rolle des ausgestiegenen Carsten S. treten musste. Eine Affekthandlung könne ausgeschlossen werden. Der Alkoholeinfluss, unter dem er stand, sei angesichts der Schwere der Tat bedeutungslos.

15:32

Ruth S. habe geholfen, die Taten vorzubereiten. Das Gericht folgt auch in diesem Punkt der Argumentation des Staatsanwalts. Der Gebrauch von Kabelbindern und Chloroform etwa sei ihre Idee gewesen.

Pius Buchmann, Verteidiger von Patric S., ist überhaupt nicht zufrieden mit dem psychiatrischen Gutachten.

Pius Buchmann, Verteidiger von Patric S., ist überhaupt nicht zufrieden mit dem psychiatrischen Gutachten.

15:22

Nun wendet sich Gerichtspräsident ausführlich Ruth S.' Rolle zu. Sie sei an der Entschlussfassung, Planung und Organisation massgeblich beteiligt gewesen. Die Richter interessierten sich insbesondere für ein Treffen zwischen den drei Verurteilten, das Ruth S. bestritt. Die Richter glauben ihr aber nicht und erteilen ihrem Verteidiger Daniel Walder eine Niederlage. Dieser versuchte in seinem Plädoyer nämlich glauben zu machen, dass sich die beiden Männer zum fraglichen Zeitpunkt zwar im Wohnort von Ruth S. aufgehalten hätten, jedoch nicht bei ihr zuhause, sondern in einer nahen Kiesgrube.

15:05

Guido S. habe bei all den Taten mitgemacht. Diese seien besonders grausam gewesen. Guido S. sei es schliesslich gewesen, der die wehrlose Tochter der Familie Dubey unter Qualen habe ersticken lassen. Patric S. und Guido S. hätten stets im Team gearbeitet. Nachdem der Gerichtspräsident über die Gefährlichkeit und die Schuld Guido S.' gesprochen hat, wendet er sich Patric S. zu: Auch er habe aus Habgier gehandelt. Er hätte die Opfer grausamer psychischer und physischer Qualen ausgesetzt, was für eine Tötung allein nicht nötig gewesen wäre.

14:44

Das Tatmotiv ist laut Urteil der Amtsrichter Geld. Auch Ruth S. sei einzig von der Geldgier getrieben worden. Von einem übertriebenen Drang, helfen zu wollen – so hat es Ruth S. immer wieder dargestellt –, wollen die Richter nichts wissen. Der Staatsanwalt Jan Gutzwiller scheint mit dem Urteil zufrieden zu sein. Immer wieder schweift sein Blick zu den Verurteilten und ihren Strafverteidigern. Doch diese zeigen kaum Regungen. Was ist zu erwarten? Werden alle drei ans Obergericht weiterziehen?

Die Angeklagten im Schenkkreis-Mord werden vor Gericht geführt

Die Angeklagten im Schenkkreis-Mord werden vor Gericht geführt.

14:40

Ruth S. war die «Denkerin und Lenkerin», sagt Gerichtspräsident Scheidegger, als er auf die Rolle der nun verurteilten Drahtzieherin zu sprechen kommt. Zu sehr deckten sich die Aussagen der beiden männlichen Täter. Es sei auszuschliessen, dass sich diese hätten absprechen können. Ruth S. sei der «General» gewesen, machten Beide im Strafverfahren und während des Prozesses geltend.

14:35

Nun verteidigt der Gerichtspräsident François Scheidegger den Gutachter. Das psychiatrische Gutachten zeichne sich durch Objektivität und Neutralität aus. Es bestehe überhaupt nicht der Eindruck der Befangenheit. Neue Gutachten würden daran nichts ändern. Das bestehende sei umfassend. Insbesondere scheinen sich die Richter mit dem Vorwurf des Strafverteidigers von Patric S. befasst zu haben. Dieser kritisierte, dass der Gutachter dem Zusammenhang zwischen Dopingmissbrauch und erhöhtem Aggressivitätspotenzial zuwenig Beachtung geschenkt habe. Das Gericht verteidigt den Gutachter Lutz-Peter Hiersemenzel auch in Bezug auf sein stark in die Kritik der Anwälte geratenes Interview mit dem Schweizer Fernsehen.

14:20

Das Gericht hat sämtliche Anträge der Verteidiger von Guido S. und Patric S. abgewiesen. Von den sechs Anträgen betrafen fünf das psychiatrische Gutachten. Die Anwälte von Guido S. und Patric S. griffen den Verfasser aller drei Gutachten – den Forensiker Lutz-Peter Hiersemenzel – frontal an. Ein weiterer Antrag Patric S.' verlangte die Vorladung weiterer Zeugen.

14:13

Das Gericht folgt mit seinen Urteilen den Anträgen des Staatsanwalts, der für alle drei Angeklagten lebenslängliche Haftstrafen forderte. Alle drei werden wegen mehrfachen Mords und weiterer Delikte bestraft. Wegen der Fluchtgefahr wird Ruth S. direkt nach der Urteilsverkündung in Sicherheitshaft genommen.

14:08

Auch Patric S. erhält lebenslänglich.

14:07

Auch Ruth S. erhält lebenslänglich und muss – wie der Gerichtspräsident François Scheidegger ausführt – zur «Sicherung des Strafvollzugs» in Sicherheitshaft.

14:04

Guido S. erhält lebenslänglich.

13:55

In wenigen Minuten beginnt der letzte Prozesstag um die Grenchner-Schenkkreismorde vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern. Die Richter um Gerichtspräsident François Scheidegger haben ihr Urteil gefällt. Welche Strafen bekommen die Angeklagten? Diese betreten den Gerichtssaal. Der ehemalige Spitzensportler Patric S. in neuem Tenue: Blütenweiss ist es. Das Medieninteresse ist riesig. Wie zu Beginn des Prozesses sind die Plätze für die Journalisten voll ausgelastet.

Die az tickert live ab 14 Uhr.