Dicke Post erhielt in den vergangenen Wochen die Solothurner Wählerschaft, und zwar im buchstäblichen Sinn: Die Wahlcouverts beinhalten nebst Wahlzetteln und -anleitungen rund zwei Dutzend Broschüren der Parteien.

Das dafür aufgewendete Geld kommt dabei mehrheitlich den Druckereien im Kanton zugute: Sieben Kantonalparteien teilen auf Anfrage mit, ihr Wahlmaterial im Solothurnischen zu drucken.

SP und Grüne, inklusive Jungparteien, sowie die EDU haben ihre Wahlprospekte bei der Druckerei Albrecht in Obergerlafingen anfertigen lassen. «Uns ging es darum, Arbeitsplätze im Kanton Solothurn zu berücksichtigen», begründet SP-Wahlkampfleiter Niklaus Wepfer die Entscheidung seiner Partei. Zudem habe man mit dem Druckereibetrieb bereits bei vergangenen Wahlen gute Erfahrungen gemacht. Für die Grünen sei das Angebot «preislich sehr korrekt», sagt ihre Wahlkampfleiterin Ursula Grossmann. Der Betrieb bilde ausserdem Lehrlinge aus, was den Grünen fördernswert schien. Auch für EDU-Präsident Eduard Winistörfer stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis der Druckerei. Dort produzieren zu lassen, habe bei der EDU «schon fast Tradition».

Zwei drucken in Olten

CVP und SVP haben die Oltner Druckerei Dietschi mit der Herstellung ihres Wahlmaterials beauftragt. Die Offerte sei gut gewesen, so SVP-Wahlkampfleiter Hugo Schumacher, für dessen Partei zudem der lokale Bezug wichtig sei. «Wir legen Wert darauf, Firmen im Kanton zu unterstützen», sagt auch der wahlkampfleitende CVPler Stefan Berger, der ausserdem auf die seit Jahren gute Zusammenarbeit verweist. FDP und Jungfreisinnige liessen in Langendorf drucken: «Mit der dortigen Druckerei haben wir gute Erfahrungen gemacht», erklärt Geschäftsführer Charlie Schmid den Auftrag an die Druckerei Herzog.

Mit der BDP, die ihre Prospekte in der Stadtsolothurner Druckerei Rothen anfertigen liess, hat sich eine weitere Partei für eine innerkantonale Produktion entschieden. «Man kann nicht fordern, die inländische Wirtschaft zu unterstützen, und es dann selber nicht tun», begründet BDP-Wahlkampfleiter Martin Flury den Entscheid.

Warum nicht im Kanton?

Einzig die Grünliberalen, die Junge SP Olten sowie die EVP haben ihr Wahlmaterial bei Druckereien ausserhalb des Kantons bezogen. «Wir haben uns dazu entschieden, mit unserem Druckauftrag ein Sozialprojekt zu unterstützen», sagt EVP-Co-Präsident René Steiner. Seine Partei liess ihr Wahlmaterial bei den Romanshorner Brüggli Medien fertigen. Dort arbeiten Menschen mit Behinderung.

Im Gegensatz zur Juso hat sich die Junge SP Region Olten nicht am Druckauftrag der Mutterpartei beteiligt. Da man nur über die Hälfte des Budgets der Juso verfüge, habe man sich für den Online-Druckanbieter Firstprint.ch entschieden. «Das war das einzige Angebot, das wir uns leisten konnten», sagt Präsident Simon Muster. Als Tochterfirma von United Print lässt Firstprint.ch ihre Produkte in einer deutschen Zentraldruckerei herstellen.

Auch GLP-Präsident René Kühne bestätigt, dass die Wahlunterlagen seiner Partei ausserhalb des Kantons hergestellt wurden, um Kosten zu sparen. Man habe sich mit den anderen grünliberalen Sektionen zusammengetan, um einen Sammelauftrag aufgeben zu können. «Dadurch war ein substanzieller Mengenrabatt möglich, was bei knapper Wahlkampfkasse ins Gewicht fällt», so Kühne. Mit dem GLP-Grossauftrag wurden zwei Druckereien in Laufenburg AG und Bachenbülach ZH betraut.