Reaktionen zur Gondelbahn
«Die Vernunft hat sich gegen die Nostalgiker durchgesetzt»

Seit 2009 fährt kein Sesseli mehr auf den Weissenstein. Wer auf den Berg will, muss das Postauto oder das Auto nehmen oder hoch wandern. Die meisten freuen sich denn auch über den definitiven Bau der Gondelbahn.

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Solche Gondeli sollen ab Herbst 2014 auf den Weissenstein fahren.

Solche Gondeli sollen ab Herbst 2014 auf den Weissenstein fahren.

Solothurner Zeitung

Es war eine langwierige Geschichte. Doch seit heute steht fest: Ab spätestens Herbst 2014 führt wieder eine Bahn auf den Solothurner Hausberg. Keine offenen Sesseli mehr, es werden moderne Sechserkabinen-Gondeln sein.

Rolf Studer, VR-Vizepräsident der Seilbahn Weissenstein AG, hat die Nachricht kurz nach neun Uhr auf der Homepage des Heimatschutzes erfahren. «Ich habe gedacht, dass ich träume». Ein riesiger Stein, würde nun von ihm fallen. «Ich bin dankbar für das Einsehen des Heimatschutzes».

Sehr zufrieden ist auch Bau- und Justizdirektor Walter Straumann. «Ich bewundere die Leute, die den langen Prozess mit Geduld mitgemacht und nie die Nerven verloren haben.» Und auch Tourismusdirektor Jürgen Hofer ist erleichtert, dass einer der Leuchttürme der Region wieder zuhänglicher wird. Jetzt könne man mit dem Marketing wieder Vollgas geben.

Pro Sesseli kämpft auf neuer Schiene

«Wenn die Bevölkerung die Bahn unbedingt will, soll sie sie bekommen. Eine weitere Verzögerung macht keinen Sinn», sagt Pro Sesseli-Vereinspräsident Heinz Rudolf von Rohr, dem der letzte Entrüstungssturm beim Weiterzug ans Bundesverwaltungsgericht zu denken gegeben hat. Jetzt hat er einen Strich unter die Angelegenheit gezogen.

Trotzdem: Aus rechtlicher Sicht hätte Rudolf von Rohr durchaus Chancen gesehen. «Der Entscheid des Bundesverwaltungsgerichtes ist sehr problematisch. Es hätte sich gelohnt, ans Bundesgericht zu gehen.»

Wie es mit Pro Sesseli weitergeht, sei noch nicht klar, so Rudolf von Rohr. Zur Klärung soll eine ausserordentliche Generalversammlung beitragen. Hauptziel des Vereins könnte künftig der Erhalt und Schutz der Natur auf dem Weissenstein sein.

Wieder auf den Berg

Die Mehrheit der Online-User freut sich über den angekündigten Neubau. 75 Prozent der Teilnehmer einer Online-Umfrage (gesamthaft 444 Teilnehmer, Stand 15.37 Uhr) sind froh, dass es nun endlich vorwärts geht mit der Bahn. Es sei egal ob Sesseli oder Gondel, kommentiert Fritz Zutter. «Wichtig ist, dass man wieder auf den Berg fahren kann!».

Roswitta Steiner ist froh, dass man nicht ewig am Bisherigen kleben bleibt: «Wir leben doch nicht in einem Museum.» Für Walter Wenger hat sich die Vernunft gegen die Nostalgiker durchgesetzt. Und Michel Lucien schreibt: «Nun werden wir auch mit Oma und Kinder auf den Berg fahren können, auch derjenige der nicht gerne ‹offen› und erst noch seitwärts über dem Abgrund schwebt»

«Weitere 0815-Bahn»

Enttäuscht äussert sich Ruedi Lehmann. Er findet es schade, dass die historische Sesselbahn verschwindet. «Nun wird vielleicht eine weitere 0815-Bahn gebaut, die bald in die finanzielle Schaukelbahn gerät», schreib er. Andere Leser schwelgen in Erinnerungen: «Ein Traum war es, auf dem Sässeli das Nebelmeer zu durchbrechen, mit freiem Blick auf die Alpen. Ein Kinoprogramm erster Güte.»

Die Sesselbahn auf den Weissenstein: Impressionen aus dem Archiv
12 Bilder
Sesselbahn Weissenstein
Sesselbahn Weissenstein Sesselbahn Weissenstein
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Sesselbahn Weissenstein Ungewisse Zukunft: Ab Sonntag werden die rund 120 Sässeli im Depot Nesselboden eingemottet. (Bild: Hanspeter Bärtschi)
Sesselbahn Weissenstein

Die Sesselbahn auf den Weissenstein: Impressionen aus dem Archiv

Solothurner Zeitung

Auch Marco Frisina findet es schade, dass der Heimatschutz nicht weiterkämpft. «Die alte Sesselbahn ist historisch und hätte weiterbestehen müssen. Wo bitte bleibt unsere Heimatbewegung?»

Agnes Frey hängt zwar auch an den historischen Sesseli, «man muss jedoch vernünftig sein, und nicht etwas ‹durchstieren› wollen, was partout keinen Sinn mehr macht. In diesem Sinne: freuen wir uns auf die neue Gondel!» (ldu)

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