Parteitag
Die SPler waren sich uneinig und unsicher bis zum Schluss

Zentrales Thema der SP am Kantonalen Parteitag war die Präimplantationsdiagnostik: Männer referierten sachlich, Frauen diskutierten emotional.

Deborah Onnis
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Das Mikro und ein Plakat fielen während der Referate herunter. Und der Pro-Redner kam zu spät. Franziska Rothversuchte für Abhilfe zu sorgen.

Das Mikro und ein Plakat fielen während der Referate herunter. Und der Pro-Redner kam zu spät. Franziska Rothversuchte für Abhilfe zu sorgen.

Bruno Kissling

«Es bleibt ein persönlicher Entscheid», darin waren sich die zwei männlichen Pro- und Kontra-Referenten bei der Diskussion über die Abstimmungsvorlage zur Präimplantationsdiagnostik (PID) am kantonalen SP-Parteitag in Starrkirch-Wil einig. Emotionen zeigten der Basler Grossrat Georg Mattmüller (kontra) und der Berner Ständerat Hans Stöckli (pro) am Donnerstag aber kaum.

«Ich will das Thema absichtlich nicht zu fest emotionalisieren», sagte Mattmüller, der auch Geschäftsführer des Behindertenforums Basel ist. Auf spätere Nachfrage erklärte er auch warum: «Emotionalisierung geht dann schnell in Richtung Moralisierung gegenüber Frauen und Behinderten. Da es sich um persönliche Entscheide handelt, sollte man die unterschiedlichen Meinungen respektieren.» Am Parteitag berichtete er über zwei Behindertenorganisationen, die jeweils eine andere Meinung zum Thema vertreten. Und merkte an, dass speziell die Meinungen zwischen Behinderten-Experten und Behinderten auseinandergehen. «Behinderte lehnen jegliche Selektion ab», sagt er. «Und sie nehmen die Debatte sehr persönlich.» Wird die PID zugelassen, wird der Druck auf Paare steigen. «Und es darf nicht sein, dass sich Eltern für ein behindertes Kind rechtfertigen müssen.»

Hans Stöckli erklärte die genauen Verfassungsänderungen, welche die Vorlage vorschlägt und zeigte mit Grafiken auf, wie eine künstliche Befruchtung überhaupt funktioniert. «Die PID könnte betroffenen Frauen viel Leid ersparen», sagte er. Zwischen 100 und 200 Paare würden laut ihm von der PID überhaupt profitieren können. «Jetzt müssen sie X Versuche machen, welche dann häufig mit einer Abtreibung enden, weil die Embryonen krank waren.» Mit der PID würden die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft enorm steigen.

«Jetzt wird diskutiert», sagte Franziska Roth, Präsidentin der SP Kanton Solothurn, und eröffnete so die Diskussionsrunde. Diskutiert und gefragt wurde nicht viel, dafür mehrheitlich emotional. Die meisten der lediglich 56 anwesenden Delegierten und acht Gäste wirkten bei dieser Vorlage eher unentschlossen und nachdenklich. «Ich habe noch nicht entschieden. Es ist wirklich eine heikle Entscheidung» hiess es auch schon bei einigen kurz vor der Treffen.

Emotionale Argumente

In drei der fünf Wortmeldungen aus der Versammlung sprachen sie die Anwesenden für ein klares Ja aus. «Eine Abtreibung ist für Betroffene schlimmer als eine PID zu machen», sagte Ursula Ulrich-Vögtlin aus Olten. Hardy Jäggi, Kantonratsmitglied aus Recherswil, stimmte ihr zu und erwähnte auch einen finanziellen Aspekt: «Eine PID zu machen ist viel einfacher als abzutreiben. Werden so Abtreibungen vermieden, können auch Mehrkosten gespart werden.» Ob die Abtreibungen wirklich zurückgehen würden, sei dahingestellt, sagt Georg Mattmüller: «Viele Frauen treiben heute auch aus anderen Gründen ab.»

Nationalrätin Bea Heim sprach sich für die PID aus und begründete ihre Haltung: «Ich bin indirekt betroffen, da in meiner Verwandtschaft ein Kind die Glasknochenkrankheit hat. Jeden Tag hat es Schmerzen und muss sehr starke Schmerzmittel nehmen.» Als Mutter sei es hart, so etwas zu erleben. «Deshalb ist es besser, im Reagenzglas solche Folgen zu verhindern», sagte sie.

Thema blieb präsent

Daniel Thommen, Gemeindepräsident von Starrkirch-Will, stellte sich klar gegen die PID-Vorlage und warnte bei der Annahme der PID-Vorlage vor der Geburt eines «neuen lukrativen Geschäfts». «Bald werden viele Spitäler nachrüsten und dadurch wird ein Riesen-Geschäft daraus entstehen», sagte er. Hans Stöckli konterte «Eine Abtreibung ist lukrativer.»

Nach Abschluss der Versammlung blieb das Thema PID unter Teilnehmern präsent. Die meisten mussten die gehörten Argumente noch abwägen. Auch für sie bleibt es eine persönliche Entscheidung; die Mutterpartei gab bei dieser Vorlage die Stimmfreigabe. Die Solothurner SP schliesst sich bei nationalen Vorlagen der SP Schweiz an.

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