Däniken
Der Regierungsrat sorgt sich um die Fische beim AKW Gösgen

Die Betreiber des Atomkraftwerks beantragen beim Bund eine neue Konzession für die Entnahme von Kühlwasser – die Solothurner Regierung will nicht, dass diese unbefristet erteilt wird.

Sven Altermatt
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Das KKW Atomkraftwerk Gösgen darf weiterhin Wasser aus der Aare beziehen, solange keine Fische sterben.

Das KKW Atomkraftwerk Gösgen darf weiterhin Wasser aus der Aare beziehen, solange keine Fische sterben.

Bruno Kissling

Alles andere wäre eine Überraschung gewesen, ja eine faustdicke sogar: Das Atomkraftwerk Gösgen soll weiterhin Kühlwasser aus der Aare beziehen können. Der Solothurner Regierungsrat ist mit der Verlängerung der entsprechenden Konzession einverstanden – im Grossen und Ganzen zumindest. Das schreibt er in einer am Montag verabschiedeten Stellungnahme an den Bund.

Für die Kühlsysteme des Atomkraftwerks werden der Aare durchschnittlich 2,2 Kubikmeter Wasser pro Sekunde entnommen, nach der Kühlung werden im gleichen Zeitraum rund 1,5 Kubikmeter wieder an den Oberwasserkanal abgegeben.
Die Betreibergesellschaft hat dafür unter anderem zwei Konzessionen des Bundes, der seit einigen Jahren für alle Bewilligungen im Zusammenhang mit Atomkraftwerken verantwortlich ist. Überdies erlauben die Konzessionen die Rückführung von Schwemmgut und den Betrieb einer Grundwasserfassung für Notfälle.

Ende September 2018 werden die Konzessionen jedoch auslaufen. Deshalb hat die Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG das Gesuch gestellt, die Wasserentnahme im bisherigen Umfang zu genehmigen. Im Gegensatz zu der bisherigen Regelung sollen die neuen Konzessionen kein fixes Ablaufdatum mehr enthalten, sondern die Wasserentnahme bis zur endgültigen Stilllegung des Atomkraftwerks erlauben.

Doch genau das geht der Solothurner Regierung zu weit: Sie fordert, dass eine maximale Gültigkeitsdauer von 40 Jahren für die Bewilligungen festgelegt wird. Eine Befristung sei bei Konzessionen üblich und an dieser Praxis wolle man festhalten, heisst es dazu auf Anfrage beim kantonalen Amt für Umwelt.

An den Fischschutz denken

Das AKW soll dem Kanton wie bis anhin für die Nutzung des Aarewassers eine Gebühr gemäss dem geltenden Tarif entrichten. In seiner Stellungnahme legt der Regierungsrat mehrfach Wert auf diese Feststellung. Für jeden Kubikmeter verdunstetes Wasser – der Differenz zwischen dem entnommenen und dem rückgeführten Aarewasser also – müssen dem Kanton aktuell 22 Rappen überwiesen werden. Dazu kommt eine Grundgebühr. Pro Jahr fliessen so im Durchschnitt rund vier Millionen Franken in die Staatskasse. Der Verzicht auf die Gebühr sei auch seitens der Betreiber nicht im Raum gestanden, betont Christoph Dietschi vom Amt für Umwelt. «Wir wollen im Interesse des Kantons aber explizit festschreiben, dass daran festgehalten wird.»

Darüber hinaus sorgt sich die Regierung um das Wohl der Fische in der Aare. Sie verlangt Abklärungen, wie viele Fische durch das bestehende Wasserentnahmebauwerk gelangen und in der Siebtrommel verletzt oder getötet werden. «Von diesen Untersuchungen sollen zusätzliche Massnahmen abhängig gemacht werden», fordert sie konkret. Im Umweltbericht des AKW, so die Kritik, werde dem Fischschutz bei der Wasserentnahme keine Beachtung geschenkt. Die bisherige, aus dem Jahre 1973 stammende Regelung vermag in den Augen der Solothurner Regierung den nötigen Fischschutz nicht mehr sicherzustellen. Tatsächlich heisst es darin bloss, dass man Rücksicht auf die «Belange der Fischerei» nehmen müsse. Das Bauwerk zur Entnahme des Aarewassers solle künftig so ausgestaltet werden, «dass möglichst keine Fische getötet oder verletzt werden».

Drei Einsprachen hängig

Formell geht das Gesuch für die Wasserentnahme an die AKW-Gemeinden Däniken und Niedergösgen. Für die Bewilligung ist jedoch das Bundesamt für Energie (BFE) im Departement von Bundesrätin Doris Leuthard zuständig. Im Rahmen der öffentlichen Auflage der neuen Konzessionen sind drei Einsprachen eingegangen, wie BFE-Sprecherin Marianne Zünd erklärt. Weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt, könne man über Absender und Inhalte keine Angaben machen.

Nebst dem Kanton Solothurn sind auch die Bundesämter für Umwelt und Gesundheit vom BFE aufgefordert worden, sich zu einer Verlängerung der Konzession für die Wasserentnahme zu äussern.

So funktioniert die Flusswasserkühlung im AKW

Im Normalbetrieb werden dem Oberwasserkanal des Wasserkraftwerks Gösgen rund 2,2 Kubikmeter Wasser pro Sekunde entnommen und auf das nukleare und das konventionelle Nebenkühlwassersystem verteilt. Das Hauptwasserkühlsystem mit dem 150 Meter hohen Kühlturm führt die nicht mehr nutzbare Wärme aus den Turbinenkondensatoren ab und nutzt dabei Wasser aus dem Aus dem Kühlturmbecken. Durch die Turbinenkondensatoren wird das Wasser um 14 Grad Celsius erhitzt und im innern des Kühltrums versprüht. Durch Kaminzug verdunsten so je nach Witterung durch den Kühlturm 400 bis 700 Liter Wasser pro Sekunde. Dieses wird durch aufbereitetes Zusatzwasser aus dem Oberwasserkanal des Wasserkraftwerks ersetzt.

Das Nebenkühlwassersystem kühlt die konventionellen Anlagen im Maschinenhaus, die Hauptkühlwasserpumpen und Kältemaschinen. Auch das Zusatzwasser für den Kühlturmbetrieb wird diesem System entnommen. Überschüssiges Wasser, das maximal um 6,5 Grad Celsius erwärmt wird, fliesst zurück in den Oberwasserkanal, im Schnitt rund 1,5 Kubikmeter pro Sekunde. Sollte das Ablaufsystem zum Oberwasserkanal gestört sein erfolgt die Ableitung über ein Ablaufsystem zur Aare. Eine zweite Wasserfassung befindet sich am Unterwasserkanal. Das Wasser fliesst hier mithilfe zweier Diesel-Pumpen über eine Rohrleitung ins Nebenkühlwasserpumpenhaus. Diese redundante Kühlwasserversorgung wird nur im Notfall benötigt, wenn die Kühlwasserversorgung aus dem Oberwasserkanal versagen sollte. (cze)

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