Monteverdis «L'Orfeo»
Der Meilenstein der Barockopern auf der Waldegg

Mit der Inszenierung von Monteverdis «Orfeo» erfüllt sich ein lang gehegter Wunsch der Veranstalter der Barockoper-Reihe auf Schloss Waldegg.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Michael Feyfar (l.) als Orfeo und Jan Börner in der Doppelrolle als Pastore und Speranza proben für eine erfolgreiche Premiere am kommenden Donnerstag.

Michael Feyfar (l.) als Orfeo und Jan Börner in der Doppelrolle als Pastore und Speranza proben für eine erfolgreiche Premiere am kommenden Donnerstag.

Hanspeter Bärtschi

Im Zweijahresrhythmus finden auf Schloss Waldegg Barockopern statt. Am kommenden Donnerstag ist es wieder so weit: Monteverdis «l’Orfeo« wird aufgeführt. Wir trafen Andreas Reize, musikalischer Leiter, und Georg Rootering, Regisseur, im Stadttheater Solothurn, wo teilweise Proben abgehalten werden.

Monteverdis «l’Orfeo» steht für die Geburtsstunde der Oper. War die Aufführung dieses Stückes ein Traum von Ihnen?

Georg Rootering

Georg Rootering

Georg Rootering: Bisher haben wir uns in sieben Produktionen an französische Komponisten gewagt. Nun ist es Monteverdi. Einerseits Zufall, weil 2017 ein Monteverdi-Jahr ist, andererseits logische Konsequenz unseres Schaffens und damit Vorsatz.

Andreas Reize: Monteverdi aufzuführen bedeutet, dass wir in der Entwicklung unseres Ensembles vorangekommen sind. Dieser Komponist schuf eine der schönsten Klangfarben, die man finden kann, und wir sind in der Lage, dies aufzuführen.

Wo liegen die besonderen Schwierigkeiten?

Andreas Reize

Andreas Reize

zvg

Reize: Monteverdi hat das Stück exakt beschrieben. Allerdings gibt es dann Abweichungen in der Partitur, die er nicht vermerkte. Zudem hat er eine hochvirtuose Partitur geschaffen und verzierungsmässig alles «ausgepackt».

Rootering: Das musste er auch. Denn es herrschte an den fürstlichen Höfen im 16. und 17. Jahrhundert eine grosse Konkurrenz. Jeder Fürst wollte die besten Künstler und Wissenschaftler um sich scharen.

Wo sind die Herausforderungen bei der Inszenierung?

Rootering: Die griechische Sage von Orpheus und Eurydike war damals allgemein bekannt, was den Erfolg von «l’Orfeo» erklärt. Es ist die universale Geschichte von Liebe, Freude, Verlust und Trauer, die uns bis heute anspricht. «Orfeo» beinhaltet nicht nur musikalische und sängerische Komponenten, sondern besteht auch aus vielen schauspielerischen Aktionen. Das bedeutet: Alle Akteure auf der Bühne müssen ganz präsent und vor allem auch choreografisch versiert sein. Mir kommt es vor wie ein Hochseilakt, all diese Stränge zusammenzuführen.
Warum soll sich der heutige Musikfreund noch Monteverdis «l’Orfeo» von 1607 anhören?

Reize: Hier ist ein Triumph der Musik mitzuerleben. Eine wunderschöne Musik, die einen in den Bann zieht. Sie hilft, zu entschleunigen, und sie ist trotz ihres Alters unheimlich modern, denn sie hat auch viel Rhythmus. Ich sage immer: Eine Art «barocke Discomusik».
Rootering: Es ist universelle Geschichte, in der das Durchstehen von Schwierigkeiten, das Positive des Lebens thematisiert werden. Wir zeigen das Stück in einer schlichten und unaufdringlichen Art.

«L’Orfeo»: Premiere Do, 10. August, 19 Uhr. Weitere Aufführungen: 11., 12., 13., 15,. 18., 19. 8. jeweils 19 Uhr auf Schloss Waldegg. Bei schlechtem Wetter im Stadttheater Solothurn. Infos: www.operwaldegg.ch

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