Solarenergie
Der Kanton Solothurn (ent)deckt seine Dächer neu

Ein SP-Auftrag für Installationspflicht stösst beim Regierungsrat auf offene Ohren. Potenzielle Dachflächen sind bereits eruiert. Möglicherweise werden sogar bald auch Private bei Neubauten zur Installation von Solaranlagen verpflichtet.

Marco Zwahlen
Drucken
Teilen
Werden Solaranlagen auf Neubauten schon bald Vorschrift?

Werden Solaranlagen auf Neubauten schon bald Vorschrift?

fg

«Der Regierungsrat prüft alle Dächer von kantonalen Liegenschaften des Verwaltungs- und Finanzvermögens auf ihre Eignung zur Bestückung mit Solarzellen zur Stromproduktion oder zur Warmwasseraufbereitung mit Sonnenenergie (Thermische Solaranlage). Die geeigneten Dächer sind solar zu bestücken.» Dieser Auftrag von Fabian Müller (SP, Balsthal) findet beim Regierungsrat offene Dächer.

So habe das Hochbauamt bereits im Frühjahr 2011 für die Bildungsbauten und die allgemeinen Bauten des Verwaltungsvermögens die potenziellen Dachflächen eruiert, welche für Solaranlagen geeignet seien. Konkret: 20 Gebäude mit geeigneten Dachflächen von insgesamt rund 20000 Quadratmetern. Auf diesen Dächern sei geplant, in einem Zeitraum von etwa 5 Jahren Solaranlagen zu installieren oder aber die Dachflächen für Dritte für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Dabei stünden Photovoltaikanlagen im Vordergrund.

Neues Investitionsprogramm

Die Installation solcher Anlagen «dürfte mit heutigen Preisen gerechnet rund 8 Mio. Franken kosten», so der Regierungsrat in seiner gestrigen Antwort zum Auftrag. Dabei sei damit zu rechnen, dass die Preise für Photovoltaikanlagen auch in den nächsten Jahren noch günstiger werden. Offen sei, ob das Hochbauamt in jedem Fall als Bauherr auftrete und die Photovoltaikanlagen selbst finanziere. Mit der Nutzung genannter Dachflächen könnten jährlich rund 1300000 Kilowattstunden elektrische Energie gewonnen werden. «Das entspricht nahezu der Energiegewinnung des Wasserkraftwerks im Emmekanal in Luterbach», so der Regierungsrat.

Grundsätzlich will der Kanton Photovoltaikanlagen nach folgenden Prioritäten installieren: In erster Priorität sind – wie bereits praktiziert – Anlagen auf den Dachflächen der geplanten oder im Bau befindlichen Neubauten vorgesehen. Hier seien die Kosten Bestandteil des Verpflichtungskredits. In zweiter Priorität sollen bei notwendigen Sanierungen von geeigneten Dachflächen gleichzeitig Photovoltaikanlagen installiert werden. «In diesen Fällen werden die Kosten im Budget des planbaren Unterhalts des Hochbauamts oder des entsprechenden Kleinprojektes eingerechnet.»

Für die übrigen zur Bestückung mit Solarzellen geeigneten Dachflächen von bestehenden Gebäuden, bei denen aber keine Dachsanierung anstehe und sich keine Lösung mit Dritten aufdränge, sei im Rahmen der Kleinprojekte Hochbau ein eigenes Investitionsprogramm in der Höhe von 3 Mio. Franken geplant. Eine erste Tranche von 1 Mio. Franken dieses Programmes ist mit den Kleinprojekten mit Beginn ab 2013 vorgesehen.

Der Regierungsrat weist ferner darauf hin: «Sollte dereinst der Solarkataster für den Kanton Solothurn zur Verfügung stehen – entsprechende Abklärungen werden zurzeit vorgenommen – wird diese Liste von Dächern ergänzt.» Unter anderem auch mit den Gebäuden im Finanzvermögen. Diese würden jedoch vielfach im Baurecht genutzt, «sodass der Kanton hier nicht mehr direkt Einfluss nehmen kann, ob Solaranlagen installiert werden oder nicht».

Installationspflicht für Private?

Der Kanton will sich jedoch nicht nur mit der Pionierrolle begnügen. Möglicherweise werden bald auch Private bei Neubauten zur Installation von Solaranlagen verpflichtet. Der Regierungsrat hat gestern beschlossen, einen entsprechenden weiteren Auftrag von Müller mit abgeändertem Wortlaut zu unterstützen. «Wie genau die Fördermassnahmen auszugestalten sind und ob eine Nutzungspflicht der Solarenergie bei Neubauten eingeführt werden soll, wird bis Ende 2012 im Rahmen des Energiekonzeptes bearbeitet.»

Auftrag: Energieverbrauch senken, neue Energien fördern

Das Ziel im Auftrag von Kantonsrat Urs Huber (SP, Obergösgen) ist klar definiert: Der Energieverbrauch im Gebäudebereich ist massiv zu senken und neue Energien sind zu fördern. Dazu müsse das kantonale Planungs- und Baugesetz überarbeitet werden. Konkret sollen etwa Neubauten künftig energieautark sein, das heisst, sie müssten Nullenergie- oder mindestens Passivhaus-Standard erreichen. Oder Plusenergiehäuser - sie erzeugen mehr Wärme beziehungsweise Strom, als sie selber verbrauchen - seien mit einem Bonus (höhere Ausnützungsziffer, steuerliche Vorteile, usw.) zu fördern. Damit stösst Huber auf grundsätzlich offene Ohren beim Regierungsrat. Bereits mit den im Juli 2012 verabschiedeten Botschaften und Entwürfen an den Kantonsrat (Änderung der Bauverordnung und Verordnung über Grundeigentümerbeiträge und -gebühren) werde die Förderung erneuerbarer Energien verfolgt. Weitere Anliegen des Auftrages würden bei der Überarbeitung des Energiekonzepts geprüft. «Den berechtigten materiellen Anliegen des Vorstosses wird damit Rechnung getragen», so die Regierung. Sie unterstützt deshalb den Auftrag.(FS)

Aktuelle Nachrichten