Auf Trüffelsuche
Der Hund mit der richtigen Spürnase

Wir waren auf Trüffelsuche im Wald ob Twann mit Matthais Baschung, dem Präsidenten des Lagotto-Clubs Schweiz.

Jasmin Krähenbühl
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Mit einem Lagotto-Hund auf Trüffelsuche
15 Bilder
Der 8-jährige Andros ist seit seiner Geburt an Trüffel gewöhnt.
Ein Trüffel
Ein Trüffel im herbstlichen Waldboden
Da Hat Andros gerade was gefunden.
Eine Trüffelknolle
Nach getaner Arbeit ist auch Andros durstig
Andros bewegt sich selbstständig im Wald. Er scheint etwas Interessantes gefunden zu haben.

Mit einem Lagotto-Hund auf Trüffelsuche

Michel Lüthi

Den Hundeschwanz in die Höhe gereckt, die Schnauze nur wenige Zentimeter über dem Waldboden: Andros trippelt konzentriert durch den Wald, hält da und dort kurz inne, schnüffelt und sucht weiter.

Immer weiter entfernt er sich vom Weg, sein Herrchen Matthias Baschung muss sich durch die dichten Sträucher kämpfen, um ihm zu folgen. Dann plötzlich beginnt Andros heftig mit seinen Vorderbeinen im Laub zu scharren. «Zeig, komm zeig!», ruft Matthias Baschung, der sich im Eilschritt nähert.

Andros gehorcht ihm und präsentiert stolz einen grossen Tannenzapfen. «Du Lausbub!», rügt ihn Matthias Baschung zärtlich, wuschelt ihm durch das lockige Fell und lässt ihn weiter nach den delikaten Trüffeln suchen.

Stundenlanges Suchen

Der heute achtjährige Andros ist seit seiner Geburt mit Trüffeln vertraut. Die Züchterin hat ihn von klein auf mit den besonderen Pilzknollen spielen lassen, damit er sich an den speziellen Trüffelgeruch gewöhnt und Spass am Suchen bekommt.

Als er im Alter von wenigen Monaten zu Elisabeth und Matthias Baschung kam, war er bereits in der Lage, die teure Knolle alleine zu finden. «Er war es, aber wir nicht», erzählt Elisabeth Baschung. Denn wie soll man als Anfänger wissen, wo Trüffel wachsen?

Inzwischen kann man das in Bösingen ansässige Ehepaar Baschung wohl als Trüffelprofis bezeichnen. Matthias Baschung und Andros spazieren fast jeden Tag rund zwei Stunden durch die Wälder des Bern- und Juragebiets.

Zeit und Erfahrung lehrten Matthias Baschung, worauf man bei der Trüffelsuche achten muss: Die begehrten Pilze mögen Halbschatten, Kalksteinboden und bestimmte Baumarten wie Hasel oder Bucheiche. Hund und Herrchen haben indessen viele Trüffelplätze gefunden und kehren regelmässig dorthin zurück. «Aber die Fundorte verraten wir niemandem!», sagt Matthias Baschung.

Ohne Belohnung läuft nichts

Inzwischen wühlt Andros wieder im Waldboden. Diesmal wird er fündig, ein murmelgrosses Trüffelchen klaubt Matthias Baschung aus der entstandenen Grube. Dass er immer sofort zur Stelle ist, hat einen guten Grund: Andros würde die wertvolle Knolle sonst selber fressen. «Manchmal darf er das auch, schliesslich arbeitet er viel und hart», sagt Elisabeth Baschung. Heute bekommt Andros zur Belohnung drei «Goodeli»: «Sonst will der Schlaue nachher nicht mehr weitersuchen», erklärt sie.

Bereits zwei Kilogramm Trüffel hat Andros diesen Herbst ausgegraben. Der grösste Teil macht der in der Schweiz am meisten verbreitete Burgundertrüffel aus. Rund 700 Franken kostet ein Kilo – doch Baschungs behalten ihre Ausbeute jeweils für sich oder schenken sie Bekannten. «Bei einer Zusammenarbeit mit einem Restaurant oder sonst einem Laden, müssten wir regelmässig liefern. Das können und möchten wir aber nicht garantieren», erklärt Matthias Baschung.

Traditioneller Trüffelhund

Mit etwas Training können fast alle Hunderassen Trüffel finden. Doch die Trüffelhunderasse schlechthin ist der Lagotto Romagnolo, zu der auch Andros gehört. Früher als Wasserjagdhund in Italien eingesetzt, wurde der Lagotto Romagnolo im 19. Jahrhundert, nach der Trockenlegung vieler Sümpfe, für die Trüffelsuche gebraucht.

«Die Lagottos haben eine grosse Arbeitsbereitschaft und einen ausgezeichneten Geruchssinn», erklärt Matthias Baschung die Gründe für die besondere Eignung als Trüffelhund. Zudem sei er freundlich und dank seiner Grösse «handlich», ein sehr guter Familienhund eben, ergänzt Elisabeth Baschung.

Die beiden müssen es wissen, ist Matthias Baschung doch Präsident des Lagotto Clubs Schweiz. Im Club dreht sich aber nicht alles nur um das Trüffelsuchen: Hauptsächlich haben sich die über 500 Mitglieder der Reinzucht, Haltung und Verbreitung des Lagotto Romagnolo verschrieben.

Trüffelsuche im Trend

Der Lagotto Romagnolo erlebt zurzeit so etwas wie einen Boom. Er ist extrem beliebt, die Züchter müssen gar Wartelisten für ihre Welpen erstellen. Dem war nicht immer so: Noch in den 1980er-Jahren traf man den Lagotto Romagnolo nur vereinzelt an.

«In dieser Zeit war auch die Trüffelsuche mit dem Lagotto noch überhaupt nicht verbreitet, im ganzen Mittelland gab es nur etwa drei Sucher», sagt Matthias Baschung. Dass man auch in der Schweiz Trüffel findet, sprach sich jedoch bald unter den Lagotto-Besitzern herum. Um die Jahrhundertwende kam die Suche nach der begehrten Knolle immer mehr in Mode – und damit wurde auch der Lagotto Romagnolo beliebter.

Hoffen viele auf das grosse Geld durch den Trüffelverkauf? «Heute gibt es viel mehr Sucher, folglich aber auch weniger Ausbeute jeden», sagt Matthias Baschung. Er kenne niemanden, der durch das Trüffeln reich geworden sei. Für die Familie Baschung war Andros Ruf als Trüffelhund sowieso nebensächlich: «Andros ist ein toller Hund, das Trüffeln ist nur eine Zugabe», sagt Elisabeth Baschung.

Nach dem etwas mehr als einem einstündigen Spaziergang hat Andros neun Burgundertrüffel gefunden. Zur kleinen ersten Knolle sind auch fast faustgrosse Exemplare dazugekommen. Auf etwa 150 Gramm schätzt Matthias Baschung die gesamte Ausbeute. Er möchte eigentlich nun umkehren, Andros will aber fast nicht mehr mit dem Suchen aufhören.

«Obwohl das Suchen sehr anstrengend für ihn ist, kann man ihn fast nicht mehr stoppen, wenn er einmal in Fahrt kommt», sagt Elisabeth Baschung. Später, auf dem Rückweg, merkt man Andros die Erschöpfung dann doch an. Er spielt lieber wieder mit seinem Tannzapfen, als zu schnüffeln und zu graben.

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