Schwingen
Das Hosenlupfer-Jungvolk rüttelt böse am Thron

Die Jungen drängen an die Spitze. Gut möglich, dass es einer von ihnen am Eidgenössischen Schwingfest in Estavayer schafft, die Krone zu übernehmen. Aber wahrscheinlich wird es diesmal noch kein Solothurner sein.

Michael Schenk
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Die Krone wird es wohl noch nicht, aber einen Kranz darf man dem jungen Biberister Dominik Roth beim Eidgenössischen Schwingfest durchaus zutrauen.

Die Krone wird es wohl noch nicht, aber einen Kranz darf man dem jungen Biberister Dominik Roth beim Eidgenössischen Schwingfest durchaus zutrauen.

zvg

Am letzten Sonntag im August wird in Estavayer, an den Gestaden des Neuenburgersees, der Schwingerkönig auserkoren. Gut möglich, dass dieser auch 2016 noch einmal Matthias Sempach heisst. Freilich hat es noch nie ein über 30-jähriger Schwinger geschafft, König zu werden.

Der Alchenstorfer Sempach ist seit dem 10. April 30 Jahre alt. Auch der «König der Herzen», Christian Stucki, könnte es im Hauptort des Broyebezirks schaffen. Der Hüne aus dem Seeland ist indes schon 31-jährig.

So oder so ist auf eidgenössischer Ebene eine Wachablösung in Gang. Eine neue, junge, athletische, ehrgeizige Garde übernimmt zusehends das Zepter und wird in den kommenden Jahren den Festen im Land ihren Stempel aufdrücken. Leute wie ein Käser Remo, ein Giger Sämi, ein Orlik Armon, ein Wicki Joël oder – aus dem Nordwestschweizer Verband - der Aargauer Alpiger Nick und der Baselbieter Voggensperger Janic.

Alle die Genannten sind zwischen 18 und 21 Jahre alt. Der Kanton Solothurn fehlt in dieser Liste der Edel-Teeny-Hosenlupfer. Mit den Brüdern Dominik (20) und Philipp Roth (21) aus Biberist sind da zwar zwei, die das Zeug zum eidgenössischen Kranzschwinger haben - aber die beiden schwingen für den Berner Verband. Vater Roth ist ein Heimweh-Berner aufgewachsen in Niederösch.

Viele sehr junge

«Wir haben guten und viel Nachwuchs im Kanton», sagt Heinz Kissling, der Technische Leiter Jungschwingen im Solothurner Verband. Und auch guten Zulauf. Die meisten Jungen seien allerdings eben wirklich noch sehr jung. Um gross rauszukommen müssen finalement auch die physischen Voraussetzungen passen, die man nur bedingt beeinflussen kann. «Allein Suppe essen reicht da nicht», spricht Kissling etwa den Aufbau eines veritablen Wettkampfgewichts, im Idealfall gepaart mit stattlicher Grösse, an.

Jungschwinger ist man bis 16, ab dann geht’s zu den Aktiven. «Viele Junge fallen dann raus, weil die Lehre sprich die Berufsausbildung fordert und erste Freundinnen kommen», so Kissling. Wenn die Erfolgsbilanz dann auf dem Schwingplatz zusehends Defizite ausweist, ist die Versuchung aufzuhören gross. Für viele 16-, 17-jährige ist es schwer, wenn sie zu den Aktiven wechseln, an die Erfolge als Jungschwinger anzuknüpfen. Die Gefahr von Demotivation ist daher latent. Um dem vorzubeugen, sprich die Jungs bei der Stange zu halten, geht man im Nordwestschweizer Verband ganz neue Wege.

Ein neuer Weg

Der bisherige Technische Leiter Jungschwingen im NWS, Thomas Notter, gibt sein Amt im Januar ab und wird ab dann quasi Nachwuchschef des Verbandes. Das heisst, der Aargauer aus Tägerig wird sich vor allem um just die 16- bis 20-Jährigen kümmern. «Wir wollen die Betreuung optimieren und helfen, wenn Handlungsbedarf besteht.»

Das kann sein, das man mit Lehrmeistern und Schulen Wege sucht, um Sport und Ausbildung ideal zu koordinieren aber auch punkto Training und Wettkampf neue Wege geht. Etwa mit Zusammenzügen oder Trainingsbesuchen in anderen Teilverbands-Gebieten. «Oft sind die Jungen allein auf das Engagement in ihrem jeweiligen Verein angewiesen», sagt der ausgebildete Jugend- und Sport-Experte Notter.

Und dieses kann wie überall Mal intensiver, Mal weniger intensiv sein. Hier soll also auch ein gewisser «Qualitätsstandard» gesetzt werden. Damit vielleicht einer der heute noch zu jungen Solothurner Dreikäsehoch-Hosenlupfer dereinst sogar die Krone erobert.»

Sind Sie bereit fürs Schwingfest in Estavayer? Machen Sie hier das Quiz zur optimalen Vorbereitung.

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