Das Grundstück in einer solothurnischen Gemeinde ist knapp zehn Aren gross. Darauf stehen ein Einfamilienhaus und ein Annexgebäude. Kostenpunkt: 1.3 Millionen Franken. Der Neubau wurde von den Eigentümern vor knapp sechs Jahren bezogen. So weit, so gut.

Doch erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt. In der Veranlagungsverfügung setzte das Steueramt des Kantons Solothurn den Eigenmietwert der beiden Gebäude – für die direkte Bundessteuer und die Staatssteuer übereinstimmend – auf je 33'630 Franken fest. Das war Anfang 2015 und betraf – pro rata temporis - die Steuerperiode 2013.

Die glücklichen Hauseigentümer waren über diesen Bescheid naturgemäss weniger glücklich. Und erhoben postwendend Einsprache. Ihrer Ansicht nach sollte der Eigenmietwert bloss 27'615 Franken pro Jahr betragen – 27'225 Franken für das freistehende Einfamilienhaus und 390 Franken für den Annexbau. Erstens gebe es über die Einzelbewertung ein Kreisschreiben der Eidgenössischen Steuerverwaltung, zweitens werde bei freistehenden Einfamilienhäusern im Kanton Solothurn praxisgemäss ein Zuschlag von 20 Prozent erhoben.

Das ominöse Kreisschreiben

Und siehe da: Das Steuerrekursgericht schwenkte ein – jedenfalls in Bezug auf den 20-Prozent-Zuschlag. Der Eigenmietwert belief sich demnach neu auf 28'185 Franken. Die Hauptdifferenz blieb jedoch bestehen. Das Steuergericht argumentierte, das zitierte Kreisschreiben sei längst zurückgezogen worden. Es bestehe demnach kein Raum für ein Abweichen von den verordnungsgemässen Ansätzen, die angewendet worden waren.

Das sah zwar nicht überraschend auch das Steueramt so, es hielt jedoch an seinen ursprünglichen Berechnungen für beide Steuerhoheiten beziehungsweise Objekte fest. Und trat den Weg vor Bundesgericht an. Das war vor knapp zweieinhalb Jahren. Nun endlich liegt das begründete Urteil der II. öffentlich-rechtlichen Abteilung des Bundesgerichts vor. Es datiert vom 31. Januar und wurde Anfang Woche publiziert.

Die Lausanner Richter machten es sich nicht einfach und beschrieben einiges Papier, um zu ihrem Spruch zu kommen. Sie setzten sich mit dem Eigenmietwert im Allgemeinen, dem Verhältnis zur direkten Bundessteuer, dem still und leise entsorgten Kreisschreiben der Steuerverwaltung, den Novellen der kantonalen Steuerverordnung, den daraus abzuleitenden Zuschlägen, weiter mit Marktmieten, Raumeinheiten, Gebäuden von (über)durchschnittlicher Bauart sowie schliesslich mit der Harmonisierung von Bundes- und Kantonsrecht auseinander.

Der langen Rede kurzer Sinn: Das Bundesgericht stützt das Steueramt auf der ganzen Linie. Und bestätigt nicht nur die Rechtmässigkeit der Besteuerung von Einfamilienhaus und Garage, sondern auch die Berechnung von direkter Bundessteuer und Staatssteuer. Zudem müssen die Steuerpflichtigen die Kosten für das bundesgerichtliche Verfahren übernehmen, derweil das Steuerrekursgericht die übrigen Kosten und die Parteientschädigung für das vorinstanzliche Verfahren zu regeln hat.

Immerhin prospektiv tröstlich für die unterlegenen Hauseigentümer: Auf Bundesebene ist der jüngste Anlauf zur Abschaffung des Eigenmietwerts ziemlich gut auf Kurs. Politisch umstritten ist derzeit vor allem noch, in welchem Umfang die Steuerabzüge für Schuldzinsen möglich bleiben sollen.