Neue Corona-Massnahmen
«Das ganze Abendgeschäft fällt weg»: Die Gastrobranche im Kanton Solothurn ist am Anschlag

Die neuen Schutzmassnahmen des Bundes machen die Winterpläne der Branche zunichte.

Rebekka Balzarini
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Iglus beim Restaurant Brücke in Niedergösgen.

Iglus beim Restaurant Brücke in Niedergösgen.

Bruno Kissling

Fondue-Chalets, Winter-Iglus und Abendessen in der Gondel: Was hatten sich die Gastronominnen und Gastronomen nicht alles einfallen lassen, um das Wintergeschäft trotz der Schutzmassnahmen erfolgreich meistern zu können.

Die neuen Massnahmen des Bundes, die am Freitag bekannt wurden, machen diese Pläne zumindest zum Teil zunichte. Statt um 21 Uhr, wie es der Kanton Solothurn vorgesehen hatte, müssen sie ihre Betriebe schon um 19 Uhr schliessen. «Das ganze Abendgeschäft fällt damit weg», erklärt Peter Oesch, der Präsident von GastroSolothurn. «Es wäre ehrlicher gewesen, die Restaurants ganz zu schliessen.»

Viel Aufwand und fast kein Ertrag

Während viele Restaurants im Sommer ihre Gäste draussen bewirten konnten, fingen die Probleme für die Branche spätestens im Herbst an. Aufgrund der Pandemiesituation mussten sie in den Restaurants strenge Schutzmassnahmen einhalten, und konnten so auch weniger Gäste bewirtschaften.

Diese Regeln gelten im Kanton Solothurn:

Ab heute Samstag heisst es:

Es gilt eine Sperrstunde ab 19 Uhr und Schliessungen an Sonn- und Feiertagen. Restaurants, Läden, Märkte, Museen, Bibliotheken müssen zwischen 19 und 6 Uhr schliessen. Läden, Märkte, Museen, Bibliotheken bleiben auch an Sonn- und landesweiten Feiertagen geschlossen, Restaurants dürfen am Sonntag offen bleiben. Im Kanton Solothurn dürfen zusätzlich maximal 50 Personen gleichzeitig im Restaurant anwesend sein.

Sporteinrichtungen wie Hallenbäder, Turnhallen, Eissportanlagen sowie Fitness- und Tanzstudios werden im Kanton Solothurn geschlossen.

Sportaktivitäten in der Freizeit sind nur noch in Gruppen bis höchstens 5 Personen erlaubt. Auch im nichtprofessionellen Kulturbereich werden Gruppenaktivitäten auf 5 Personen eingeschränkt.

Bars, Casinos und Spielhallen werden im Kanton Solothurn geschlossen.

Innenräume von Freizeit- und Unterhaltungseinrichtungen werden geschlossen. Also etwa Kletterhallen, Bowling- oder Billardzentren. Offen bleiben Museen, Theater, Kinos, Bi­bliotheken und Konzerthäuser.

Öffentliche Veranstaltungen werden verboten. Ausgenommen sind religiöse Feiern, daran dürfen maximal 15 teilnehmen. Ausnahmen: Am 24., 25., 26. und 31. Dezember 2020 sowie am 1., 6. und 7. Januar 2021 sind in öffentlich zugänglichen Einrichtungen und Betrieben stattfindende Gottesdienste und religiöse Veranstaltungen mit bis zu 30 Personen zulässig. Ebenfalls ausgenommen sind Beerdigungen im Familien- und engen Freundeskreis, Versammlungen von Legislativen und politische Kundgebungen.

Private Treffen sind beschränkt erlaubt. Es dürfen sich maximal 10 Personen im Privaten treffen. Kinder werden dabei mitgezählt. Es ist eine Empfehlung, Treffen auf zwei Haushalte zu beschränken.

In den Alters- und Pflegeheimen des Kantons gilt bis 23. Dezember ein Besuchsverbot, um Besuche über die Weihnachtstage zu ermöglichen. (szr)

Viele Betriebe haben sich deshalb etwas einfallen lassen, um trotz der kühlen Temperaturen Gäste im Freien bedienen zu können. Die Restaurants Isebähnli in Trimbach und das Pier 11 in Solothurn stellten kleine Chalets auf, um Fondue-Essen in kleinen Gruppen anbieten zu können. Das Restaurant Brücke in Niedergösgen stellte transparente Iglus in den Garten, und das Pintli in Feldbrunnen stellte kleine Gewächshäuser auf, in denen kleine Gruppen zusammen essen können.

Diese kreativen Wirte, so der Präsident von GastroSolothurn, würden nun besonders gestraft. «Sie haben Geld investiert und sich etwas einfallen lassen, wegen der reduzierten Öffnungszeiten am Abend fällt ihnen nun trotzdem ein grosser Teil des Umsatzes weg», sagt Oesch. «Da steckt so viel Herzblut drin, das ist einfach nur tragisch.»

Für die Gastronomen wäre es laut Oesch besser gewesen, sie hätten ihre Restaurants ganz schliessen müssen. Die Schliessung um 19 Uhr sei ein halber Lockdown, mit dem Unterschied, dass ihn niemand bezahle. Viele Gastronominnen und Gastronomen seien nach den vergangenen Monaten einfach nur müde, erzählt er. Gegen Jahresende hätten viele mit mehr Einnahmen gerechnet, nun stünden sie vor leeren Kassen. Ein Hoffnungsschimmer sei, dass Unternehmen, die Umsatzeinbussen von über 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet haben, ab Januar beim Kanton zusätzlich Geld beantragen können.

Eine gewisse Müdigkeit bei den Unternehmerinnen und Unternehmern im Kanton spürt auch Andreas Gasche, der Präsident des Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverbandes kgv. «Den Leuten geht der Schnauf aus. Sie wissen nicht mehr, wie sie mit diesen Rückschlägen umgehen sollen», erzählt Gasche.

Der kgv führe immer häufiger nicht mehr nur geschäftliche, sondern auch persönliche Beratungsgespräche, in denen es darum gehe, Unternehmerinnen und Unternehmer zu ermutigen.
Besonders getroffen von den erneuten Schutzmassnahmen seien die Gastro- und die Eventbranche. Aber auch den Läden im Kanton machen die erneuten Massnahmen laut Gasche zu schaffen. So seien die Sonntagsverkäufe in der Vorweihnachtszeit jeweils wichtig für das Geschäft. Und besonders ärgerlich sei es, dass bereits viel Geld in die Werbung dafür geflossen sei.

Und auch die erneute Beschränkung der zugelassenen Personen in den Läden treffe das Gewerbe im Winter. «Weniger Platz in den Läden bedeutet, dass die Leute draussen Schlange stehen müssen. Das mag bei gutem Wetter funktionieren, bei schlechtem Wetter aber nicht», so Gasche. Er fürchtet, dass viele Leute ihre Einkäufe nun online erledigen, «und das kommt selten dem regionalen Gewerbe zugute, obwohl es auch hier entsprechende Angebote gäbe». Gesundheitspolitisch, fasst Gasche zusammen, seien die Verschärfungen nachvollziehbar. Gewerbepolitisch aber eine Katastrophe.