Exportindustrie
Crash in China: So gehts dem Solothurner Markt dabei

Die weltweit zweitgrösse Volkswirtschaft China verursacht erste Bremsspuren: Ausfuhren aus dem Kanton Solothurn nach China sind im Juli zweistellig gesunken. Von den Turbulenzen ist vorab die Uhren- und Präzisionsindustrie betroffen.

Franz Schaible
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Die Uhrenindustrie und damit ein wichtiger Teil der Solothurner Exportindustrie leidet im China-Geschäft. Das Wachstum der Solothurner Ausfuhren schwächt sich ab.

Die Uhrenindustrie und damit ein wichtiger Teil der Solothurner Exportindustrie leidet im China-Geschäft. Das Wachstum der Solothurner Ausfuhren schwächt sich ab.

KEYSTONE

Als ob der starke Franken und der schwache Euro die Solothurner Exportindustrie nicht schon genug herausfordern – jetzt sendet zusätzlich auch China als wichtiger Absatzmarkt Schwächezeichen. Die Wachstumsziele in der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft wurden gesenkt, die Börsenkurse sind im Sinkflug, die Währung Yuan abgewertet, um die Exporte anzukurbeln – und gleichzeitig verteuern sich die importierten Güter.

Abschwächung nach gutem Start

Wie wichtig der chinesische Markt für die Solothurner Firmen ist, zeigt Christian Hunziker, stellvertretender Direktor der Solothurner Handelskammer, anhand einiger Zahlen auf. Seit 2010 hätten die Exporte aus dem Kanton Solothurn nach China jährlich durchschnittlich 7,2 Prozent zugelegt. Auch im laufenden Jahr sind die Solothurner gut unterwegs. In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres hat die Solothurner Wirtschaft Güter und Dienstleistungen für rund 130 Millionen Franken nach China exportiert. Das entspricht gegenüber der Vorjahresperiode einem Plus von 10,3 Prozent.

Zwar sei es schwierig, die Auswirkungen der jüngsten Turbulenzen verlässlich abzuschätzen, so Hunziker. China bleibe ein Wachstumsmarkt mit grossem Absatzpotenzial. Dennoch sei eine kurzfristige Wachstumsabschwächung aus China für Solothurn nicht auszuschliessen. Hunziker: «Ein erstes Anzeichen könnte etwa die schwache Nachfrage im Monat Juli sein.» Im Vergleich zum Vorjahresmonat gingen die Exporte um rund 13 Prozent zurück.

Fünftwichtigster Exportmarkt

Im bisherigen Jahresverlauf ist China der fünftwichtigste Exportmarkt der Solothurner Wirtschaft. Nur gerade nach Deutschland, den USA, Frankreich und Italien wurden wertmässig mehr Solothurner Güter und Dienstleistungen ausgeführt. Der Anteil Chinas am Gesamtexport liegt allerdings nur bei 4,3 Prozent. Zum Vergleich: Der Anteil Deutschlands ist sechsmal und jener Europas gar vierzehnmal grösser. Von den China-Ausfuhren entfallen fast 60 Prozent auf die Präzisions- und Uhrenindustrie und über 20 Prozent auf die Maschinenindustrie.

Uhrenabsatz geht zurück

Gerade die im Solothurnischen stark vertretene Uhrenindustrie leidet in China. So sind die Schweizer Uhrenexporte nach China im Juli um fast 40 Prozent eingebrochen. Kein Wunder, macht sich die hiesige Branche einige Sorgen. «Aufgrund der Turbulenzen verschieben wir vorerst unseren geplanten Eintritt in den chinesischen Markt», erklärt Maximilian Spitzy, Chef der Grenchner Uhrenfirma Fortis. Die potenziellen Partner würden zögern, weil möglicherweise der Privatkonsum in China leiden könnte.

Allerdings relativiert Spitzy die Meldungen aus China. Es werde ja nicht ein Rückgang, sondern mit einem abgeschwächten Wachstum von unter sieben Prozent gerechnet. China bleibe mittel- und längerfristig ein Markt mit einem Riesenpotenzial. Er hält an der früheren Prognose fest: «China wird in zehn Jahren auch für Fortis der wichtigste Markt sein.»

Ebenso auf dem Markt Hongkong (Umsatzanteil 2014: 14 Prozent) harze das Geschäft. 2015 sei der Umsatz bislang um 30 Prozent gesunken. Mit ein Grund sei die Kontingentierung der Besucherströme vom Festland China. Seit Frühling dürften die Chinesen nur noch beschränkt nach Hongkong zum Einkaufen fahren. Insgesamt rechnet Spitzy mit «einem nicht sehr guten Geschäftsjahr». Nicht nur der Euro bereite Bauchweh, sondern auch der Absatz in Südostasien stocke. Fortis mit 15 Angestellten werde das Absatzziel von 10 000 Uhren nicht erreichen und man werde wohl rote Zahlen schreiben.

«Die Goldgräberstimmung in China ist der Nüchternheit gewichen», erklärte Daniel Schluep, Chef der Grenchner Uhrenfirma Titoni, kürzlich gegenüber dieser Zeitung. Die Boomzeiten für den Uhrenabsatz hätten sich auf ein realistisches Niveau abgesenkt. Diese Entwicklung habe aber schon vor längerer Zeit eingesetzt und nicht erst mit den jüngsten Turbulenzen.

Preisdruck aus China

Adrian Flury, Chef der auf Bahntechnik spezialisierten Arthur Flury AG in Deitingen, erwartet vorerst keine grösseren Auswirkungen. Die Turbulenzen am Aktienmarkt hätten auf die Investitionen des Staates, zum Beispiel in Bahnprojekte, einen geringeren Einfluss. Der China-Umsatzanteil betrage zwei Prozent. Man habe sich verstärkt auf Indien und andere asiatische Länder konzentriert.

Flury ortet eine andere Gefahr: «Bei einer anhaltenden Krise in China ist damit zu rechnen, dass die dortigen Hersteller nun vermehrt auf ausländische Märkte drängen.» Dank der Abwertung der chinesischen Währung könnten diese einen höheren Preisdruck ausüben. «Dem könnten wir mit der aktuellen Frankenstärke wenig entgegenhalten.»

Gefahr von Zahlungsausfällen

Dagegen ist China für die Elektronikkomponentenherstellerin Schaffner AG in Luterbach einer der Hauptmärkte und liegt umsatzmässig nach Deutschland und gleichauf mit den USA auf dem zweiten Platz, wie CEO Alexander Hagemann berichtet. Der Anteil am Gruppenumsatz sei recht stabil und liege zwischen 20 und 25 Prozent. Zwar sei – wie bereits im März berichtet – die Nachfrage aus der chinesischen Solarindustrie deutlich zurückgegangen. «Hier haben wir die heutige Entwicklung vorweggenommen.»

Dagegen sei die Nachfrage in anderen belieferten Industrien anhaltend stabil. In China herrsche grosse Unsicherheit in der Privatwirtschaft, gleichzeitig werde weiterhin intensiv in die Infrastruktur wie Bahnausbau investiert. Das grösste Risiko der Turbulenzen in China sieht Hagemann «in Zahlungsausfällen in Folge einer möglichen Kreditklemme bei Kunden aus der Privatwirtschaft». Deshalb beliefere Schaffner konsequent nur solvente Firmen, um wie bis anhin nennenswerte Zahlungsausfälle zu vermeiden.

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