Nationalfeier
«Beschämender Auftritt»: Gastkanton Solothurn muss Kritik einstecken

Ein Besucher der Nationalfeier in Stansstad NW kritisiert den Auftritt des Kanton Solothurn als Gastkanton - und auch beim Gemeindepräsidenten kam der Auftritt nicht gut an.

Elisabeth Seifert
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Die organisierte Feier zum 1. August in Stansstad muss Kritik einstecken. (Archiv)

Die organisierte Feier zum 1. August in Stansstad muss Kritik einstecken. (Archiv)

Keystone

Der Kanton Solothurn erhält gewöhnlich Bestnoten für seinen Auftritt als Gastkanton. Medien sowie Besucher überbieten sich jeweils mit ihrem Lob für die kreativ präsentierten kulturellen und kulinarischen Spezialitäten. Zuletzt etwa anlässlich des Marché Concours in Saignelégier und an der Olma in St. Gallen.

Umso erstaunlicher ist da das Urteil eines Besuchers an der diesjährigen Nationalfeier in Stansstad im Kanton Nidwalden, bei der Solothurn als Gastkanton vertreten war. «Beschämender Auftritt des Gastkantons», ist ein Leserbrief in der gestrigen Ausgabe der «Neuen Luzerner Zeitung» überschrieben. Vor zwei Jahren etwa sei der Kanton Fribourg mit Bundesrat Alain Berset angereist.

Die Solothurner hingegen hätten es nicht einmal fertig gebracht, «eine Persönlichkeit für eine kurze Grussadresse zu schicken – geschweige denn, einen kleinen kulturellen oder touristischen Auftritt zu organisieren».

Was also ist hier falsch gelaufen? Dies, zumal besagter Leserbriefschreiber mit seinem Urteil nicht alleine ist. So sagte am Dienstag der Stansstader Gemeindepräsident Beat Plüss gegenüber dieser Zeitung: «Das war sicher der schlechteste Auftritt eines Kantons.» Seit sieben Jahren bereits kann sich an der Nationalfeier in Stansstad, die am 31. Juli stattfindet, ein Gastkanton präsentieren.

Vor Solothurn waren dies Zug, Fribourg, dann wieder Zug, Wallis, Obwalden und das Tessin. Der Auftritt der Solothurner zeuge, so der Gemeindepräsident, von einer «geringen Wertschätzung» für die Leistung des Organisationskomitees, einer Gruppe engagierter junger Männer.

Verantwortung trägt Stansstad

Fragt man allerdings dann bei diesen jungen Leuten nach, klingt alles etwas weniger dramatisch. «Diese Urteile basieren auf einem Missverständnis», sagt OK-Mitglied Thomas Elsener. Und: «Wir sind ganz zufrieden mit der Feier.» Der Gastkanton wird jedes Jahr per Los bestimmt. Anders als etwa in St. Gallen oder in Saignelégier verantwortet dabei nicht der Gastkanton seinen Auftritt, sondern das OK der Stansstader Nationalfeier.

Elsener: «Wir machen kulturelle und kulinarische Spezialitäten ausfindig und fragen dann mögliche Veranstalter aus dem jeweiligen Kanton an.» Nicht involviert seien die offiziellen Stellen eines Kantons, betont Elsener.

Kulinarisch war Solothurn in Stansstad recht gut vertreten: Die Innerschweizer erfreuten sich an Solothurner Bürgerwein, Solothurner Torte und Öufi-Bier. An kulturellen Veranstaltungen herrschte allerdings – abgesehen von einem volkstümlichen Quartett aus Bellach – Flaute. «Wir hätten gerne noch einen Trachtenverein engagiert, was nicht geklappt hat.» Elsener will dafür aber nicht allein den Solothurnern die Schuld geben.

Etwas enttäuscht ist er darüber, dass sich keine der acht angefragten Persönlichkeiten Zeit für ein paar feierliche Grussworte genommen hat. Enttäuscht ist er vor allem über einen «national bekannten Solothurner Politiker», der sich trotz frühzeitiger Einladung und mehrerer Erinnerungsmails erst zwei Tage vor der Feier (ab)gemeldet hat.