Wettbewerb
Auf dem «Papieri»-Areal bleibt industriell-gewerbliche Nutzung zentral

Die Hiag Immobilien AG hat eines von fünf Projekten für die Entwicklung des fast 30 Hektaren grossen Areals der Papierfabrik Biberist ausgewählt. Dabei wird klar: Die industriell-gewerbliche Nutzung bleibt zentral.

Franz Schaible
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Das Areal der Papierfabrik Biberist

Das Areal der Papierfabrik Biberist

Simon Dietiker

Langsam erobert sich die Natur ihren Platz zurück. Das Gras wächst durch Betonritzen. Die fast unheimliche Ruhe wird nur durch Vogelgezwitscher unterbrochen. Im Innern der Halle PM6 wartet ein Ungetüm aus Eisen, die rund 80 Meter lange Papiermaschine 6. Sie ist gut verpackt und schlummert - wie das Areal - vor sich hin.

Unvorstellbar, dass in der Papierfabrik Biberist bis im August 2011 rund 550 Mitarbeitende jährlich etwa 500 000 Tonnen gestrichenes und ungestrichenes Feinpapier produziert haben. Ebenso kaum vorstellbar ist, dass hier wieder einmal Leben einkehren soll.

Wettbewerbssieger gewählt

Doch der erste Augenschein täuscht, denn hinter den Kulissen wird gearbeitet. «Der im vergangenen Sommer gestartete Studienauftrag an fünf Büros von Architekten und Städtebauer ist inzwischen abgeschlossen», erklärt Michele Muccioli, zuständiger Arealentwickler bei der Hiag Immobilien AG. Die Basler haben das Areal 2012 gekauft.

Erste Visualisierung der Wettbewerbssieger versprechen Potenzial für die Entwicklung des fast 30 Hektaren grossen Industrieareals in Biberist.

Erste Visualisierung der Wettbewerbssieger versprechen Potenzial für die Entwicklung des fast 30 Hektaren grossen Industrieareals in Biberist.

Hanspeter Bärtschi

Das Projekt mit dem Namen «Cité Papier» sei als «zielführend» beurteilt worden und werde weiterverfolgt. Die Jury, bestehend aus Vertretern von Hiag, des Kantons Solothurn und der Standortgemeinde Biberist, hätten sich für das Projekt des Trios Raumbureau Architektur (Zürich), Kuhn Landschaftsarchitektur (Zürich) und des Immobilienberaters Nüesch Development (Bern) entschieden.

Visualisierung der Wettbewerbssieger

Visualisierung der Wettbewerbssieger

Hanspeter Bärtschi

Industrie im östlichen Teil

Muccioli stellt das Projekt anhand von Modellen und Plänen kurz vor. In der «Cité Papier» wird die bestehende Struktur der zig Gebäude durch Freiräume aufgebrochen. Die grossen Hallen mit den Papiermaschinen sowie das Hochregallager bleiben unangetastet. Im Osten des Areals sollen die multifunktionalen Hallen mit Industrieprojekten gefüllt werden. Gegen Westen hin, in Richtung Bahnhof Biberist, soll es ruhiger werden für sogenannt stilles Gewerbe. Beim heutigen Haupteingang soll ein öffentlicher Platz entstehen.

Modell von «Cité Papier»

Modell von «Cité Papier»

Hanspeter Bärtschi

In der Mitte des Areals ist ein Platz mit Infrastruktur für die Mitarbeitenden - etwa eine Kantine oder ein Verkaufsladen - geplant. Die Erschliessung für Anlieferungen soll über den heutigen Ostzugang erfolgen. Zwischen dem Verwaltungsgebäude und dem kleinen Park gibt es einen neuen Zugang für alle übrigen Besucher. Sozusagen als «Schlussstein» - wenn überhaupt - soll neuer Wohnraum auf dem «Inseli» zwischen der Emme und dem Kanal entstehen.

Primär Industrie und Gewerbe

Die «Cité Papier» erfülle die zuvor formulierten Vorgaben am besten. Demnach soll das Areal offen zugänglich sein - «Wir wollen keine verbotene Stadt» - und es soll primär als Industrie- und Gewerbezone dienen. Es soll keine Tabula rasa gemacht werden, die bestehenden einzelnen Bauten sollen weitergenutzt werden. Und auch die Nutzfläche von 220 000 Quadratmeter soll nicht erhöht werden.

In dieser «Papieri»-Halle zeigen am Wochenende Hiag-Arealentwickler Michele Muccioli (l.) und Medienchef Frank Butz Interessierten die ersten Resultate auf dem Weg zur Wiederbelebung des Areals

In dieser «Papieri»-Halle zeigen am Wochenende Hiag-Arealentwickler Michele Muccioli (l.) und Medienchef Frank Butz Interessierten die ersten Resultate auf dem Weg zur Wiederbelebung des Areals

Hanspeter Bärtschi

Was aufgrund der Pläne schon ziemlich weit fortgeschritten aussieht, ist es in der Realität aber nicht. «Der ausgewählte Vorschlag dient als Basis für den demnächst in Angriff zu nehmenden Masterplan», sagt Muccioli. Die im Entwurf festgelegten Leitplanken würden durch eine Arbeitsgruppe (analog zur Jury) präzisiert und vertieft werden. «Die Entwicklung eines solchen Areals mit der Fläche von fast 30 Hektaren braucht sehr viel Zeit. Für das gesamte Quartier rechnen wir mit einem Umsetzungshorizont von 20 Jahren», dämpft er Hoffnungen auf baldiges neues Leben in der «Papieri».

Möglichst rasch neue Arbeitsplätze

Papiermaschinen warten auf Käufer – sonst Verschrottung

Im Sommer 2012 kaufte der Basler Immobilienentwickler Hiag Immobilien AG das Areal der ein Jahr zuvor geschlossenen Papierfabrik Biberist. Mitübernommen hat Hiag auch die drei riesigen Papiermaschinen. In Biberist halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach ein Investor eine davon kaufen und vor Ort wieder Papier herstellen will. Hiag-Arealentwickler Michele Muccioli winkt ab: «Wir haben keine ernsthafte Anfrage für den Betrieb einer Papiermaschine vor Ort erhalten.» Es gebe für die Anlagen grundsätzlich drei Szenarien. Interessenten können sie kaufen und am jetzigen Standort wieder in Betrieb nehmen oder Investoren erwerben die Anlagen, um diese an einem anderen Standort wieder in Betrieb zu nehmen oder letztlich werden die Anlagen verschrottet. «Die Anlagen werden unterhalten und sie sind eigentlich ab sofort betriebsbereit», sagt Muccioli. Um das Interesse zu fördern, hat Hiag unter www.papiermaschinen-biberist.ch eine Website mit Verkaufsunterlagen aufgeschaltet. (FS)

Die beiden in der Logistik tätigen Firmen, Sieber und Acin, arbeiten seit vergangenem Herbst auf dem Areal und beschäftigen zusammen bereits über 70 Angestellte. Muccioli ist zuversichtlich, bald eine neue Ansiedlung vermelden zu können. «Bis im Sommer wollen wir die vertiefte Prüfung abschliessen; wir sind zuversichtlich, einen weiteren Firmenzuzug bekannt geben zu können.» Dass in naher Entfernung, in Luterbach, ein ebenso gewaltiges Industrieareal brachliegt, stört Muccioli nicht. «Es ist ein Standort-Wettbewerb, dem wir uns stellen.»

Am Wochenende lädt die Hiag zur Wettbewerbsausstellung «Vision 2033» in der «Papieri» ein. Geöffnet am Samstag von 10 bis 16 Uhr und Sonntag 10 bis 14 Uhr.