Sparmassnahmen
«Angebot würde infrage gestellt»: Sparauftrag fürs Theater Orchester Biel Solothurn wird zurückgewiesen

Aufatmen beim Theater Orchester Biel Solothurn (TOBS): Der Bieler Gemeinderat sieht keine Möglichkeit, die 2015 vom Stadtrat beschlossenen Sparmassnahmen umzusetzen, ohne das Angebot infrage zu stellen.

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So viel Geld zu sparen, würde für das TOBS bedeuten, keine Opern (wie hier Benjamin Brittens Oper „Owen Wingrave“) mehr inszenieren zu können.

So viel Geld zu sparen, würde für das TOBS bedeuten, keine Opern (wie hier Benjamin Brittens Oper „Owen Wingrave“) mehr inszenieren zu können.

Ben Zurbriggen

Im Herbst 2015 hatte das Bieler Stadtparlament im Rahmen der Debatte um die Haushaltsanierung der Stadt zwei Motionen verabschiedet, die weitreichende Einsparungen beim Theater Orchester Biel Solothurn (TOBS) und auch beim Neuen Museum Biel (NMB) forderten.

Die Stadt Biel sollte dabei ihren jährlichen Beitrag an das TOBS spätestens ab 2018 um 360‘000 Franken kürzen.

Ein Schock für die Verantwortlichen des TOBS. Laut Direktor Dieter Kaegi handelte es sich bei dem Entscheid um eine Verschwörung. Er rechnete schon mit einem Verlust von einer Million Franken, falls sich die anderen Subventionspartner dem Entscheid der Stadt Biel anschliessend würden.

Nun kann Kaegi und das ganze TOBS aufatmen. Der Bieler Gemeinderat, der sich bereits 2015 gegen die Kürzungen wehrte, doppelte nun am Montag an einer Medienkonferenz nach. Juristische und finanzielle Abklärungen hätten ergeben, dass die Erfüllung der Motionen «zu einer grundsätzlichen Infragestellung» beider Institutionen führen würde, teilte die Stadtregierung mit.

Verzicht auf Oper unumgänglich

Beide Stiftungsräte waren von den Behörden beauftragt worden, die Umsetzung des Sparauftrags und ihre Finanzlage zu analysieren. Dabei hätten die Stiftungsräte und Direktionen unter Beweis gestellt, «wie professionell und konsequent ihr Management geführt wird», heisst es im Communiqué der Stadt weiter.

Wenn die Motionen umgesetzt würden, müssten beide Institutionen auf einen Bereich ihres Angebotes vollständig verzichten – beim TOBS wäre dies zum Beispiel die Oper und beim NMB die Archäologie. «Durch diese Veränderungen wären sie nicht mehr in der Lage, ihre in den Statuten der Stiftungen definierten Ziele zu erreichen», so der Gemeinderat.

Aus Sicht der Bieler Stadtregierung spielen beide Institutionen eine wichtige Rolle bei der Aussenwirkung der Seeländer Metropole. «Eine Verringerung des Leistungsangebots könnte die regionale Bedeutung beider Institutionen infrage stellen.» Damit riskiere man, dass auch die Beiträge des Kantons und der Region gekürzt werden könnten.

Die beiden Stadttheater Solothurn und Biel:

Das Stadttheater Solothurn von aussen.
7 Bilder
Das Stadttheater Solothurn wurde 2014 nach einer Totalsanierung neu eröffnet
Blick auf die Bühne
Das Foyer mit Treppenaufgang des Solothurner Stadttheaters
Aufführungen des Theater Orchesters Biel Solothurn finden in auch im Stadttheater Biel statt
Der Eingangsbereich, die Visitenkarte des Stadttheaters.
Der Bühnenraum

Das Stadttheater Solothurn von aussen.

Andreas Kaufmann

In der Praxis nicht durchführbar

Der Gemeinderat ist der Auffassung, dass nur mit Hilfe von zusätzlichen Partnern der Weiterbestand und die Entwicklung beider Institutionen sichergestellt werden könne.

Auf der Grundlage der durchgeführten Analysen stellt der Gemeinderat fest, dass die Massnahmen, welche in den beiden Motionen als praktikabel eingeschätzt werden, in der Praxis nicht durchführbar sind. Er schlägt dem Stadtrat deshalb vor, die Motionen als nicht erfüllbar abzuschreiben. (ldu/sda)

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