A1/Wangen a.A.
LKW-Dränglerin wird nach gefährlichem Überholmanöver fristlos entlassen – Untersuchung läuft

Via Pannenstreifen überholte eine Sattelschlepper-Fahrerin am Freitag bei der Autobahnausfahrt Wangen an der Aare mehrere Lastwagen und wurde dabei gefilmt. Die Polizei untersucht den Fall. Für die Lenkerin hat es schon jetzt Konsequenzen.

Lea Durrer
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Aufnahmen einer Dashcam zeigen, wie am Freitag, 5. Februar 2021 ein Kippsattelschlepper bei der Autobahneinfahrt Wangen an der Aare in Fahrtrichtung Bern nach Ende der Einfahrt zwei Mal rechts über den Pannenstreifen überholt.

Das Video des gefährlichen und verbotenen Überholmanövers kursiert momentan in den sozialen Medien. Auch die Polizei wurde auf den Fall aufmerksam. Sie ruft am Dienstagmorgen in einer Mitteilung Zeugen dazu auf, sich zu melden. Reicht das Dashcam-Video nicht? «Die Polizei kann und darf sich nicht einfach auf ein veröffentlichtes Video abstützen», teilt dazu Bruno Gribi, Mediensprecher der Kantonspolizei Solothurn auf Anfrage mit.

«Bevor ein solcher Vorfall bei der zuständigen Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht wird, hat die Polizei den Sachverhalt gründlich abzuklären. Dazu gehört unter anderem die Befragung von Beteiligten und allfälligen Zeugen.»

Entsprechende Ermittlungen sind im Gang. Konkret wegen des Verdachts diverser Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz. Rechts überholen gilt als grobe Verletzung der Verkehrsregeln. Dazu war die Lenkerin noch auf dem Pannenstreifen unterwegs.

«Die Gesamtbeurteilung obliegt schliesslich der zuständigen Staatsanwaltschaft», erklärt Bruno Gribi. Zuständig für den Fall ist die Berner Staatsanwaltschaft. Die zuständige Gerichtsinstanz wird dann auch prüfen, ob das Video als Beweis verwertet werden kann.

Aufnahme hat Konsequenzen für Lenkerin

Das gefilmte Manöver hat Konsequenzen für die Lenkerin des Sattelmotorfahrzeugs: Sie hat ihre Stelle verloren, wie TeleM1 berichtet. Zwei Jahre lang sei sie dort beschäftigt gewesen und habe laut dem Chef gut gearbeitet. Nach diesem Video habe man aber die fristlose Kündigung aussprechen müssen, denn der Fahrstil stehe nicht fürs Unternehmen.

«Nicht kollegiales Verhalten»

Auch in der LKW-Szene gibt die Aktion viel zu Reden. «Ein solches Verhalten ist nicht kollegial, sehr frech und sehr gefährlich für die anderen Strassenteilnehmer», meint ein Lastwagenfahrer, bei dem der Sender nachfragt. Der Pannenstreifen sei nicht zum Überholen da, erklärt ein anderer.

Sandra Beyeler, selbst Fahrerin eines Kippsattelschleppers und Co-Geschäftsführerin von Georg Beyeler Transporte in Lohn-Ammannsegg würde der Lenkerin am liebsten ein Berufsverbot aussprechen. «Die kann man nicht gebrauchen auf der Strasse, das ist eine Zeitbombe.» Wenn eine Person so unterwegs sei, mache sie es immer wieder.

Beteiligte Personen oder Zeugen werden gebeten, sich mit der Kantonspolizei Solothurn in Oensingen (Telefon 062 311 76 76) in Verbindung zu setzen.