Während andere in den Frühlingsferien ans Meer fahren oder zu Hause die Füsse hochlegen, investieren diese Woche rund 300 junge Pfadfinder ihre Zeit in einen Ausbildungskurs. Entsprechend ihrer bisherigen Kenntnisse und Pfadistufe bilden sie sich in einem der insgesamt elf verschiedenen Kurse in Tägertschi bei Bern weiter. Die Jugendlichen im Alter von 15 bis 20 Jahren aus den Kantonen Solothurn und Aargau lernen, wie man als Leiter ein attraktives Pfadiprogramm auf die Beine stellt und Verantwortung für eine Kindergruppe übernimmt.

Dazu werde je nach Kurs ein Nachmittagsprogramm oder ein ganzes Pfadilager von den Teilnehmenden geplant und durchgespielt, erklärt Julia Graziani, die Ausbildungsverantwortliche der Pfadi Kanton Solothurn. «Damit wir für diese Kurse genügend Ressourcen haben, führen wir sie gemeinsam mit der Pfadi Aargau durch», ergänzt sie.

Austausch über Kantonsgrenzen

Auch die Jugendlichen schätzen, dass sie im Kurs Pfadikollegen aus dem Nachbarkanton treffen. «Es ist toll, dass man neue Leute kennen lernt und sich auch mit ihnen austauschen kann», findet die 16-jährige Simea Fürst aus Olten. Sie sitzt im Basiskurs mit anderen vor dem Lagerhaus zusammen; die Jugendlichen lachen und unterhalten sich über verschiedene Pfadispiele. Die fröhliche Plauderei dauert jedoch nicht lange, denn der Kurs ist durch ein straffes Programm strukturiert.

Am Morgen diskutierten die Pfadfinder die Sicherheitsplanung eines Lagers: Von der Apotheke für den Notfall bis zur Zeckenkontrolle bei den Kindern gibt es viel zu bedenken. Am Nachmittag steht nun die Planung eines Sportblockes an; die Teilnehmenden sollen zu zweit verschiedene Bewegungsformen zu einer Pfadi-Aktivität zusammenstellen, die sie anschliessend auch durchführen.

Die Ausbildungsinhalte der Kurse sind sehr vielfältig; neben der Planung von altersgerechten Aktivitäten werden etwa die Bedürfnisse von Kindern wie auch die Rechte und Pflichten von Pfadileitern thematisiert. «Wir erhalten hier ein gutes Grundgerüst, um Pfadi zu leiten», meint der 18-jährige Lukas Bösch aus Baden.

Wie bei allen Teilnehmenden spürt man bei ihm die Leidenschaft für das Engagement in der Pfadi. «Ich arbeite gerne mit den Kindern draussen und möchte ihnen beibringen, selbstständig zu sein und ebenfalls Verantwortung zu übernehmen», so Lukas.

Auch Simea treibt diese Motivation an. «Ich hatte als Kind selber eine so schöne Zeit in der Pfadi und möchte dies nun jüngeren Kindern auch bieten», sagt sie. Die Ausbildungsverantwortliche Julia Graziani betont denn auch, dass «die Pfadi vom Erfolgsprinzip ‹Junge leiten Junge› lebt» und die Jugendlichen in ihre Funktionen hineinwachsen würden.

Dass die Ausbildungskurse absolviert werden, ist in einer «klassischen Pfadikarriere» zwar üblich, aber nicht Pflicht. Wie alle Aktivitäten der Pfadfinder bauen sie auf Freiwilligenarbeit und vielen ehrenamtlichen Stunden von allen Mitwirkenden. «Das Erlebnis dieses Kurses bietet den Jugendlichen durch den Austausch mit anderen neue Ideen und so für sich selbst neue Motivation zum Pfadi leiten», so Graziani.

Offizielle Unterstützung

Die Ausbildungsvermittlung erfolgt nach den Richtlinien des nationalen Sportförderprogramms Jugend + Sport (J+S), von welchem die Kurse finanziell unterstützt werden. Das J+S-Reglement sieht vor, dass die Teilnehmenden von den Kursleitern während der Woche beobachtet und bewertet werden. Dabei wird unter anderem auf ihr Führungs- und Gruppenverhalten, ihre Selbstständigkeit und auf ihre Fähigkeit zur Problemlösung geachtet.

Der erfolgreiche Abschluss des Basiskurses berechtigt die jungen Erwachsenen dann offiziell dazu, die Mitverantwortung für eine Gruppe von bis zu zwölf Kindern zu tragen. In anderen weiterführenden Kursen kann diese Woche auch die Ausbildung zum Hauptlagerleiter absolviert werden.