Grenchen

Zentrum Bachtelen im Spagat zwischen interner Fürsorge und externem Unterricht

Ohne Leben: Die Spielplätze im Bachtelen sind in diesen Tagen und Wochen verwaist.

Ohne Leben: Die Spielplätze im Bachtelen sind in diesen Tagen und Wochen verwaist.

Wegen der Corona-Epidemie sind die Schulen in der Schweiz geschlossen. Wie erfüllt das Sonderpädagogische Zentrum den speziellen Auftrag von interner Betreuung und externem Unterricht?

Die Schulhäuser im ganzen Land sind geschlossen. Fernunterricht ist das Schlagwort als Massnahme gegen die Corona-Pandemie. Doch nicht überall können die Schülerinnen und Schüler zu Hause bleiben. Das Sonderpädagogische Zentrum Bachtelen in Grenchen hat auch einen Betreuungsauftrag für Kinder und Jugendliche, die das ganze Jahr über im Internat sind: Das Bachtelen macht den Spagat zwischen interner Fürsorge und externem Unterricht.

Der Park des Sonderpädagogischen Zentrums Bachtelen gehört zu den romantischen Ecken in Grenchen. Topografisch gesehen liegt hier der Eingang zum Bachtelentäli, das der renommierten kantonalen Bildungsinstitution den Namen gegeben hat. Mit ein bisschen Fantasie sieht man Menschen in der Kleidung zur Zeit des Biedermeier durch den Park des einstigen Heilbades wandeln. Vor rund 200 Jahren war dies der Ursprung der heutigen Anlage. Beim Gang zum Empfang im historischen Hauptgebäude liegt tatsächlich die Ruhe eines Kurparks über dem Vorgelände. Kinder sind an diesem frühen Nachmittag weder zu hören noch zu sehen.

Sitzungen finden in der Bibliothek statt

Zusammen mit Gesamtleiter Karl Diethelm geht es zur Bibliothek, wo das Recherchegespräch mit dem obligaten Sitzabstand geführt werden kann. Hier hat Gustav Keune eben eine Sitzung mit Mitarbeiterinnen beendet. Keune ist Standortleiter Grenchen für die Sonderschule und das Internat, eine von fünf teilautonomen Institutionen des Bachtelen.

«Ja, es ist eine andere Stimmung bei uns», sagt Karl Diethelm. «Ich habe es immer gerne gehabt, wenn ich am Morgen vor dem Büro die Kinder gehört habe.» Doch die 125 Kinder, die im Bachtelen in der Sonderschulung unterrichtet werden, sind im Moment zu Hause. Hinzu kommen die Schülerinnen und Schüler der Spezialklasse für Verhalten des Kantons, der ehemaligen regionalen Kleinkasse, in der zurzeit acht Kinder aufgenommen sind. Auch sie werden zu Hause beschult in diesen Tagen.

Im Bachtelen hat es fünf Gruppen, in denen rund 40 Kinder im Internat sind. Die meisten gehen zwischendurch, vor allem an den Wochenenden und in den Schulferien, nach Hause. Das ist die familienergänzende Betreuung, zu der noch zwei Tagesgruppen mit insgesamt 19 Kindern gehört. In zwei Gruppen sind die Kinder aber an 365 Tagen anwesend, sie wohnen im Bachtelen. Zudem existieren zwei Lehrlingsfoyers: Eines befindet sich im Däderiz-Quartier, das andere im Haus Breidenstein auf dem Schulareal.

Frühzeitig mit einer Schulschliessung gerechnet

«Wir haben schon früh mit den Vorbereitungen begonnen», sagt Karl Diethelm. «Den Entscheid des Bundesrats über die Schulschliessungen hat man kommen sehen.» Die Hygienemassnahmen seien eingeführt worden, zudem habe sich das Notfallteam bereits am Samstag nach dem Entscheid der Landesregierung getroffen, um zusammen mit den Leitern der Schulinstitutionen das weitere Vorgehen festzulegen.

Ein Team von vier Mitarbeitern orientierte über das Wochenende telefonisch alle Eltern im ganzen Kanton. «Die 125 Gespräche waren ziemlich aufwendig», erinnert sich Gustav Keune, «da alles genau erklärt werden musste, vom Schul- und Unterrichtsmaterial bis hin zur Notfallbetreuung.» Der persönliche Kontakt sei von den Eltern sehr geschätzt worden. Die regelmässigen Gespräche halte man nun auch aufrecht. Im Weiteren seien die 270 Mitarbeitenden per E-Mail über die wichtigsten arbeitsrechtlichen Bestimmungen orientiert worden.

Am Tag eins der Schulschliessung, also heute vor einer Woche, konnte man dank der Vorbereitungen gut in die Woche starten. Die Kinder des Kindergartens und der Unterstufe haben eine Box mit Spielen und weiterem Material direkt nach Hause erhalten. Die Schülerinnen und Schüler der Mittel- und Oberstufe sind per Post beliefert worden.

Kleinere Klassen sind von Vorteil für Fernschule

Im Bachtelen gibt es kleinere Klassen als in den Regelschulen. Das sei ein Vorteil für die Betreuung der Kinder aus der Ferne, meint Karl Diethelm, aber durch die Sonderschulung sei auch die Notwendigkeit für einen engen Kontakt der Lehrpersonen und Sozialpädagogen mit den Schülern und ihren Eltern gegeben. Für sieben Kinder wurde eine Notfallbetreuung während der Schulzeiten eingerichtet. Diese Zahl könne mit der Zeit noch zunehmen, vermutet Diethelm.

Für die Kinder, die immer im Bachtelen zu Hause sind, wurde eine Tagesstruktur geschaffen mit schulischen Sequenzen vormittags und nachmittags, erklärt Gustav Keune. Hier helfen Sozialpädagogen, Logopädinnen und Fachlehrkräfte mit, die wegen des Wegfalls der normalen Schultätigkeit freie Kapazitäten haben. Für den Fall, dass Kinder des Internats positiv auf das Corona-Virus getestet werden, haben die Verantwortlichen eine Wohngruppe mit sieben Isolationszimmern vorbereitet. Auch die ganze Hygienekette bis hin zur Wäsche wurde festgelegt. Bei einem Krankheitsfall gäbe eine permanent anwesende Nachtwache mit zwei Personen statt des üblichen Pikettdienstes.

«Wir sind stolz auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter», sagen Diethelm und Keune, «sie haben sich mit viel Einsatz und Fantasie der neuen Situation angenommen.» Die grosse Sorge für den Gesamtleiter ist aber, dass es beim Personal zu Infektionen und damit zu Engpässen kommen kann. «Holz anfassen, hoffen wir, dass dies nicht geschieht», sagt Karl Diethelm abschliessend.

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