Büren an der Aare
Wieso der Kirchturm damals einstürzte, ist bis heute nicht restlos geklärt

50 Jahre nach dem Wiederaufbau des Kirchturms wird in Büren an der Aare ein grosses Fest gefeiert. Bis heute ist nicht restlos geklärt, wie es 1963 zu diesem dramatischen Ereignis kommen konnte.

Silvia Stähli-Schönthaler
Drucken
Teilen
Ueli Flückiger vor der Stadtkirche Büren, deren Turm vor 50 Jahren – nach dem Einsturz im Jahre 1963 – wieder aufgebaut worden ist.

Ueli Flückiger vor der Stadtkirche Büren, deren Turm vor 50 Jahren – nach dem Einsturz im Jahre 1963 – wieder aufgebaut worden ist.

zvg/sst

Am kommenden Samstag feiert Büren an der Aare das 50-Jahr-Jubiläum des Wiederaufbaus des 1963 eingestürzten Kirchturms. «Hoffentlich wird das Wetter mitspielen», sagt Ueli Flückiger und blickt zum Kirchturm hoch, der am Samstag im Mittelpunkt des Interesses in Büren stehen wird. Denn es sind 50 Jahre vergangen, seit dieser nach dem Einsturz im August 1963, wiederaufgebaut worden ist. Dies soll nun gebührend gefeiert werden.

Bau des alten Kirchturms
14 Bilder
So sah der Kirchturm vor dem Einsturz aus
1963 stürzte der Turm ein
Der eingestürzte Kirchturm
Der eingestürzte Kirchturm
Eine Kirche ganz ohne Kirchturm
Der Kirchturm im Bau
Arbeiter auf dem Kirchturm
Arbeiten ganz oben am Kirchturm
Arbeiten an den Stuckaturen
Die beiden Glocken für den neuen Kirchturm
Eine der Glocken wird hochgezogen
Noch muss die Glocke ins Innere des Turms
Kirche samt neuem Kirchturm im Winter

Bau des alten Kirchturms

zvg

Viele Geschichten erlebt

Im Zusammenhang mit Kirche und Turm kommen dem Vize-Kirchgemeinderatspräsidenten und Mitglied der Arbeitsgruppe Kirchturmfest viele Geschichten in den Sinn – erfreuliche und weniger erfreuliche. Zu den wenig erfreulichen gehört der Einsturz des Kirchturms (siehe Kasten), welcher den damals 19-jährigen Ueli Flückiger «total schockiert» hatte. Denn als er frühmorgens zur Arbeit nach Meinisberg fahren wollte, fiel der gewohnte Blick zur Turmuhr ins Leere. «Ich traute meinen Augen nicht und hielt auf der Brücke nochmals an, um mich zu vergewissern, dass ich mich nicht geirrt hatte.»

Grund für Einsturz ungeklärt

Vom 14. auf den 15. August 1963 stürzte in einer regnerischen Nacht der Kirchturm während einer Umbauphase in sich zusammen. Die Glocken waren ausgebaut und sollten durch ein neues Geläut ersetzt werden. Bis heute ist nicht restlos geklärt, wie es zu diesem dramatischen Ereignis kommen konnte. Im neuen Kirchenführer steht dazu: «Im Vorfeld der Bauarbeiten von 1963 wurden strukturelle Schäden nicht erkannt, die eindringende Feuchtigkeit und die unsachgemässe Verankerung des Glockenstuhls im fragilen Tuffsteinmauerwerk verursacht hatten. Ein Gutachten, das den Turm bereits 1947 als gefährdet bezeichnet hatte, war in Vergessenheit geraten. Die Folge war der Einsturz des Turmes während der Bauarbeiten». (sst.)

Zu den schöneren Momenten zählt er jenen des zwei Jahre später beendeten Wiederaufbaus des Turms. Zudem waren er und seine Frau Margrit im August 1965 das erste Brautpaar, welches in der «neuen» Kirche getraut worden ist. «Also feiern wir nebst dem 50-Jahr-Jubiläum des Kirchturms auch noch das 50-Jahr-Jubiläum unserer Ehe», sagt er schmunzelnd. Obwohl sich Ueli Flückiger nicht als regelmässigen Kirchgänger sieht, sitzt er unter der Woche gerne zwischendurch auf einer Kirchenbank im Gotteshaus. «Dort einen Moment still innezuhalten hat für mich etwas Bereicherndes in unserer lauten und hektischen Zeit.»

Mit der Tyrolienne über die Aare

Bereits vor einem Jahr hat die siebenköpfige Vorbereitungsgruppe begonnen, sich auf den grossen Tag vorzubereiten. «Bisher hat die Bevölkerung mit den Kirchensteuern immer uns etwas gegeben. Nun möchten wir der Bevölkerung etwas zurückgeben», erklärt Ueli Flückiger. Das Festprogramm, das den ganzen Tag und bis spät in die Nacht dauern wird, soll für Jung und Alt etwas beinhalten.

Neuer Kunstführer der Kirche

Pünktlich zum Jubiläumsfest präsentiert die Reformierte Kirchgemeinde Büren an der Aare und Meienried den neuen Kunstführer zur Stadtkirche Büren an der Aare. Das 52 Seiten umfassende Werk wird in der Kirche vorgestellt. Die beiden Autoren Felix Ackermann und Walter E. Meyer werden persönlich anwesend sein und die künstlerischen Höhepunkte der bemerkenswerten Kirche vorstellen. Eine wesentliche Besonderheit besteht in der Kombination von frühgotischen architektonischen Formen mit einer Figurenwelt, welche die Blütezeit der romanischen Bauplastik spiegelt. Der Kunstführer, der von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK) herausgegeben wird, wurde ermöglicht durch die Unterstützung der Einwohner- und Burgergemeinde Büren, der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn (refbejuso), SWISSLOS/Kultur Kanton Bern, der Däster-Schild-Stiftung Grenchen sowie Spendern aus Büren. (sst.)

Als Hauptattraktion gilt nebst der Vernissage des neuen Kunstführers zur Stadtkirche (siehe Kasten) eine Tyrolienne, an der man sich vom Kirchturm aus auf die andere Seite der Aare gleiten lassen kann. Zudem gibt es für alle ein kostenloses Mittagessen, zum Apéro wird ein speziell für den Anlass gebrautes Turmbier spendiert. Das Essen wird hinter und vor der Kirche serviert.

Eigene Predigt halten

Zu bestaunen gibt es auch Bilder der verstorbenen Bürener Maler Franco Mazzoni und Willy Hug. Ausgestellt werden ebenso Werke von Benno Weidmann. Nebst regem Marktreiben und vielen Attraktionen finden in der Kirche den ganzen Tag über Konzerte bzw. Veranstaltungen statt. «Wer will, kann sogar eine eigene Predigt halten», erklärt Ueli Flückiger. Informationen finden die Besucher am Info-Stand vor der Kirche.

Umfangreiches Festprogramm

Programm am Kirchturmfest vom 6. Juni 2015:
9.00–17.00 Uhr Trödlermarkt, Stände mit alten Gewerben und Streichelzoo im Stedtli und an der Bernstrasse
10.00–14.00 Kinderflohmarkt

Programm in der Kirche:
10.00 Festgottesdienst
11.45–12.30 Vernissage des neuen Kunstführers in der Kirche (vgl. Kasten)
14.00–23.30 Diverse Konzerte und Workshops

Programm rund um die Kirche und ums Kirchgemeindehaus:
9.00–17.00 Caféstube der Landfrauen im Kirchgemeindehaus
9.00–17.00 Bilderausstellungen Franco Mazzoni, Willy Hug und Bernhard Weidmann
11.15 Offeriertes Turmbier, Platzkonzert der Stadtmusik
12.00–14.00 Offeriertes Mittagessen
13.00–23.30 Festbetrieb
13.00–18.00 Diverse Aktivitäten: Turmführungen, Tyrolienne über die Aare, Harassenturmklettern, Clown Nico, Pony- und Eselreiten, Kutschenfahrten, Kinderschminken, Rösslispiel, Geschichtenerzählen, Steinmetz- und Fresko-Atelier, Fotoausstellung zu Turmeinsturz und Wiederaufbau
13.30–16.30 Werkstatt zum neuen Kunstführer im Spittelmuseum: Informationen und Bilder rund um den Kunstführer zur Kirche. Die Autoren und die Arbeitsgruppe stehen zur Verfügung
14.00, 15.00, 16.00 Workshops zu den Kirchenglocken mit Filmvorführung im Keller bei der Ländtetreppe
16.30 Gantrufer Alois Wyss

Aktuelle Nachrichten