Eine alarmierende Medienmitteilung wurde am Freitag von den Verantwortlichen des Regionalflughafens RFP verschickt. «Die Flugbewegungen auf dem Flughafen sind im Juli gegenüber dem Vorjahr um 30% eingebrochen. Der Flughafen Grenchen verzeichnete im Juli trotz Hochsaison und ausgezeichnetem Flugwetter noch 7000 Flugbewegungen gegenüber 10'000 Flugbewegungen im Vorjahresmonat.»

Als Grund wird der häufige Wechsel bei der Flugsicherung genannt, über den diese Zeitung in der Vergangenheit schon verschiedentlich berichtet hat. Das verunsichere die Piloten. Betroffen seien vor allem Trainingsflüge und auswärtige Flugschulen. «Diese kamen immer gerne nach Grenchen, um ATC (Air Traffic Control), also Flugsicherung mit einem bemannten Tower ‹zu üben›», erklärt Flughafendirektor Ernest Oggier auf Anfrage. Die grossen Flughäfen Zürich, Genf und auch Bern wollten keine Anfänger, die unter Umständen am Funk Fehler machen, stottern oder Unsicherheiten zeigen.

Nun aber werde Grenchen gemieden, weil die Flugverkehrskontrolle eingeschränkt sei. «Flugschulen aus Kappelen, Birrfeld, Buttwil, Triengen und von anderen Flugplätzen fehlen plötzlich in Grenchen», so Oggier. Das sei für den Flughafen Grenchen, den man als wichtigsten Ausbildungsflughafen der Schweiz bezeichnen könne, kein gutes Zeichen.

Zur Erinnerung: Bereits im März informierte die Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG (RFP), dass aufgrund von Personalmangel beim Flugsicherungsdienst Skyguide jeweils am Sonntag und Montag während der Hauptbetriebszeiten (9– 12.15 Uhr und 13.45–16.45 Uhr) kein Instrumentenflug mehr angeboten werde.

In Grenchen läuft das vom Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl initiierte Pilotprojekt «IFR ohne ATC», also Instrumentenanflug ohne Flugsicherung, in den Randzeiten, in der Zeit bis 9 Uhr, ab 17 Uhr und über Mittag. Diesen möchte man auf den ganzen Tag ausweiten. Dafür wäre eine Bewilligung des Bazl notwendig. Ein Entscheid darüber liegt aber noch nicht vor, weil die Beurteilungsgrundlage von Skyguide fehlt.

Grenchen braucht mehr Slots

Dank des schönen Wetters hätten sich die Einschränkungen noch nicht signifikant auf die Geschäftsfliegerei ausgewirkt, heisst es weiter in der aktuellen Medienmitteilung. Skyguide habe aber die Zeitfenster für IFR-Starts und -landungen, die sogenannten «Slots», massiv reduziert. Letzteres führe dazu, dass der Flughafen bei Schlechtwetter nicht mehr bedarfsgerecht angeflogen werden könne. Betroffen sei die auswärtige Geschäftsfliegerei, für welche die Wirtschaftsregion nunmehr schlecht erreichbar werde, und die heimische Geschäftsfliegerei, welche den Anschluss an das europäische Luftverkehrsnetz verliere.

Einzelne Betreiber hätten deshalb dem Flughafen Grenchen bereits den Rücken gekehrt und seien nach Basel, Altenrhein oder sonst wohin abgewandert, wie Conrad Stampfli, VR-Vizepräsident des RFP, auf Anfrage bestätigt. «Die Geschäftsflieger denken zukunftsgerichtet. Wenn sie wissen, dass für ihre Flugplanung die gegenwärtigen Schwierigkeiten kurzfristig überwunden werden können, dann bleiben sie. Wenn sie aber, wie jetzt, eine, zwei Stunden oder gar länger warten müssen, um einen Slot zu erhalten, und nicht sicher sein können, dass sich dies in ganz naher Zukunft massiv verbessert, dann sind sie weg», so Stampfli.

Der Flughafen Grenchen sei dank seiner guten Anbindung an das Strassen- und Eisenbahnnetz eine geeignete Alternative für die sogenannte «kleine Geschäftsfliegerei», die wegen Überlaufens der Landesflughäfen dort keinen Platz mehr finde. Diesen Vorteil riskiere der Flughafen Grenchen zu verlieren, zum Nachteil der Region. «In erster Linie sind die Firmen rund um den Flughafen betroffen», ergänzt Oggier: «Weniger Flugbewegungen heisst auch weniger Flugzeugunterhalt, weniger Wartungsarbeiten, weniger Treibstoffverkauf, sogar weniger Umsatz im Hotel und Restaurant und vieles mehr.»

Bei Skyguide war am Freitag niemand zu erreichen, der zur Problematik hätte Stellung beziehen oder eine Erklärung abgeben können, weshalb die Slots für Grenchen eingeschränkt wurden.