Kunsthaus Grenchen
Was dem Kuratoren-Nachwuchs ins Auge fällt

Studenten der Kunstgeschichte der Universität Bern gestalten ihre eigenen Ausstellungen. Dass Studenten Zugang zu Basisarbeiten erhalten können, ist selten möglich. Umso wertvoller ist das Kunsthaus Grenchen.

Fränzi rütti-saner
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Die Gruppe «Nachwuchs-Kuratoren» mit Dozentin Bernadette Walter und Eva Inversini (beide rechts). zvg

Die Gruppe «Nachwuchs-Kuratoren» mit Dozentin Bernadette Walter und Eva Inversini (beide rechts). zvg

Solothurner Zeitung

Seit 2008 hat das Kunsthaus Grenchen mit seinem Erweiterungsbau bedeutend mehr Ausstellungs- und Archivfläche zur Verfügung. Rund 13000 Werke, vorwiegend aus dem Bereich Druckgrafik, von regionalen, nationalen und internationalen Kunstschaffenden sind in Grenchen zu finden.

Und damit diese Werke auch gezeigt werden können, braucht es eine Kuratorin oder einen Kurator. Diese Tätigkeit an einem Museum ist das Ziel für viele Studierende im Fach Kunstgeschichte. Nun durften sich eine 12-köpfige Gruppe Studierender der Universität Bern, unter der Leitung ihrer Dozentin Bernadette Walter, Lehrbeauftragte am Institut für Kunstgeschichte, und Eva Inversini, der künstlerischen Leiterin des Kunsthauses Grenchen, als eigentliche Ausstellungsmacher betätigen und erleben, was sie in ihrem künftigen Beruf beschäftigen wird.

Basisarbeit wird selten gezeigt

Im vergangenen Herbstsemester besuchten sie dazu in Gruppen die Archivräume des Kunsthauses und förderten zutage, was ihnen für ihre eigens thematisch konzipierte Ausstellung geeignet erschien. «Als Kurator beschäftigt man sich nicht bloss mit dem Zusammenstellen der Werke. Es geht auch darum, Sponsoren zu finden, sich über die Hängung Gedanken zu machen, das Ausstellungsbudget im Auge zu behalten, Saal-Texte zu verfassen und schliesslich die gehängten Arbeiten richtig zu beschriften», meinte Dozentin Bernadette Walter.

«Solche Arbeiten mal in der Praxis kennenzulernen war für die Studierenden in Grenchen möglich und besonders wertvoll.» «Wir arbeiten in unserem Institut mit verschiedenen Museen zusammen, doch selten ist es möglich, solche Basisarbeit zeigen zu können, da es in vielen Häusern lange Ausstellungs-Vorlaufzeiten gibt», erläuterte auch Sonja Fessel, wissenschaftliche Assistentin.

«Ins Auge gefallen»

Unter dem Obertitel «Ins Auge gefallen» erarbeiteten die Studierenden in sechs Gruppen ihre ganz eigene Ausstellung in je einem separaten Raum des Kunsthauses. «Auge in Auge» nennen Kevin Oehler und Andreas Wagner ihre Auswahl von Porträts, die gleich zu Beginn der Ausstellung die Besucher willkommen heissen. Darunter sind Werke von Künstlern wir Andy Warhol, Ferdinand Hodler oder Franz Gertsch zu finden. Andrea Franzen und Camille Ledermann präsentieren ihre Schau «Unsichtbares, sichtbar gemacht».

Sie zeigen dazu typische Druckgrafiken der Grenchner Sammlung, doch für einmal nicht an den Wänden, sondern am Boden liegend. Gestapelt in den typischen Archivboxen aus Karton. Sie legten den Fokus auf regionale Künstler wie Toni Bieli, Urs Hanselmann oder Marcel Niederhauser.

Abstrakte Arbeiten lösen Emotionen aus

«Ins Licht gerückt» nennen Lisa Konrad und Stefanie Wyssenbach ihre Präsentation. Sie suchten in den Archiven des Grenchner Kunsthauses Arbeiten, bei denen sich die Künstler mit dem Themen Licht und Schatten befassten. Cécile Wick, Roland Flück oder Markus Raetz sind neben anderen bei ihnen zu finden. Stefanie Wenger und Christine Perreng sind bei ihrer Suche «Über Geschichten gestolpert». Bilder, die offenkundig Geschichten erzählen, wollten sie zeigen. Dies gelang umfassend, beispielsweise mit Arbeiten von Thomas Woodtli, Uwe Wittwer oder auch Joseph Beuys. Kunst soll «Emotionen wecken», sagten sich Alexandra Amrein und Barbara Rohner.

Sie bespielten in so genannter Petersburger Hängung eine Wand mit abstrakten Arbeiten, die Emotionen auslösen. Als Gegensatz dazu sind lebensnahe Porträts von Arthur Girard zu sehen. «Kurioses entdecken», war das Ansinnen von Barbara Semradova und Isabelle Zürcher, denn das weckt bekanntlich die Neugier des Menschen. Sie zeigen unter anderem Werke von H. R. Giger oder Meret Oppenheim.

Vernissage: heute Donnerstag, 18.30 Uhr. Bis 10. April. Rahmenprogramm

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