«Hausrenovation»
Warum das Baugerüst an der Grenchner Centralstrasse ein Witz ist

Vor zwei Jahren wurde die Grenchner Liegenschaft Centralstrasse 93/95, ein schmuckloses, aber zentral gelegenes Wohn- und Geschäftsgebäude, nach Zürich verkauft. Seither wird am Gebäude herumgeflickt.

Andreas Toggweiler
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Das Baugerüst entsprach nicht den Vorschriften. Es fehlten Fussleisten, Querstreben und mehr.

Das Baugerüst entsprach nicht den Vorschriften. Es fehlten Fussleisten, Querstreben und mehr.

Oliver Menge

Die ganze Rückseite wurde isoliert und hellgelb gestrichen, die Fenster ersetzt. Auf der Vorderseite sieht es seit Monaten unfertig aus. Der ganze Hinterhof ist verstellt mit Isolationsmaterial. Neuerdings erstrahlt die Nordseite crèmefarbig und mint, dort, wo die Farbe gereicht hat. Bei näherem Hinsehen zeigt sich: hier wurde vor allem schnell gearbeitet.

Unsicheres Baugerüst

Und das hat wohl seine Gründe. Doch der Reihe nach: Kürzlich meldete sich ein Grenchner Handwerker auf der Redaktion (er möchte lieber anonym bleiben): das Baugerüst entspreche keineswegs den Sicherheitsanforderungen, hier werde gepfuscht. Unmittelbar an die Busstation Bündengasse angrenzend, fehlten dem Gerüst elementare Sicherheitselemente, beispielsweise Fussleisten, die das Herunterfallen von Werkzeug verhindern sollen. Das Warten bei dieser Busstation konnte unter Umständen recht riskant sein. Treppen fürs Personal, das dem Vernehmen nach gleich im Dutzend auf dem Gerüst herumturnte, gabs keine.

«Doch die Behörden unternehmen nichts. Wochen-, wenn nicht monatelang stand zudem eine Mulde auf dem Trottoir. Bei uns Schweizer Unternehmern hätte man sofort eingegriffen. Wir müssen uns an alle Auflagen halten, und wenn wir mal etwas vergessen, steht sofort die Arbeitskontrolle auf der Matte», ereifert sich der Mann.

Suche nach dem Bauherrn

«Das Gerüst ist ein Witz, es fehlen wichtige Teile», bestätigt ein Baufachmann aufgrund eines Fotos. Der Befund wird schliesslich auch von der Suva bestätigt: das Baugerüst entspreche nicht den nötigen Vorschriften, man werde deshalb der Baustelle demnächst einen Besuch abstatten, heisst es, nachdem auch die Fachleute in Luzern das Foto begutachtet haben. Man mache halt in der Regel nur Stichproben oder werde bei Hinweisen aktiv, meint der Suva-Sprecher. Den Bauherrn oder die Baufirma zu eruieren, ist nicht einfach. Denn nirgends an der Baustelle finden sich irgendwelche Angaben darüber, wer hier arbeitet. Eine Anfrage bei einem Mieter ergibt, dass man am besten in der Billard-Bar im Parterre der Liegenschaft weiterhelfen könne. Hinter dem Tresen des leeren Lokals sitzt gelangweilt eine Bardame. Sie zeigt aufs Hinterzimmer.

Er sei der Besitzer der Liegenschaft, sagt ein Mann, der sich als Muamed zu erkennen gibt. Auf das Baugerüst ist er gar nicht gut zu sprechen. Es entspreche den Vorschriften und sei von den Behörden geprüft, etwas anderes sei gar nicht möglich, behauptet er ruppig.

Politik

Stadt soll aktiv werden

Genau solchen Entwicklungen möchten wir mit unserem Vorstoss einen Riegel schieben», erklärt CVP-Fraktionschef Andreas Kummer. Die Fraktion hatte kürzlich in einem Postulat im Gemeinderat angeregt, die Stadt soll eine eigene Immobiliengesellschaft gründen, um rasch gefährdete Liegenschaften aufkaufen zu können und diese vor dem Verfall zu bewahren oder um zu verhindern, dass diese in die Hände von Spekulanten geraten (wir berichteten). Die Stadt könne damit auch besser Einfluss nehmen auf die Ansiedlung von erwünschtem Gewerbe an solch wichtigen Lagen wie der Centralstrasse. «Früher gehörten die städtischen Liegenschaften Leuten aus der Stadt, die sich dafür verantwortlich fühlten», meint Kummer. Wenn aber Auswärtige überhöhte Preise für Immobilien bieten, wäre auch eine Immobiliengesellschaft machtlos, muss er einräumen. (at.)

Drohung mit Anwalt

Und dann das: «Kennen Sie den Anwalt Landmann aus Zürich? Wenn Sie über meine Baustelle etwas schlechtes schreiben, werde ich Sie einklagen», droht der Mann. Der Zürcher Anwalt sei nämlich ein guter Bekannter und man sei schon einmal erfolgreich zusammen gegen einen Journalisten vorgegangen, meint Muamed, der sonst nichts preisgibt als eine Handynummer. Immerhin 25 000 Franken habe dieser Journalist zahlen müssen, auch wenn man ein Mehrfaches gefordert habe, umreisst er sein Vorgehen mit dem bekannten Zürcher Milieuanwalt. Mit dem «Milieu» habe er allerdings nichts zu tun, betont Muamed, als wir ihm versichern, dass wir sehr wohl wüssten, wer der Herr Landmann sei.

Ob Muamed tatsächlich der Besitzer des Hauses ist, lässt sich nicht erhärten. Fakt ist, dass am 29. 8. 2013 ein Mann mit einem anderen Namen aus Zürich als Besitzer des Hauses im Grundbuch eingetragen wurde. Der Mann, ein 2011 eingebürgerter Schweizer mit mazedonischen Wurzeln, hatte damals gleich den ganzen Komplex zwischen Viaduktstrasse und Bündengasse erworben, wo sich auch das Café Moccaflor, ein Kiosk und ein Lebensmittelgeschäft befinden. Im Februar 2014 wurde das Baugesuch zur Fassadenisolation publiziert, am 17. April ein Gesuch für eine Umnutzung eines Ladenlokals als Bar.

Auch das «Jägerstübli»

Die aktuelle «Renovationsetappe» wurde jetzt, wohl etwas überstürzt, abgeschlossen. Möglicherweise war inzwischen die Suva da, denn nach ein paar Tagen war das Gerüst weg. Doch schön sieht es auch auf dieser Seite noch nicht aus. Das müsste selbst der Herr Muamed (samt Anwalt) zugeben. Das Vordach ist mit Bauabfall verstellt.

Am vergangenen 11. September hat übrigens dieselbe Person auch noch das Gebäude des schon länger geschlossenen Restaurants Jägerstübli gekauft, das gleich um die Ecke steht. Auch dieses schreit förmlich nach Renovation ...

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