Streethockey
Vom Quartier-Plausch zum Trendsport Sportart

Grenchen-Bettlach verfügt gleich über zwei starke Streethockey-Vereine. Der SHC Bettlach und auch der SHC Grenchen-Limpachtal schafften es in der vergangenen Saison bis in die Playoff-Halbfinals.

André Weyermann
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Wann kommt der Pass? Daniel Wisard vor dem Rohbau des neuen Clubhauses in Bettlach.

Wann kommt der Pass? Daniel Wisard vor dem Rohbau des neuen Clubhauses in Bettlach.

André Weyermann

Es ist ein bekanntes Bild: Eine Handvoll Jungs oder Mädchen stellen auf einem Parkplatz, einem Schul- oder Hinterhof zwei handgezimmerte Tore auf. Stockbewehrt, mit Turnschuhen versehen und mit einem Tennisball als Spielgerät lässt es sich so ganz gut Hockey spielen. Anfangs der 1990er-Jahre entwickelte sich auch in der Schweiz aus diesem Quartiervergnügen heraus die Sportart Streethockey mit geregelter Meisterschaft und Spielbetrieb, die schon bald ziemlich boomte.

In unserer Region gibt es in engster Nachbarschaft gleich zwei Vereine, die zur Schweizer Elite zählen. Sowohl der SHC Bettlach als auch der SHC Grenchen-Limpachtal schafften es in der vergangenen Saison bis in die Playoff-Halbfinals. Die Grenchner konnten sich sogar noch den Schweizer Cup erkämpfen.

Mit Stock und Schaufel

Auch Daniel Wisard, jetziger Assistenztrainer bei der zweiten Bettlacher Mannschaft, hat ursprünglich im Quartier dem Spiel gefrönt. «1993 hat unter anderen mein Bruder den Verein gegründet. Und schon bald bin ich auch beigetreten», erklärt er dazu. Die Ausrüstung ist in vielem analog jener im Eishockey, ausser dass eben mit Turnschuhen und auf Beton oder Asphalt gespielt wird. Stock und Schaufel werden separat erstanden und dann mittels Heissluft-Leim zu einer kompakten Einheit zusammengeklebt. Das hat zum einen den Vorteil, dass man die Krümmung der Schaufel bis zu einem vorgegebenen Grad individuell gestalten kann, andererseits muss man beim Bruch der Schaufel nicht gleich das ganze Gerät wieder besorgen und kann so einiges an Kosten sparen.

Sportstadt Grenchen

Warum braucht es so viele verschiedene Minigolf-Bälle? Was ist das Besondere dieses Fussballschuhs? Oder dieses Tennis-Rackets? In der Stadt ist Sport ein Thema geworden. Mit dem Bau des Velodrome vor einem Jahr, dem vorgesehenen Ausbau des Leichtathletikstadions, einer BMX-Piste oder eines neuen Strassenhockey-Platzes sowie diversen bestehenden Anlagen will sich Grenchen vermehrt als Sportstadt profilieren. Wir stellen verschiedene in der Stadt ausgeübte Sportarten vor, anhand von Sportlerinnen und Sportlern, die ihre Sportgeräte oder Ausrüstungsgegenstände erklären. (rrg)

Zur Grundausrüstung gehören weiter Handschuhe, Schienbeinschoner und ein Helm. Bei den Junioren muss dieser mit einem Gesichts-Schutz versehen sein. Gespielt wurde zu Beginn noch mit Tennisbällen, dann mit einem orangefarbigen Hartplastikball. In den letzten Jahren hat aber die Sportartikelindustrie auf den Boom «Streethockey» reagiert und eigenes Material entwickelt, das den Anforderungen dieser Sportart entspricht bzw. den Unterschieden zum Eishockey bezüglich des Untergrundes (Beton, Asphalt etc.) und der Jahreszeit (Frühling und Sommer) gerecht wird. Die Regeln sind eng an jene im Eishockey angelehnt.

Technik und Koordination

Was braucht es nun aber, um ein guter Spieler in dieser Sportart zu sein? «Da es ein schnelles Spiel mit vielen Richtungsänderungen ist, ist eine gute Koordination der Bewegungen unabdingbar», erläutert Daniel Wisard. «Und natürlich eine gute Technik.»

Wegen des doch beträchtlichen Platzbedarfes wurde in der Schweiz bis anhin zumeist auf kleineren Spielfeldern mit nur vier Feldspielern um Punkte gekämpft. Hier gibt es nun eine Änderung: Bis zum Beginn der Saison 2015/16 müssen alle NLA-Teams über ein Grossfeld verfügen, damit die Umstellung auf 5 gegen 5 Feldspieler vollzogen werden kann. Wer dies zu diesem Zeitpunkt nicht vorweisen kann, riskiert den Zwangsabstieg in die NLB.

Die Bettlacher haben da die Nase vorne: Bereits am 13. September wird die neue Arena gleich neben dem Fussball-Stadion mit einem Fest, wie es sich gehört, eingeweiht werden können. Aber auch die Grenchner sind nicht untätig gewesen und haben den Kontakt zu den Behörden gesucht: Die Bau- und Planungskommission hat das Geschäft bereits behandelt. Und schon im nächsten Gemeinderat vom 19. August soll das neue Spielfeld mit Kostenfolge für die Beteiligten (Gemeinde, SHC und Inlinehockey-Verein) spruchreif sein. Der Präsident des Vereins, Stefan Kunz, ist denn auch zuversichtlich, dass in der Arena beim Schulhaus Eichholz auch in Zukunft Spitzensport zu sehen sein wird.

Gerüstet für die Zukunft

Beide Vereine sind übrigens auch im Breitensport gut aufgestellt. Neben einer ersten Mannschaft betreiben beide auch ein zweites Team (jeweils NLB), verfügen über Junioren in allen Altersklassen und eine Senioren-Mannschaft. Die Bettlacher besitzen gar eine reine Damen-Mannschaft.

Es bestehen kaum Zweifel: Die Streethockeyaner aus der Region Grenchen-Bettlach werden auch kurz-und mittelfristig für Furore sorgen. Und wer weiss? Vielleicht bekämpfen sie sich schon bald im Direktduell um den Schweizer-Meister-Titel.

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