Kunsthaus Grenchen
Symbole und Formen prägen uns

Im Kunsthaus Grenchen gibt es vier unterschiedliche Kunst-Positionen zu sehen, die einiges gemeinsam haben.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Patricia Bucher erzählt mit ihrer Formensprache Geschichten.

Patricia Bucher erzählt mit ihrer Formensprache Geschichten.

zvg

Die Aargauerin Patricia Bucher (*1976) befasst sich in ihrem Schaffen mit der Entwicklung einer eigenen formalen Bildsprache. Dieser legt sie gängige Schriften, Piktogramme und Symbole zugrunde, die sie verändert oder neu zusammensetzt. Daraus entstehen Bildergeschichten, die jedoch nicht auf den ersten Blick lesbar sind. Vieles muss in der Schwebe bleiben. Die Fantasie ist gefordert – genauso will es die Künstlerin. Für ihre Arbeiten verwendet Bucher unterschiedliche Medien: Aquarelle, Zeichnungen, und sie stellt Objekte aus Hölzern, Plexiglas oder Teppichen zusammen.

Die Kelim-Teppiche, die sie in der Türkei nach ihren Vorgaben weben lässt, geben ihren Bildern eine neue wandmalerische Dimension. Wichtig in Patricia Buchers Werk ist auch die Schrift. So ist ein Teil der Ausstellung Sprichwörtern gewidmet, deren Satzteile sie auseinander- nimmt und neu zusammensetzt. Auf diese Weise entstehen Redewendungen mit ungewohnten Fortsetzungen – und zum Erstaunen: Sie ergeben auch so einen Sinn, wenn auch einen anderen. Die Frage also, wie Bedeutung entsteht, ob durch Zeichen und/oder durch Wörter, durchzieht Buchers Arbeiten.

Glücksbringer für alles

Im Rahmen der Kunstinterventionen zum 10-jährigen Jubiläum der Kunsthaus-Erweiterung sind als sogenannte «Intervention 2» eine Juju (gesprochen: Tschutschu)-Installation des Künstlerduos Boycotlettes zu sehen. Die beiden Künstlerinnen, die Solothurnerin Melanie Fischer Fadera (*1976) und die Aargauerin Lara Schwander (*1976) bringen damit viele gute Wünsche ins Kunsthaus. Ihre Installation «A chacun son souhait» ist inspiriert von den Jujus aus Westafrika, mit denen man sich dort gute Wünsche und Glück im Alltag erhofft. So wird bereits der Eingang zum Kunsthaus in einen magischen Kraftort der Fantasie verwandelt. Am 12. Dezember findet um 14 Uhr ein Workshop statt, bei dem Besucher ihre Glücksbringer kreieren können. (frb)

In der Villa Girard des Grenchner Kunsthauses sind erstmals Werke aus dem Schaffen von Theodor Bally (1896– 1975) zu sehen.

Jenseits des Kunstbetriebes

Der Solothurner Künstler, aus der Bally-Schuhdynastie stammend, entwickelte sein Werk abseits des gängigen Kunstbetriebes und blieb daher für viele unbekannt. Er war Schüler von Cuno Amiet, wandte sich ab den 1940er-Jahren der konkreten Kunst zu. Flächen, Volumen, Licht und Schatten beschäftigten ihn. Frühe konkrete Arbeiten erinnern noch stark an Paul Klee, später verzichtete er voll auf Farbe und konzentrierte sich ganz auf die geometrische Form. Immer wieder setzte er seine Grundformen neu zusammen und fand neue Varianten. Theodor Bally ist es wert, neu entdeckt zu werden.

Im Rahmen des Ausstellungszyklus «20 m2 – Fenster ins Atelier von ...» im ersten Stock der Girard-Villa kann die Solothurner Künstlerin und Illustratorin Lina Müller (*1981) einen Teil ihrer Arbeiten zeigen. Es sind oftmals malerische Durchblicke in einen fantasie- und humorvollen Alltag, in dem Nebensächlichkeiten Hauptrollen bekommen.

Bis 17. Feb. 2018. www.kunsthausgrenchen.ch

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