Mümliswil
Sanierung zu teuer: Verwaltung bleibt im Gemeindehaus

Die Verwaltung von Mümliswil möchte in die ehemalige Arztpraxis im Bank-Postgebäude umziehen. Die Kosten für die Sanierung des Gemeindehauses wurden jetzt detailliert erhoben, inklusive Lifteinbau - sie sind ernüchternd.

Josef Tschan
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Die Verwaltung bleibt im Gemeindehaus.

Die Verwaltung bleibt im Gemeindehaus.

Alois Winiger

Das Mümliswiler Gemeindehaus wurde 1984 aufwändig saniert. In den vergangenen 30 Jahren wurde daraufhin nur noch minimalster Unterhalt betrieben. Der Sanierungsbedarf ist nun entsprechend gross – sowohl technisch, wie auch energetisch. Getreu dem Gemeinderatsbeschluss, dass alle Investitionen, die zu Kosteneinsparungen führen, getätigt werden sollen, wurde deshalb auch eine Einmietung im Bankgebäude geprüft.

Die Arbeitsgruppe Immobilien ging bei ihren Berechnungen von rund 300 000 bis 400 000 Franken für die Sanierung des Gemeindehauses aus. «Sollte ein Lift eingebaut werden müssen, ist wohl mit doppelt so hohen Kosten zu rechnen», informierte Gemeindepräsident Kurt Bloch damals. Die, dem Rat an seiner letzten Sitzung vorliegende «approximative Kostenberechnung» (aufgrund der Projektpläne und Erfahrungswerte ähnlicher Bauten) des Büros Niggli+Partner zeigte schliesslich rund 590 000 Franken auf – ohne Lifteinbau rund 370 000 Franken. Somit lag die Arbeitsgruppe mit ihrer Grobkostenschätzung nicht weit daneben.

Das Problem lag eher bei den aufgezeigten Rückstellungen und Abschreibungen. Die Arbeitsgruppe zeigte bewusst einen Kapitalbedarf auf, der aufgrund der Alterung des Gebäudes in 20 Jahren wieder notwendig wird. Doch aufgrund der aktuellen Finanzlage können Rückstellungen weder buchhalterisch noch effektiv getätigt werden, solange kein Ertragsüberschuss in der Laufenden Rechnung resultiert. Oder umgekehrt: Rückstellungen dürfen nicht zu einem Aufwandüberschuss oder Erhöhung desselben führen.

Die Krux mit den Abschreibungen

«Die kritischen Anmerkungen bezüglich Darstellung als ‹doppelter Aufwand› waren demnach berechtigt», räumte Bloch ein. Kommt noch hinzu, dass mit dem neuen «Harmonisierten Rechnungsmodell 2» (HRM 2), das nächstens im Kantonsrat beschlossen wird, Abschreibungen vom Verwaltungsvermögen differenzierter gehandhabt werden müssen.

Je nachdem, wann die Sanierung erfolgen würde, müsste man mit Abschreibungsfristen von 10, 18 oder gar 33 Jahren rechnen. Finanzverwalter Stephan Fluri zeigte die verschiedenen Varianten anhand umfassender Tabellen auf. Wie man es drehte und wendete – anhand der neuen Fakten und Detailkosten fällt die Differenz der jährlichen Einsparungen bei einem Umzug gegenüber einer Sanierung geringer aus, als ursprünglich berechnet.

Diskutiert wurde auch, ob es Sinn macht, so langfristig zu denken. Niemand weiss heute, wie die politische und kommunale Landschaft im Thal in 10 oder 20 Jahren aussieht.

«Selbst das Amt für Gemeinden bestätigte uns nach Prüfung der Unterlagen, dass angesichts unseres Bilanzfehlbetrages die Variante ‹Miete› und eine Veräusserung des Gemeindehauses folgerichtig wären», gab Bloch bekannt. Doch eine Gesamtsanierung des Gemeindehauses – mit oder ohne Lift – komme zum aktuellen Zeitpunkt und auch in absehbarer Zeit nicht in frage. «Wir dürfen aber nicht in einen Sanierungsnotstand geraten, darum muss schnell eine andere, kostengünstigere Lösung gefunden werden», sagte Bloch abschliessend.

Im Gemeindehaus müssen auf jeden Fall ganz dringend die Fenster, die Heizung und die Telefonanlage ersetzt werden. Der Antrag der Arbeitsgruppe Immobilien, die Verwaltung ins Bankgebäude zu verlegen, wurde daraufhin vom Gemeinderat nach eingehender Diskussion mit grossem Mehr bei einer Gegenstimme abgelehnt.

Vernehmlassung zu Zukunftsbild Thal

Dem Gemeinderat lag auch der Entwurf zum «Zukunftsbild Thal» vor, der intensiv diskutiert wurde. Die Work-Shops, in denen das Leitbild entworfen wurde, waren stark durchmischt. Vom ‹Normalbürger› bis zum Querdenker war alles vertreten. Und das ist auch ein erstes Fazit der Beratung: «Das Zukunftsbild widerspiegelt die Meinung der mitarbeitenden Personen; nicht aber diejenige der Mehrheit der Thaler Bevölkerung».

In vielen Punkten kann man sich mit dem Entwurf einverstanden erklären. Dem Gemeinderat fehlen aber verbindliche Aussagen, Ziele und Visionen. Erstaunt zeigte man sich, dass der öffentliche Verkehr scheinbar uninteressant ist und die Zusammenarbeit der Gemeinden nicht berücksichtigt wurde. Kernsätze wie «Der Thaler zeichnet sich durch seine Andersartigkeit aus [...]» sowie «Der tägliche Stau in der Klus ist der Preis für die Abgeschiedenheit [...]» stiessen ebenfalls auf Unverständnis.

Das Thal soll und muss sich entwickeln. Dazu sind die Wirtschaft, gute Verkehrslösungen, der Tourismus, eine funktionierende Familienbetreuung und qualitativ hochstehender Wohnraum unentbehrlich.

Nischenproduktion bei Lebensmitteln und anderen Gütern zeichnen das Thal zwar aus; die landwirtschaftliche oder industrielle Massenproduktion darf aber nicht ausgeblendet werden. Sicher zeichnet sich das Thal auch durch sein Bekenntnis zu Traditionen und Brauchtum aus – dies darf aber nicht zu Stillstand oder gar Rückschritt führen. Die Argumente und Erkenntnisse werden nun in Form einer Vernehmlassung zusammengefasst und der Region Thal zur weiteren Bearbeitung überwiesen.

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