Grenchen, das sei die schönste Stadt zwischen Solothurn und Biel, witzelt man am Fuss des Weissensteins zuweilen selbstkritisch. Doch die kleine City am Jurarand hat eine faszinierende, wenn auch tragische Geschichte, die sich auf einem Rundgang durch die «Industriestadt im Grünen» prima erkunden lässt.

89 Leserwanderer liessen sich diese Chance am Freitagabend nicht entgehen und folgten Christoph Siegrist, Präsident von Grenchen Tourismus, durch die Uhrenstadt. Für jene, die es verpasst haben, hier die Highlights zum «Nachwandern»:

Starten Sie beim Kunsthaus vis-à-vis dem Bahnhof. Hier wohnte einst der Grenchner Arzt Joseph Girard. Damals, in der Mitte des 19. Jahrhunderts, war Grenchen ein armes Bauerndorf mit gerade mal 1500 Einwohnern und zahlreichen Arbeitslosen. Girard reiste als Grenchner Gemeinderat in die Westschweiz, lernte dort das Uhrenhandwerk kennen und kam mit einem Vorschlag zurück: Junge Grenchner sollten für eine Weile in den Jura, um die Kunst des Uhrenbaus zu erlernen und dann als ausgebildete Berufsleute zurückzukommen. Sein Plan ging auf, die Uhrenindustrie hielt Einzug in Grenchen, die Stadt boomte.

Wer vom Bahnhof aus durch die Innenstadt spaziert, mag sich ob des wilden Mix aus einfachen Blockbauten, alten Industriehallen und luxuriösen Anwesen wundern. «Grenchen blieb trotz des Uhrenbooms ein Bauerndorf. Hier wurde wild durcheinandergebaut, anders als in Städten wie Solothurn oder Zürich, wo sich die Industrie am Rande der historisch gewachsenen Altstadtzonen ansiedelte», erklärt Tourismus-Chef Christoph Siegrist.

Weisse Socken in Grenchen? Das muss ein Aargauer sein. Tatsächlich: Peter Haudenschild, Nationalratskandidat des Team65+, hat sich unter die Leser gemischt und die Werbetrommel gerührt.

Weisse Socken in Grenchen? Das muss ein Aargauer sein. Tatsächlich: Peter Haudenschild, Nationalratskandidat des Team65+, hat sich unter die Leser gemischt und die Werbetrommel gerührt.

Der Grenchner Söldner, der Beethoven inspirierte

Weiter geht die Grenchen-Tour Richtung Parktheater. Hier steht die Skulptur von «Urseli und Babeli», deren Geschichte in einem Volkslied für die Nachwelt überliefert wurde. Urseli zog einst als Söldner für die Solothurner Patrizierfamilie Besenval in den Krieg. Das Lied über seine Liebe zu Babeli inspirierte einst sogar den grossen Ludwig van Beethoven bei seiner Komposition «Variationen über ein Schweizerlied».

Spannend ist der überdimensionierte Friedhof. Er ist ein stiller Zeuge des zweiten Uhrenbooms nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Stadt binnen 25 Jahren auf rund 20 000 Einwohner heranwuchs. Die Behörden gingen davon aus, der Boom halte ewig, und rechneten mit 50 000 Einwohnern bis im Jahr 2000. Entsprechend grosszügig wurde der Friedhof gebaut. Heute, allerdings, leben in Grenchen nur noch rund 18 000 Menschen. Platz zum Leben (und zum Sterben) hats genug.

Schön grün ist Grenchen beim Hupperweiher. Hier förderte man bis in die 1940er-Jahre die lehmartige Huppererde zum Ofenbau. Der Weiher entstand nach dem Einsturz eines Stollens und ist heute ein Kleinparadies in der grünen Industriestadt.