50-Jahr-Jubiläum
Mit Angelruten aus Bambus hat alles begonnen

Eine Stammtischidee hat sich bewährt: Bei der Bahnhöfli-Cup-Bande hat immer noch der Boss das Sagen. Heinz Allemann ist seit 1963 dabei. Er erzählt vom Entstehen des Cups und von dessen Seele, die sein Vater in positiver und dominierender Manier war.

Daniel Trummer
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Die Bahnhöfli-Cup-Bande im Jahr 1962 – Kameradschaft und Spass werden bis heute grossgeschrieben. zvg

Die Bahnhöfli-Cup-Bande im Jahr 1962 – Kameradschaft und Spass werden bis heute grossgeschrieben. zvg

Im damaligen Hotel Bahnhof war der Stammtisch lebendig und wurde von Männern aus allen gesellschaftlichen Schichten besucht. Unter ihnen war Otto Allemann, Radio- und Fernsehhändler, der zudem ein begeisterter Fischer war. Ab und zu organisierte er kleine Fischerwettbewerbe. 1962 gründete er seine Bande. Mit von der Partie waren Hugo Allemann, Filippo Della Balda, Ernst Fuss, Alfred und Willy Scheidegger und Fritz Zingg.

Bereits im Jahr danach rüstete Otto Allemann seine sechs Kollegen mit Angelruten aus Bambus aus – das erste Wettfischen am Zihlkanal hat er natürlich gewonnen. Der Gründer nannte die Vereinigung «Bande», weil er keine Vereinsstrukturen wollte. Abmachungen erfolgten mündlich, Protokolle oder Statuten gibt es nicht.

Heinz Allemann ist seit 1963 dabei, als er noch ein Bub war. Er erzählt vom Entstehen des Cups und von dessen Seele, die sein Vater in positiver und dominierender Manier war. «Heute ist vieles anders», betont er, schaut sich im Restaurant um, zeigt auf die Scheibe, die Raucher und Nichtraucher trennt. Auch hier im Restaurant Helvetia gedieh die Stammtischkultur. «Die Auswirkungen der Antirauchergesetzgebung haben aber viele Qualitäten des ‹Stamms› zerstört.»

Als das Bahnhöfli vor Jahren zeitweise dichtmachte, hat die Bande hier ihr neues Zuhause gefunden. Der Initiator des Bahnhöfli-Cups war der erste «Boss». Er bestimmte nach einem Jahr einen neuen. Die beiden einigten sich auf einen Namen, der im dritten Jahr der Bande vorstehen durfte. «Einige haben versucht, sich aufzudrängen», schmunzelt Allemann in Erinnerung an die Lobbyarbeit derer, die am Ehrenamt interessiert waren. Runden wurden ausgegeben, um sich beim Ausmarchen ins Gespräch zu bringen. Auch hier haben sich die Zeiten geändert. Das Amt wird nicht mehr angestrebt, weil es mit Pflichten und Arbeit verbunden ist. Seit einigen Jahren ist daher Heinz Allemann, der 61-jährige Leiter einer Logistikabteilung in einer Uhrenfabrik, der Boss.

Wettfischen an diesem Sonntag

Wie sein Vater ist er leidenschaftlicher Fischer, der nicht weniger als 16 Mal den Fischer-Wettbewerb gewonnen hat. In den 49 Jahren – das diesjährige Wettfischen findet am kommenden Sonntag statt – wurden exakt 12237 Fische aus dem Wasser gezogen. Die Beute erzielte ein Gesamtgewicht von 1201 Kilogramm.

Minutiös hat Jürg Rüegsegger als Statistiker die Zahlen von seinem Vorgänger weitergeführt. Der pensionierte Betriebsdisponent, der lange Jahre dem Bahnhof Süd ein Gesicht gegeben hatte, ist Schreiberling, Aktuar und Kassier der Vereinigung. Immer wurden die Fische verwertet, gegessen, verschenkt oder in Altreu oder im früher bestehenden kleinen Tiergarten von Hans Schelker, im Süden von Grenchen, an Störche verfüttert.

Anwärter werden durchleuchtet

«Im Kegeln bist du der Meister», anerkennt Allemann Rüegseggers Schiebekunst mit der grossen Kugel und bezeichnet ihn als seine rechte Hand. 1982 wurde eine Jassmeisterschaft ins Jahresprogramm aufgenommen, es folgten andere Disziplinen: Minigolf, Boccia und Kegeln. Der Beste der Jahresmeisterschaft darf den Wanderpokal nach Hause nehmen.

«Das Kegeln lassen wir wohl in Zukunft weg», berichtet Jürg Rüegsegger und erzählt lachend von Rückenschmerzen und Muskelkater bei den Teilnehmenden nach dem kürzlich durchgeführten Wettbewerb. Die Mitgliedschaft im Bahnhöfli-Cup ist auf 30 Männer beschränkt. Neue Interessenten werden gründlich durchleuchtet. «Nur wer zu uns passt, wird aufgenommen», sagt der Boss.

Heute ist die Hälfte der verfügbaren Plätze besetzt. Im August wird gefeiert. Alle Aktiven mit Partnerinnen und auch andere ehemalige verbandelte Personen werden eingeladen. Freundschaft und Kameradschaft werden hochgehalten und Spass und Humor begleiten die Bande auch in Zukunft.

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