Grenchen

Michel Präzisionstechnik AG schliesst - 82 Mitarbeiter entlassen

Die Michel Präzisionstechnik AG in Grenchen schliesst per sofort und entlässt 82 Mitarbeitende.

Die Michel Präzisionstechnik AG in Grenchen schliesst per sofort und entlässt 82 Mitarbeitende.

Die Michel Präzisionstechnik AG in Grenchen muss ihren Betrieb in Grenchen schliessen. Als Grund wird der Druck des internationalen Marktes nach der Aufhebung des Euro-Mindestwechselkurses angegeben. 82 Arbeitnehmer sind betroffen.

Die Michel Präzisionstechnik AG in Grenchen hat am Freitag ihre Bilanz deponiert. 82 Angestellte verloren von heute auf morgen die Stelle. Geld für einen Sozialplan ist keines vorhanden.

«Das Unternehmen konnte dem Druck des internationalen Marktes nach Aufhebung des Euro-Mindestwechselkurses nicht mehr standhalten», schreibt der Verwaltungsrat in einer Mitteilung. Die Firma hat vor allem Teile für Autozulieferer wie Bosch hergestellt, die beispielsweise in Einspritzanlagen für Dieselmotoren verwendet werden.

«Der Konkurrenzdruck war mörderisch», beschreibt Verwaltungsratspräsident Konrad M. Beck die Situation. Die über die letzten Jahre vorgenommenen Massnahmen als Reaktion auf den stärker werdenden internationalen Wettbewerb und die in den letzten Monaten getätigten Investitionen hätten nicht den erhofften Erfolg gebracht.

Die Auslagerung eines Teils der Produktion in die ab Februar 2014 aufgebaute Tochtergesellschaft in der Tschechischen Republik verursachte unerwartet grosse, insbesondere technische und logistische Schwierigkeiten und führte zu ungeplanten Verzögerungen und Kosten. «Wir haben die Probleme unterschätzt, denn die Abnehmer verlangen von Anfang an eine zertifizierte Produktion, was enorme Vorleistungen erfordert.»

Wechselkurs mitschuldig

Zudem habe man kostendeckende Preise immer weniger durchsetzen können. Die Aufhebung des Euro-Mindestwechselkurses durch die Schweizerische Nationalbank verschärfte diese Situation in den letzten Monaten.

Die Belegschaft wurde erst am Freitag über die unmittelbar bevorstehende Schliessung informiert und unmittelbar danach freigestellt. «Es herrschte grosse Konsternation», räumt Beck ein. Die Schliessung des Betriebs wurde Freitagnachmittag durch das Konkursamt Solothurn vollzogen. Ab Montag sind die Beschäftigten arbeitslos.

Im Vorfeld des Konkurses sei Kontakt mit der Gewerkschaft Unia aufgenommen worden, bestätigt Beck. Diese habe allerdings angesichts der desolaten Lage auch keinen Rat mehr gewusst. Angesichts der angespannten Lage sei es nicht möglich, einen Sozialplan auszuarbeiten. «Die Mittel dafür stehen nicht zur Verfügung», heisst es.

Einmalige Zahlung

Die Löhne bis Ende Oktober konnten bezahlt werden. Da die Insolvenzentschädigung sowie das Arbeitslosentaggeld erst ab Dezember ausbezahlt werden können, erhalte jeder Mitarbeiter bzw. jede Mitarbeiterin aus Mitteln der Gruppe (die Firma gehörte zur Caxel-Holding, Delsberg) im November einmalig 2500 Franken ausbezahlt. «Wir sind uns bewusst, dass das einen Sozialplan nicht ersetzen kann, aber mehr liegt nicht drin.»

Laut Beck wohnen zwei Drittel der Belegschaft im Kanton Solothurn, das Gros davon in der Region Grenchen. Betroffen seien hoch qualifizierte Fachkräfte aller Altersklassen. Bei den doch mehreren über 50-jährigen Beschäftigten sei leider mit Härtefällen zu rechnen, bedauert der Chef.

Einst Teil der Swatch Group

Die Michel AG ist eine Traditionsfirma, die ihre Wurzeln in den ersten Betrieben der Grenchner Uhrenindustrie hat. Mit ihr geht eine 110-jährige Tradition zu Ende. Sie gehörte bis 2008 zur Swatch Group, die sie damals gegen eine Firma aus Moutier in die Ferton Holding eintauschte. Die Michel Präzisionstechnik AG hat seither andauernd mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten gekämpft. In den vergangenen Jahren mussten verschiedentlich Restrukturierungen vorgenommen werden, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. 2009 mussten 30 Stellen abgebaut werden, 2013 deren 10. Im Februar 2014 schliesslich wurde im Hinblick auf die Produktionsverlagerung in die Tschechische Republik der Abbau von 50 der damals 120 Stellen angekündigt.

Auf und mehrheitlich Ab

In den letzten sechs Jahren wies die Michel Präzisionstechnik AG mehrheitlich grosse Verluste auf. Lediglich in den Jahren 2010 und 2011 konnten dank hoher Umsätze Gewinne ausgewiesen werden. Das Eigenkapital reduzierte sich in dieser Zeit von fast 11 Mio. Fr. auf 3,5 Mio. Fr. per Ende 2014, wie der Verwaltungsrat schreibt.

Im laufenden Jahr hat sich die finanzielle Lage des Unternehmens drastisch verschlechtert. In den ersten zehn Monaten musste die Gesellschaft bei einem schwachen Umsatz von 13,1 Mio. Fr. bereits einen Verlust von mehr als 5 Mio. ausweisen.

Im Sommer wurden an einer Betriebsversammlung noch Durchhalteparolen ausgegeben, weil man eine Besserung erwartete. Diese trat offenbar nicht ein. «Als wir nun die Preise für nächstes Jahr verhandelten, sahen wir, dass es nur noch schlimmer wird und keine Hoffnung mehr für eine kostendeckende Produktion besteht», erklärt Beck.

Der Geschäftsgang der Tochtergesellschaft in der Tschechischen Republik habe sich in jüngster Zeit positiv entwickelt und der Verwaltungsrat hofft, dass sie unabhängig vom Betrieb in Grenchen weiter bestehen kann. Es gebe Gespräche mit Investoren.

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