Misstöne
Machtkampf beim Grenchner Turnverein gefährdet Stadionsanierung

Zwischen dem langjährigen, inzwischen ehemaligen Ressortverantwortlichen für das Stadionprojekt und der eben erst gewählten Geschäftsleitung ist Streit entbrannt. Das Projekt Stadionsanierung ist gefährdet.

Oliver Menge
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Im Stadion des TVG wurde schon lange vor der Sanierung eine Sponsorenwand aufgestellt.

Im Stadion des TVG wurde schon lange vor der Sanierung eine Sponsorenwand aufgestellt.

Oliver Menge

Offenbar ist beim zweitgrössten Verein der Stadt, dem Turnverein, im Hintergrund ein ungesunder Machtkampf im Gang, der das grosse Projekt des Vereins, die Sanierung des Leichtathletikstadions, zu gefährden droht.

Auslöser des Konflikts ist ein Streit zwischen der Geschäftsleitung des TV Grenchen und Robert Gilomen, der als Ressortleiter Stadion fungierte und an der der letzten Generalversammlung vor rund 10 Tagen nicht mehr gewählt wurde. Gilomen war bereits Mitte letztes Jahr aus der Geschäftsleitung zurückgetreten, blieb aber weiterhin verantwortlich für das Stadionprojekt.

Gilomen wurde kaltgestellt

Nach der Demission des vormaligen Präsidenten Holger Scheib wurde Elias Meier als neuer Vorsitzender der Geschäftsleitung an dieser Generalversammlung einstimmig gewählt und bildet zusammen mit Andy Vogt als Geschäftsführer, der ebenfalls einstimmig gewählt wurde, die neue Geschäftsleitung. Die Versammlung beschloss mit einer Enthaltung und ohne Gegenstimme, dass erstens die Geschäftsleitung weitere Mitglieder suchen und finden und sich selber konstituieren soll.

Zweitens müsse der Ressortleiter Stadion wieder Mitglied der Geschäftsleitung sein – was de facto hiess, dass Gilomen als solcher nicht mehr infrage kam, weil er ja nicht mehr Mitglied der GL war. Drittens: Die Besetzung des Steuerorgans des Stadionprojektes werde durch den Vorstand, der sich aus der Geschäftsleitung sowie den Ressort- und Abteilungsvorstehern zusammensetzt, vorgenommen und die Geschäftsleitung bleibe Kontrollorgan.

Meier, frisch gewählt als neuer Vorsitzender der Geschäftsleitung, informierte die Anwesenden über den Stand des Sanierungsprojektes und erläuterte insbesondere die Herausforderungen, die mit der im Kieskoffer unter den Bahnen eingebauten Schlacke auftreten. Und offenbar ist man bei der Beschaffung der finanziellen Mittel auch nicht so weit wie erhofft, wie Meier darlegte.

Die Versammlung beschloss mit einer Gegenstimme und drei Enthaltungen, dass die Geschäftsleitung die Kompetenzen mit dem Steuerorgan klären soll. Ausserdem erteilte sie der Geschäftsleitung und dem Steuerorgan die Kompetenz, das Projekt Stadionsanierung im Rahmen der verabschiedeten Planungsgrundsätze und im Rahmen der veranschlagten Projektkosten von maximal 3,5 Mio. Franken abzuändern und den Baustart freizugeben.

Das brachte Gilomen offenbar in Rage. Im Nachgang zu dieser Generalversammlung verschickte er Mails mit Schuldzuweisungen und zum Teil happigen Vorwürfen. Die Generalversammlung sei nicht rechtmässig, weil nicht der abtretende Präsident sie zu Ende geführt habe, sondern Elias Meier sofort übernommen habe. Es werde gelogen, das Protokoll gebe nicht den wahren Ablauf wieder, Presseartikel seien falsch und die Überheblichkeit nehme noch zu.

Auf seine Anträge sei man gar nicht erst eingegangen und habe auch andere Wortmeldungen ignoriert. Vorhandene Pendenzen würden ausser acht gelassen, stattdessen kritisiere man das, was gut laufe. Er habe unzählige Telefonate mehrheitlich von Nichtmitgliedern erhalten und Sponsoren hätten böse Töne angeschlagen – er selber hatte an der GV behauptet, 3 Millionen Franken gesammelt zu haben.

Freiwillige mobilisiert

Am Montag berief Gilomen dann die Volontaris, deren Leiter er ist, zu einer Sitzung ein. Gegenüber dieser Gruppe von Freiwilligen, die bereits in Tausenden von Stunden im Stadion diverse Arbeiten verrichtet haben und für den Unterhalt zuständig sind, bezeichnete er die Generalversammlung als unrechtmässig und den Verein als handlungsunfähig, weshalb er darauf drängte, dass die Volontaris ihre Arbeiten nicht mehr im gewohnten Rahmen durchführen sollten.

Damit waren aber laut internen Informationen nicht alle einverstanden: Einige Mitglieder der Gruppe verlangten vielmehr von ihm, er solle konstruktivere Töne anschlagen, sich mit der neuen Geschäftsleitung zusammensetzen und die Differenzen bereinigen. Gilomen habe in der Folge konstatiert, dass die Volontaris offenbar mit der aktuellen Situation nicht unzufrieden seien und man deshalb die Arbeiten wie vorgesehen zum Start der Beachvolleyball-Saison wie bis anhin aufnehmen werde. Gilomen war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Ein langjähriges Mitglied des TVG, das namentlich nicht genannt werden will, sagte gegenüber dieser Zeitung, es habe den Eindruck, als wolle der langjährige Ressortleiter Stadion jetzt, da das Projekt eventuell scheitern könne, durch Schuldzuweisungen nach allen Seiten sich selber in ein gutes Licht stellen. «Dabei ist doch völlig klar, dass wir ohne Röbi Gilomen nie so weit wären, wie wir sind. Ohne ihn gäbe es dieses Projekt gar nicht. Unter dem Strich, trotz all dem, was im Moment läuft und in der Vergangenheit gelaufen ist, bleibt seine Bilanz doch positiv.»

Der Neue geht auf Tour

Elias Meier ist momentan daran, die verschiedenen Abteilungen des 350 Köpfe zählenden Vereins zu besuchen und sich ein eigenes Bild zu machen, wie er sagt. Er liest sich in die diversen Dossiers betreffend Stadionprojekt ein und hatte bereits Kontakt mit diversen Leuten, auch bei der Stadt Grenchen. «Es gibt und gab tiefgreifende Differenzen im Steuerungsorgan der Projektgruppe, die ein ordnungsgemässes und effizientes Funktionieren dieser Gruppe verhinderte. Das soll jetzt ändern», so Meier auf Anfrage. Die Gruppe müsse als Team funktionieren und am selben Strick ziehen, idealerweise in die gleiche Richtung. «Was ganz wichtig ist: Die Schuldzuweisungen müssen jetzt ein für alle Mal aufhören, denn damit kommen wir nicht weiter.»

Die Volontaris bezeichnet Meier als wichtiges Element. «Wenn sie wie bis anhin mitmachen, kann der TVG wertvolle Eigenleistungen ausweisen.» Ihre Arbeit sei unverzichtbar, insbesondere angesichts der finanziellen Situation. «Der Lohn der Volontaris wird das neue Stadion sein. Sie werden mit Fug und Recht sagen können, dass das ohne ihre Hilfe nicht möglich gewesen wäre.» Jetzt gehe es primär darum, gegen aussen und innen völlige Transparenz zu schaffen und eine klare Priorisierung der Aufgaben vorzunehmen. Als Erstes müsse man die Finanzierung an die Hand nehmen und dort eventuell auch neue Wege einschlagen. Denn im besten Fall sind von den maximal notwendigen 3,5 Millionen erst zwei Millionen vorhanden.

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