Abbruch
Jetzt ist auch das ehemalige Wohnhaus auf dem Bettlachstock Geschichte

Anfang Juli sind die Schlussarbeiten für den Abbruch des ehemaligen Bauernhauses auf dem Bettlachstock gestartet. Am Dienstag ist der ehemalige Wohnhausteil gesprengt worden.

Oliver Menge
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Das ehemalige Wohnhaus auf dem Bettlachstock vor und nach der Sprengung.

Das ehemalige Wohnhaus auf dem Bettlachstock vor und nach der Sprengung.

Oliver Menge

Der letzte Akt in der Geschichte des Bauernhofes auf dem Bettlestock begann am Dienstag pünktlich um 14:14:14 Uhr: Hauptmann Christoph Scholl, Kommandant der Bausappeur Kompanie 2/4 gab über Funk den Befehl, und Sprengmeister Leutnant Dominik Burri brachte mit einer kleinen Drehung am Schalter des Zündmechanismus 18,5 Kilo Plastit zur Detonation.

Drei Explosionen mit einer Verzögerung von je 18 Millisekunden – wahrgenommen wurde nur ein «Chlapf» – brachten das Fundament zum Einsturz, das Haus fiel in nördlicher Richtung in sich zusammen.

Das Haus vor der Sprengung
19 Bilder
Hier wohnte seit 25 Jahren niemand mehr
Das Haus vor der Sprengung
Das Haus vor der Sprengung
Das Haus vor der Sprengung
Aufenthaltszelt während der Vorbereitungen
Schön gemütlich
Die Sprengladungen im Keller sind scharf
Die Sprengladungen im Keller sind scharf
Die Sprengladungen im Keller sind scharf
Sprengmeister Lt Dominik Burri zündet
Das Medieninteresse war gross
Divisionär Andreas Bölsterli, Kdt Ter Reg 2 im Gespräch mit Stefan Hofer vom Führungsstab Armee
Die Angehörigen der Bausap Kp 2/4 beobachten das Spektakel
Nach der Sprengung bleibt nur noch ein Schutthaufen übrig, mit dem Güllenloch und Zisternen aufgefüllt werden
Die Sprengfahne
Brigitte Marti vom kantonalen Hochbauamt, Auftraggeberin Seite Kanton, begutachtet das fertige Werk
Auch ein paar Gäste, die von der Sprengung erfahren haben, sind gekommen

Das Haus vor der Sprengung

Oliver Menge

15 Tage lang hatten die rund 27 Angehörigen der Kompanie diesen letzten Akt vorbereitet. Nachdem der grösste Teil des ehemaligen Bauernhofes, die Scheune und das Dach, schon im letzten Jahr von Hand abgebrochen, zu einem grossen Teil per Helikopter ins Tal geflogen und fein säuberlich entsorgt worden war, blieben nur noch wenig Holz und das Mauerwerk des Hauptgebäudes auf dem Berg übrig. Die Bausappeure, die ihre zweite WK-Woche absolvieren, rissen während 15 Tagen die verbliebenen Böden heraus und bohrten im Keller 460 Löcher, in die sie am Dienstag je 40 Gramm Sprengstoff füllten.

Schicksal des Hofs war besiegelt

Vor 50 Jahren wurde das Bauernhaus auf dem Bettlachstock gebaut. Es war im Besitz der Gemeinde Bettlach, die den Bauernhof bis 1985 verpachtete. Das Leben für die Pächterfamilien dort oben war hart: Da eine Wasserquelle fehlt, musste Regenwasser in Zisternen gesammelt werden, um Mensch und Tier zu versorgen. Zwar gab es Strom und Telefon, die Verbindung zum Dorf über den Stockweg war aber immer schon schwierig, speziell im Winter. Der Berghof konnte nie rentabel bewirtschaftet werden.

1985 beschloss der Kanton, auf dem Bettlachstock ein Naturschutzgebiet einzurichten und tauschte das Gelände gegen etwas Staatswald ein. Der Bauernhof stand leer und wurde bis ins Jahr 2000 nur noch für Sömmerungen genutzt. Mit der Schaffung des kantonalen Schutzreservates war klar, dass das Haus nicht mehr ausgebaut wird und früher oder später abgerissen werden muss. Da ein konventioneller Abbruch nicht möglich war – Stichwort schwere Baumaschinen – ersuchte der Kanton die Armee, hier zu helfen. Der Kanton bewilligte dafür 150 000 Franken. Im letzten Jahr wurden die Arbeiten durch das Pontonier Bat 26 unter Mithilfe der Luftwaffe begonnen, die Sappeure haben nun mit einem gewaltigen Knall den letzten Akt begonnen. (om)

Auch die Arbeiten im Untergeschoss waren alles andere als einfach: Die Raumhöhe betrug an gewissen Stellen, wo sie die Bohrlöcher anbringen mussten, nur gerade 80 Zentimeter. «Aber die Stimmung war eigentlich immer gut, auch wenns nass und kalt war», meinte KP Kdt Scholl. Dazu beigetragen hatte sicherlich auch die gute Verpflegung im Restaurant Bettlachberg, das extra für die Armee geöffnet hatte, wie ein Angehöriger der Armee bestätigte.

Hier stehen die Mauern des ehemaligen Wohnhauses noch
6 Bilder
Um 14.14 Uhr wird gezündet
Sofort steigt eine dichte Rauchwolke auf
Da liegt das Haus am Boden - alles hat wie gewünscht geklappt

Hier stehen die Mauern des ehemaligen Wohnhauses noch

Oliver Menge

Das Medieninteresse an der Sprengung war gross: Nebst den regionalen Medien fanden sich auch Blick und das Schweizer Fernsehen ein. Dafür verantwortlich ist höchstwahrscheinlich bis zu einem gewissen Teil das Sommerloch, aber es geschieht auch nicht alle Tage, dass mitten in einem Naturschutzgebiet ein Haus von der Armee gesprengt wird, weil es eben mitten im Naturschutzgebiet liegt und man das Gelände der Natur zurückgeben will. Auch Divisionär Andreas Bölsterli, Kommandant der Territorial Region 2, liess sich die Sprengung nicht entgehen und liess sich per Helikopter einfliegen.

Sprengtermin war geheim

Schaulustige gab es keine, fast keine. Ein paar Wanderer, die ohnehin auf dem Bettlestock unterwegs waren, erfuhren vor Ort von der Sprengung und wurden von den Soldaten an Orte in sicherer Entfernung gewiesen. Die Medien hatten ein striktes Verbot erhalten, den Sprengtermin zu publizieren, man wollte der Gefahr vorbeugen, dass sich viele Schaulustige einfinden und eventuell sogar gefährden. Nur ein paar Zivilisten, die von irgendwoher von der Sprengung erfahren hatten oder von ihren Angehörigen in der Truppe informiert worden waren, wohnten dem Schauspiel bei.

Vom einst stattlichen Bauernhof bleibt nur noch ein Trümmerhaufen übrig. Mit dem Schutt wird man in den nächsten Tagen das Gülleloch und die Wasserzisterne auffüllen, das Ganze einebnen und der Natur überlassen.

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