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Geistreiche Sanierung statt Geisterhaus in Grenchen

Am kommenden Montag entscheiden die Bürgerinnen und Bürger von Grenchen an ihrer Gemeindeversammlung, ob sie diesen Quantensprung, also die Sanierung des Hauses, mit Kosten von 1,2 bis 1,5 Millionen Franken wagen wollen.

Patrick Furrer (Text und Fotos)
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Der Erker des Bürgerhauses wird in den oberen Stockwerken zu gedeckten Balkonen ausgebaut.

Der Erker des Bürgerhauses wird in den oberen Stockwerken zu gedeckten Balkonen ausgebaut.

«Die Sanierung des Bürgerhauses ist ein Jahrhundertwerk», sagt der Bürgergemeindepräsident Franz Schilt, «schliesslich wurde seit dem Baujahr 1915 nur sehr, sehr wenig am Haus gemacht. Und wenn wir nichts Halbbatziges wollen, dann müssen wir einen Quantensprung machen, damit das Bürgerhaus nicht irgendwann einmal zum verlassenen Geisterhaus wird.» Am kommenden Montag entscheiden die Bürgerinnen und Bürger von Grenchen an ihrer Gemeindeversammlung, ob sie diesen Quantensprung mit Kosten von 1,2 bis 1,5 Millionen Franken wagen wollen.

Auch an der letzten Budgetgemeindeversammlung wurde erneut auf die bekannten Probleme im Haus hingewiesen, etwa die Ringhörigkeit, die mangelhaften Elektroinstallationen, veraltete sanitäre Einrichtungen und schlechte Isolationen im Dachgeschoss.

Die Zeit ist günstig

Bürgergemeindepräsident Franz Schilt und Bürgergemeindeverwalter Renato Müller sind sicher, dass die Sanierung des Hauses an der Bürgergemeindeversammlung im Grundsatz unbestritten ist. Zu lange war das Bürgerhaus ein Kind, das zusehends mehr Sorgen bereitete.

Waren früher im 3. Obergeschoss noch Wohnungen vermietet, zog der letzte Mieter vor zwei Jahren aus. Im 2. Stock war von 1979 bis 2005 die Berufsberatung zu Hause, im 1. Stock und später auch im 2. Stock bis Ende Mai die Spitex, welche nun in die neue Überbauung «Zuhause am Girardplatz» umgezogen ist. «Vor etwa zwei Jahren hat uns die Spitex mitgeteilt, dass sie ausziehen wird», sagt Franz Schilt. Damals wurde klar, dass etwas unternommen werden muss, da die Büro- und Wohnräume in ihrem jetzigen Zustand kaum mehr zu vermieten sind. Nun, da alle diese Mieter ausgezogen sind, ist die Zeit günstig für die Sanierung – und die Hypozinsen sind es auch. «Kalkulatorisch ist das Bürgerhaus heute ein Verlustgeschäft, da es nun zu grossen Teilen leer steht», erklärt der Bürgerammann. Vielleicht 700000 oder 800000 Franken der Sanierungskosten will die Bürgergemeinde aus eigenen Mitteln finanzieren, den Rest aufgrund der günstigen Hypozinsen fremd finanzieren, wobei man davon ausgeht, dass die Investitionen innert 15 bis 20 Jahren amortisiert werden.

Moderner und bequemer

Äusserlich wird dem Betrachter auch nach der Sanierung – welche im besten Fall bereits Ende 2013 beendet werden könnte – nur wenig auffallen. Viel ändert nicht an der 2004 farblich überholten Fassade des Bürgerhauses, an dessen Eingang seit 1925 zu Ehren des italienisch-grenchnerischen Freiheitskämpfers Giuseppe Mazzini eine dunkle Marmorplatte angebracht ist. Am auffälligsten dürften die neuen, gedeckten Balkone sein, welche im 2. und 3. Obergeschoss entstehen. Dafür werden die nach Süden gerichteten Erker zu modernen Loggien umgebaut, was den künftigen Mietern einen herrlichen Blick über die Stadt, auf die Witi und die Berge ermöglicht. Geplant sind zwei grosszügige 4,5-Zimmer-Wohnungen mit einer Bruttofläche von rund 135 Quadratmetern plus knapp 16 Quadratmetern Loggia. Die westlich und nordwestlich angrenzenden, alten Garagen werden ebenfalls ersetzt. Zudem soll es vom Parkplatz einen direkten Zugang zum Haus geben, damit künftig nicht mehr der lange Umweg über das Trottoir an der Strasse gemacht werden muss. Die umfangreiche Innensanierung wird vom Büro Bigolin + Crivelli Architekten Grenchen geplant und begleitet.

Im 1. Stock des Bürgerhauses entstehen zeitgemässe Büroräume. Einen Interessenten habe man bereits, sagt Verwalter Renato Müller, der Name könne allerdings noch nicht preisgegeben werden. Im Erdgeschoss bleibt schliesslich weiterhin die Verwaltung der Bürgergemeinde einquartiert.

Lift haben oder nicht Lift haben

Obwohl die Sanierung im Grundsatz unbestritten ist, dürfte die Frage nach dem Einbau eines Liftes für das viergeschossige Gebäude am Montag noch zu reden geben. Ob die Bürgergemeinde ihr Haus für 1,2 oder 1,5 Mio. Franken saniert, hängt von dieser Frage ab. Für Schilt und Müller ist klar, dass ein zeitgemässes Haus nur mit Lift den heutigen Ansprüchen des Immobilienmarktes gerecht wird. Abgesehen davon könnte eines Tages auch die Rollstuhlgängigkeit noch Pflicht werden. Nervös sind die beiden deswegen aber nicht, räumt Bürgergemeindepräsident Schilt ein. «Wichtig ist, dass wir endlich die Sanierung anpacken. Über die Details werden die Bürgerinnen und Bürger befinden, und wir freuen uns schon auf eine angeregte Diskussion.»

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