Grenchen
Das «Chappeli» hat endlich wieder einen Wirt

Besitzer Ernst Thomke hat mit Janine Hausmann und Christoph Köhli zwei Spitzen-Gastronomen nach Grenchen locken können. In seinem Gasthaus Chappeli sollen sie die Gäste bewirten. Den Aufwand im Betrieb wollen sie aber nicht auf die Spitze treiben.

Simon Binz
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Das künftige Wirtepaar: Christoph Köhli mit Partnerin Janine Hausmann und Sohn Levin. ZVG

Das künftige Wirtepaar: Christoph Köhli mit Partnerin Janine Hausmann und Sohn Levin. ZVG

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Die Sanierung des «Chappeli» ob Grenchen läuft zwar immer noch, der Dornröschenschlaf des Schmuckstückes an der Allerheiligenstrasse dürfte aber bald endgültig vorbei sein. Besitzer, Investor, Sanierer und Uhrenfürst Ernst Thomke, hat nämlich ein Wirtepaar für das ehemalige Wallfahrtsgasthaus gefunden. Und was für eines: Mit Christoph Köhli und Janine Hausmann kommen zwei Gourmetköche nach Grenchen.

«Prioritäten verschoben»

Die beiden sind noch bis und mit Silvester als Pächterpaar im Restaurant Kunsthof in Uznach SG tätig. Dort haben sie sich in den letzten sechs Jahren 16 «Gault Millau»-Punkten und einen Michelin-Stern erarbeitet. Nun werden sie das alles für das «Chappeli» aufgeben. Bereits ab Januar, während sie den Kunsthof räumen, werden sie anfangen, das Gasthaus in Grenchen nach ihren Wünschen zu gestalten, bevor es dann im März zur Eröffnung der traditionellen Schenke kommen wird.

Doch warum geben der in Zollikofen BE geborene Köhli und die in Reinach AG geborene Hausmann ihren hart erarbeitenden Gourmet-Status ab? «Seit 18 Monaten haben wir unseren Sohn Levin. So haben sich unsere Prioritäten verschoben», erklärt Christoph Köhli auf Anfrage. Hinzu komme, dass auch der Wunsch für ein zweites Kind gross sei. Dieser Wunsch würde für das junge Paar im Restaurant Kunsthof noch mehr Aufwand bedeuten, könne in Grenchen mit einer 41⁄2-Zimmer-Wohnung über dem Landgasthof aber im Rahmen gehalten werden.

Ausserdem, so meint der Familienvater, wenn man mal eine Familie habe, wolle man ja auch nicht an der Familie vorbei arbeiten. Denn: «Gastronomie auf einem solchen Level ist mit einem riesigen Aufwand verbunden und je höher das man kommt, desto dünner wird die Luft», sagt Köhli.

Neues Konzept

Das Paar freut sich sehr auf die neue Aufgabe und ist gespannt. «Das Konzept ist komplett anders, als im Kunsthof.» Beim Kochen wolle man sich aber nicht verändern. Christoph Köhli: «Ein Reisgericht werden wir gleich wie anhin kochen, nur soll der Aufwand wenn möglich kleiner sein.» Als Beispiel nennt er das «Guetzli» zum Kaffee. Anstatt einer Auswahl von zehn verschiedenen «Guetzli», soll im Chappeli nur noch eine «Guetzli-Sorte» serviert werden. «Diese sind dafür hausgemacht», so Köhli.

Also auf Kleinigkeiten verzichten und Beständigkeit üben, denn: «Auch die Küche ist um einiges kleiner als im Kunsthof.» Zum grossen Teil sei aber das Konzept noch immer in Planung. Zurzeit sei man daran Kontakte zu regionalen Gemüse- und Fleischanbietern zu knüpfen, denn die Küche soll mit guten regionalen Produkten geschmückt werden.

Köhli gibt zu, dass der Standort nicht Hauptaspekt für die Entscheidung war, in Grenchen zu wirten. Er und seine Partnerin hätten sich schon etwas über die Region informiert, aber er werde Grenchen erst noch so richtig kennen lernen, wenns denn los gehe. Auch Infos und Tipps bei regionalen Gastronomie-Freunden wollen sich die beiden holen. Wie zum Beispiel bei Andy Zaugg, Mitinhaber des Restaurants zum Alten Stephan in Solothurn. Dieser habe übrigens auch den Kontakt zu Besitzer Ernst Thomke hergestellt.

Auf Anfrage zeigt sich Ernst Thomke erfreut zwei «bestens ausgebildete Gastronomen» für das «Chappeli» gefunden zu haben. Er habe das Paar für die nächsten zwei Jahre angestellt – «mit anschliessender Pacht-Option». «Ich wollte nicht, dass sie das Risiko tragen müssen, denn man weiss ja jetzt noch nicht, wie das Restaurant laufen wird», so Thomke. Übrigens: Köhli und Hausmann werden «nur» wirten, den kleinen Landwirtschaftsbetrieb wird Ernst Thomke führen.