Lengnau
CSL Behring legt Grundstein für 400 Millionen-Projekt

Der Biotechnologiekonzern CSL Behring hat am Dienstag den Grundstein für sein neues Werk im Lengnaumoos gelegt. Dort sollen ab 2019 drei neue Heilmittel für Menschen mit Bluterkrankheit hergestellt werden.

Andreas Toggweiler
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Die Baustelle in Lengnau
24 Bilder
Uwe E. Jocham, Direktionspräsident CSL Behring AG. 01
Grundsteinlegung bei CSL Behring AG in Lengnau 19
Uwe E. Jocham, Christoph Neuhaus, Andreas Rickenbacher 01
Grundsteinlegung bei CSL Behring AG in Lengnau 20
Visualisierung
Modell
Uwe E. Jocham, Direktionspräsident CSL Behring AG. 02
Uwe E. Jocham, Direktionspräsident CSL Behring AG, Val Romberg, Head of Operations CSL Behring
Uwe E. Jocham, Christoph Neuhaus, Andreas Rickenbacher 03
Erwin Fischer, Präsident IHGV, Uwe E. Jocham, Direktionspräsident CSL Behring , Alt-Bundesrat Samuel Schmid
So sieht die Baustelle von oben aus
Uwe E. Jocham, Christoph Neuhaus, Val Romberg, Andreas Rickenbacher 01
Uwe E. Jocham, Christoph Neuhaus, Val Romberg, Andreas Rickenbacher 03
Val Romberg, Head of Operations der CSL Behring AG, die Berner Regierungsräte Christoph Neuhaus, Andreas Rickenbacher und hinten links Uwe E. Jocham (verdeckt), der Chef der Behring Schweiz
Uwe E. Jocham, Christoph Neuhaus, Val Romberg, Andreas Rickenbacher 02
CSL Behring legt Grundstein für 400 Millionen-Projekt
v. l.: Jocham, Neuhaus, Romberg und Rickenbacher
Biels Stadtpräsident Erich Fehr und Regierungsstatthalter Philippe Chételat
Uwe E. Jocham, Philippe Chételat, Erich Fehr, Max Wolf, Gemeindepräsident Lengnau und François Scheidegger, Stadtpräsident von Grenchen.
Die Baustelle

Die Baustelle in Lengnau

Oliver Menge

Zwei Regierungsräte, ein alt Bundesrat, der Statthalter, zwei Stadtpräsidenten und viele weitere Behördenvertreter waren an der Grundsteinlegung der «CSL Behring Recombinant Factory» in Lengnau dabei. Dabei konnten sie sich erst mal einen Eindruck verschaffen über das riesige Ausmass der Baustelle im Lengnauer Moos: eine Baugrube von 840 Meter Länge, die mit 1400 Spundwandbohlen bis in eine Tiefe von 17 Metern gesichert ist.

Als Verankerung unter den 1,5 Meter dicken Fundamentplatten wurden bisher 2666 betonierte Pfähle in eine Tiefe von 14 Metern getrieben. Der gesamte Aushub betrug 130 000 m3, was 10 000 Lastwagen entspricht. Zwei Drittel davon wurden in die Vigier-Deponie Safnern gebracht, weitere 45 000 m3 wurden auf dem Areal zur Wiederverwertung deponiert.

Bau bis Ende 2017 fertig

Dies nur einige der eindrucksvollen Zahlen, mit welchen Uwe E. Jocham, Direktionspräsident CSL Behring AG Bern und Chef des neuen Werkes, aufwartete. «Die CSL Behring Recombinant Facility beschäftigt bereits rund 30 Fachkräfte und der Mitarbeiterstab wächst täglich weiter. Schon Mitte 2017 werden es über 100 Mitarbeitende sein.»

Bis Ende 2017 soll die Infrastruktur fertiggestellt sein, und im zweiten Halbjahr 2019 rechnet man mit den Betriebszulassungen und dem Start der Produktion.

Das erste Lengnauer Produkt, ein neuartiger, gentechnologisch hergestellter Gerinnungsfaktor für Hämophilie-Patienten, sei im März in den USA zugelassen worden, das Placet der Europäer werde in diesen Tagen erwartet, sagte Jocham. «Und beim Faktor VIII erwarten wir die FDA-Zulassung heute oder morgen.» Im Vollbetrieb soll das Werk über 300 Arbeitsplätze bieten und bereits denkt der Konzern über die 2. Ausbauetappe nach, für die südlich der Fabrik noch Landreserven bestehen.

Globaler Standortwettbewerb

Vor zwei Jahren hatte sich der Verwaltungsrat des australischen Mutterkonzerns CSL Limited für Lengnau als Standort entschieden. Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher und Gemeindedirektor Christoph Neuhaus blickten auf das Planungsverfahren zurück. «Die Ansiedlung und die neue Niederlassung der CSL Behring ist für den Wirtschaftsstandort Bern eine grosse Erfolgsgeschichte», sagte Rickenbacher. Habe sich doch Lengnau im Wettbewerb gegen 45 Standorte in 25 Ländern durgesetzt. «Ich danke allen herzlich, die zu diesem Erfolg beigetragen haben und speziell Dir, lieber Uwe.»

Zusammen mit dem neuen Swiss Innovation Park in Biel werden der Hightech-Standort Jurasüdfuss gefördert, sagte Rickenbacher weiter. Christoph Neuhaus erläuterte in seiner Rolle als Raumplanungsdirektor das Planungsverfahren mittels einer kantonalen Überbauungsordnung. «Das Beispiel dieses Projektes zeigt wieder einmal exemplarisch, dass der vom Kanton Bern eingeschlagene Weg, bedeutende Vorhaben durch die strategische Ausscheidung von kantonalen Entwicklungsschwerpunkten rasch zu ermöglichen, die richtige planerische Massnahme war.»

«Speditive Entscheide»

Allenthalben gelobt wurde denn auch die speditive Arbeit der Behörden, inklusive der Behandlung der neun Einsprachen. «Als das Bundesgericht am 22. Dezember 2015 die letzte Beschwerde gegen das Projekt abgelehnt hat, war das für mich das schönste Weihnachtsgeschenk», sagte Jocham.

Nach den Reden gings aber ums Päckli-Einpacken: In die «Schatzkiste» für die Grundsteinlegung wurde allerhand Symbolträchtiges für die Archäologen in ferner Zukunft gelegt: verschiedene Publikationen und Unterlagen im Zusammenhang mit der neuen Fabrik, Ausgaben von Tageszeitungen (darunter auch ein Exemplar dieser Zeitung), ein Plüsch-Koala aus Australien, ein «Grundstein» samt Gedicht der Grundeigentümerin Burgergemeinde Lengnau und – last but not least ein Exemplar der ersten kratzfesten Rado-Uhr aus dem Jahr 1962. Gemeinsam gings danach in die Baugrube, wo die Kiste in einem Loch unter die künftigen Fundamente versenkt wurde.

Ein letztes Mal wurde die Glocke von Christian Lanz, Präsident Schwingclub unteres Seeland, geschlagen, und Fritz Hofer und Iris Janz begleiteten die Gäste mit ihren Jodelliedern in den Apéro.