Grenchen
Angela Kummer wechselt zum Kanton: «Der Job im Museum war nie langweilig»

Nach elf Jahren Leitung des Kultur-Historischen Museums in Grenchen übernimmt die Historikerin Angela Kummer die Leitung der Fachstelle Kulturgüterschutz des Kantons Solothurn. Sie wechselt nicht, weil ihr der bisherige Job nicht gefallen hat.

Oliver Menge
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Angela Kummer in der 60er-Jahre Küche des Museums.

Angela Kummer in der 60er-Jahre Küche des Museums.

Oliver Menge

Angela Kummer verlässt auf Ende Mai nach elf Jahren Museumsleitung das Kultur-Historische Museum Grenchen. Sie übernimmt die Leitung der Fachstelle Kulturgüterschutz des Kantons Solothurn. Sie wird dort Nachfolgerin des bisherigen Leiters Guido Schenker, der in Pension geht.

Der Kulturgüterschutz ist im kantonalen Baudepartement im Amt für Denkmalpflege und Archäologie angesiedelt. Kummer wird verantwortlich für die Ausbildung der Kulturgüterschutzgruppen in den regionalen Zivilschutzorganisationen und unterstützt sie bei der Erstellung der notwendigen Dokumentationen. «Ein spannender Job, der mich auch öfters aus dem Büro an die Orte bringt, wo sich die Kulturgüter befinden», sagt Kummer.

Man unterscheide drei Inventargruppen von Kulturgütern: Kulturgüter des Bundes (z. B. Museum Altes Zeughaus Solothurn), regionale - beispielsweise die Kapelle Allerheiligen - und lokale Kulturgüter wie Brunnen oder einzelne Museumsobjekte. «Als erstes muss dokumentiert werden, welche Kulturgüter in einer Institution, einem Gebäude, in Schlössern, Burgen, in Kirchen und Kapellen, vorhanden sind.» Wenn es beispielsweise in einem Schloss brenne, müsse der Zivilschutz wissen, was man retten müsse. «Die regionalen Zivilschutzorganisationen müssen wissen, wie sie bei einem Schaden vorzugehen haben. Das muss dokumentiert und geübt werden.» Gibt es beispielsweise einen Wasserschaden, bei dem wertvolle Bücher nass werden, muss man diese so schnell als möglich gefrieren, damit nicht noch weiterer Schaden entsteht.

Die Stelle setzt grosses fachspezifisches Wissen voraus. Ihr sei ausserdem zu Gute gekommen, dass sie in den Jahren 2010-2011 selber Teil der regionalen Kulturgüterschutzgruppe gewesen sei. «Ich habe damals Kader-und Fachkurse in des Kulturgüterschutzes absolviert.»

Das Netzwerk, das sie mit über die Jahre mit Personen aus anderen Museen und kulturellen Institutionen habe knüpfen können, sei ausserdem auch für die neue Berufsausrichtung sehr günstig, da sie auch in Zukunft mit diesen Personen zusammenarbeiten werde. «Manchmal sind die Institutionen auch ganz froh, wenn wir sie dabei unterstützen, ihre ‹Schätze› zu dokumentieren und zu inventarisieren.»

Warum der Wechsel und welche Konsequenzen?

Den Wechsel vollziehe sie nicht etwa, weil es ihr im Kultur-Historischen Museum nicht mehr gefallen habe, sagt die heute 37-jährige Mutter von zwei Kindern, die in einer festen Partnerschaft lebt. «Der Job im Museum war nie langweilig, denn er besteht niemals nur aus ‹Hüten des Museums›», betont Kummer. Im Gegensatz zu grösseren Häusern, wo man in der Regel in einem der vier Bereiche Sammlung und Inventarisierung – Ausstellung – Vermittlung – Administration, Kommunikation, Marketing und Fundraising beschäftigt werde, sei die Arbeit im Kultur-Historischen Museum gerade deshalb spannend, weil man in allen Bereichen tätig sei: «Mein 50%-Job im Museum beinhaltet die Sammlungsbetreuung, die Planung und Organisation von Anlässen, Führungen, Workshops und die Konzipierung von Ausstellungen sowie die administrativen Arbeiten und das Fundraising». Kummer wird dabei administrativ von Nadine Schwab (10 %-Pensum) und im Bereich Vermittlung von Monika Bruder (20%) unterstützt.

Auch hat sie für die Zusammenarbeit mit dem Stiftungsrat und der Museums-Gesellschaft Grenchen nur lobende Worte. «Wir sind ein kleines Team und haben ein familiäres Verhältnis. Das ist auch der Vorteil der überschaubaren Grösse des Museums.» Für sie sei die Familie sehr wichtig und sie habe sich die Zeit entsprechend einteilen können. Das werde sie zum Glück auch am neuen Ort in Solothurn tun können.

Aber sie habe sich schon vor einiger Zeit einen Wechsel überlegt. In der Museumslandschaft dauere ein Stellenwechsel etwas länger, weil auch generell längerfristig geplant werde. Aber sie habe immer gewusst, dass die Leitung des Kultur-Historischen Museums – ihre erste Stelle nach dem Studium – keine «Lebensstelle» sein werde.

Zwei grosse und viele kleine Meilensteine

Angela Kummer hat dem Museum ihren Stempel aufgedrückt: Gleich nach Amtsantritt vor elf Jahren folgte der Ausbau des Dachstocks und der Einbau des Lifts. Dann folgte die Neuausrichtung mit dem Fokus Industrialisierung, das Vermittlungsprogramm für Schulen und Familien wurde gezielt aufgegleist. Als zweiten Meilenstein nennt Kummer den Umbau letztes Jahr mit der neuen Beleuchtung und der neuen Dauerausstellung auf drei Stockwerken.

Politisch hat der Berufswechsel Konsequenzen

Als Angestellte des Kantons ist es Angela Kummer nicht mehr erlaubt, Mitglied des Kantonsrates zu sein, in den sie 2015 eintrat und 2017 für die SP mit einem Glanzresultat gewählt wurde. Die Zahl der Grenchner Kantonsrätinnen und -räte schrumpft damit auf fünf, denn eine Grenchner Nachfolge dürfte es kaum geben. Kummer bleibt aber im Gemeinderat Grenchen und wird auch das Präsidium der SP Grenchen beibehalten.

Die Stelle für die Nachfolge Kummers im Kultur-Historischen Museum ist ausgeschrieben. Eine Nachfolgerin, ein Nachfolger wird ein gut funktionierendes Team übernehmen können. Die Themen für die nächsten Ausstellungen sind zwar schon festgelegt, Gestaltungsspielraum um eigene Ideen umzusetzen ist aber durchaus vorhanden.

Es handelt sich um eine 50 %-Stelle für die Museumsleitung, wobei die Möglichkeit bestünde, auch die Geschäftsführung von MUSESOL, dem kantonalen Museumsverbund, welche Kummer ebenfalls aufgibt, zu übernehmen. Ein Mandat, das sogar um weitere 10% aufgestockt werden könnte.

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