Die ersten Aktionäre trafen schon morgens kurz nach acht ein. «Das ist jedes Jahr so. Die kommen nur ihre Uhr holen, dann gehen sie gleich wieder», sagte ein Mitarbeiter, der für den geregelten Einlass am Eingang sorgte. Denn, wie bei jeder Generalversammlung, erhalten die Aktionäre eine ganz spezielle, für diesen Zweck entworfene Uhr. Der Hauptharst der Aktionäre traf in der Stunde vor Beginn der Versammlung ein.

Sowohl per öffentlichem Verkehr über die beiden Bahnhöfe, von wo die Busbetriebe Grenchen und Umgebung BGU rund 1800 Personen mit fünf Extra-Gelenkbussen zum Tissot-Velodrome brachten. Die andere Hälfte der Aktionäre kam per Auto. Dank des Einsatzes eines Verkehrsdienstes kam es nicht zum Verkehrschaos, wenn auch der Badiparkplatz schon bald belegt war und man weiter entfernte Parkplätze in Anspruch nehmen musste. Auch da half die BGU mit Shuttle-Bussen.

Kurz vor neun fuhr Nick Hayek persönlich in einem kleinen Firmenwagen der ETA vor. Auf die Frage, was es denn Schöneres gebe, als so eine GV durchzuführen, meinte er spontan «Frei haben».

Nach der Validierung der Einladungen, erhielten die Aktionäre je ihre Uhr. Die schneeweisse Swatch wurde zusammen mit wasserfesten Farbstiften abgegeben. Später erklärte Nayla Hayek, die Verwaltungsratspräsidentin der Swatch Group, was es damit auf sich hat.

In ihrer Eröffnungsrede im bis auf den letzten Platz gefüllten Tissot-Velodrome betonte die Schwester von Nick Hayek die Wichtigkeit der Mitarbeitenden, die das höchste Gut der Firma darstellten. Man wolle die Arbeitsplätze auch in dieser schwierigen Phase bewahren und Weltuntergangsmentalität sei nicht die Lösung in der oft vorherrschenden Katastrophenstimmung. Mitarbeiter seien keine Ware, sondern Partner, die zur Entfaltung des Unternehmens beitrügen.

Bevor sie ihrem Bruder Nick das Wort erteilte, warf sie nochmals ein, dass man im Geschäftsleben eben auch die Fantasie eines Kindes bewahren müsse. «Mit sechs Jahren lässt man sich durch nichts erschüttern. Da zählt nicht das Ergebnis, sondern das Projekt.» Fantasie eines Kindes sei eine Sache des Herzens, nicht nur des Kopfes. «Und Herz braucht es an der Spitze eines internationalen Industrieunternehmens.» Ein emotionaler Film zum 30-jährigen Jubiläum der Flik Flak, der Kinderuhrenmarke der Swatch, unterstrich den Gedanken. Auch jede der Sonder-Swatch könne mit den mitgegebenen wasserfesten Farbstiften in ein unverwechselbares Unikat verwandelt werden, so Nayla Hayek.

Nick Hayek führte einen kurzen Film einer Geburtstagsparty vor, die kürzlich in Amerika stattfand: Gastgeber war Omega, illustre Gäste waren Schauspieler George Clooney und der ehemalige Astronaut Buzz Aldrin. Geburtstag feierte die Omega Speedmaster, die 1957 entwickelt wurde. Das Jahr 2017 sei aber nicht rückwärts gerichtet, so Hayek. Neue Produkte und technische Innovationen seien in der Entwicklung. Und vielleicht gebe es nächstes Jahr statt des Buffets von Fotra Astronautennahrung, die man dann zusammen mit der Uhr abgeben könne.

Die Aktionäre genehmigten in der Folge per elektronische Abstimmung alle Anträge des Verwaltungsrates mit durchwegs grosser Mehrheit, wenn auch der eine oder andere leer geschluckt haben dürfte: Der Umsatz von 7,553 Milliarden ist um 10,6% kleiner als im Vorjahr, der Konzerngewinn von 593 Mio. fällt um 47% tiefer aus als im Vorjahr. Die ausgeschütteten Dividenden wurden um 10% gekürzt, so wie auch die Saläre der Konzernleitung und des Verwaltungsrates um 10 - 17 % gesenkt wurden.

Nächster und letzter Programmpunkt war das Buffet im Zelt. Peter Traub, Inhaber von Fotra, welche für das Catering zuständig war, zeigte sich erfreut über den reibungslosen Ablauf, wenn die GV auch eine halbe Stunde eher fertig war als geplant. «Wir sind kurz ins Rotieren gekommen, aber hatten alles schnell im Griff.»