Es gibt sie zu Tausenden, manche sind weit verbreitet, andere nur selten zu finden, giftige und ungiftige, grosse und kleine. Die Rede ist von Pilzen. Seit vor einigen Tagen Niederschläge gefallen sind, findet man auch wieder fleissige Sammler in den Wäldern, die auf der Suche nach essbaren Pilzen sind. Zurzeit ist Hochsaison und an den Pilzkontrollstellen herrscht reger Betrieb. Von den insgesamt 5500 Grosspilzarten, die in der Schweiz zu finden sind, gehören Eierschwämme und Steinpilze wohl zu den bekanntesten und kulinarisch beliebtesten Pilzen. «Tatsächlich werden in unserer Region im Moment sehr viele Steinpilze gefunden» bestätigt Manfred Siegenthaler, Pilzkontrolleur in Biberist. Doch auch andere Speisepilze wie die Herbst-Trompeten, Gelbe Kraterellen oder Durchbohrte Leistlinge sind laut Hans-Peter Neukom, Sekretär der Schweizerischen Vereinigung Amtlicher Pilzkontrollorgane (VAPKO), im Moment häufig anzutreffen.

Skurrile Formen, leuchtende Farben

Die teilweise skurrilen Formen und die prächtig leuchtenden Farben der Fruchtkörper faszinieren den Pilzexperten Hans-Peter Neukom besonders und er ergänzt: «In der freien Natur nach Pilzen zu suchen, abseits von Arbeit und Stress, da kann ich gut abschalten.» Auch die Aussicht auf eine leckere Pilzmahlzeit sind Gründe, um auf die Suche nach Pilzen zu gehen. Doch aufgepasst beim Sammeln: «Genuss und Verdruss liegen nahe beieinander», erklärt Neukom und weist darauf hin, dass viele Speisepilze gefährliche Doppelgänger haben. Beim leisesten Zweifel sollen daher auch erfahrene Pilzler ihr ganzes Sammelgut in einer regionalen Kontrollstelle prüfen lassen. Hier sortieren VAPKO-geprüfte Pilzkontrolleure aus der Ernte jedes Sammlers giftige und ungeniessbare Pilze aus. Dies habe schon viele Leben gerettet und viel Leid verhindert.

Pilze sammeln ist ein Breitensport

«Vom Stapelfahrer bis zum Arzt sind eigentlich alles Bevölkerungsgruppen als Hobbysammler vertreten», sagt Manfred Siegenthaler. Und auch dem Alter sind laut Siegenthaler keine Grenzen gesetzt. Von kleinen Kindern, die mit ihren Eltern unterwegs sind bis zu Pensionären kann man allen Altersgruppen begegnen. Wer sein Wissen aufbauen oder erweitern möchte, kann beispielsweise einem ortsansässigen Pilzverein beitreten oder einem bereits erfahrenen Pilzsammler über die Schulter blicken, schlägt der Pilzkontrolleur vor.

Vom fachgerechten Sammeln

Um die für das Ökosystem Wald lebenswichtigen Pilze zu schonen, gebe es einige Regeln, welche ein Pilzsammler beachten sollte, betont Hans-Peter Neukom. So müssen Pilze etwa vorsichtig aus der Erde gedreht werden. Neukom: «Sitzt der Stiel tief im Boden, kann auch ein Messer zu Hilfe genommen werden.» Wichtig dabei sei, dass man die Stielbasis nicht beschädigt. An dieser können sich nämlich zusätzlich wichtige Bestimmungsmerkmale befinden. Manfred Siegenthaler betont, dass die eventuell entstandene Vertiefung wieder zugedeckt werden sollte, um das empfindliche Myzel (Pilzgeflecht) zu schützen. Zum Sammeln dürfen zudem nur Körbe oder Netze verwendet werden, die eine gute Durchlüftung gewährleisten. In Plastiksäcken hingegen zersetzen sich die Pilze rasch und können giftig werden. Entgegen anderslautenden älteren Ratschlägen dürfen Pilzgerichte nochmals aufgewärmt werden, stellt Hans-Peter Neukom richtig. «Im Kühlschrank gelagerte Reste von Pilzgerichten kann man ein bis zwei Tage danach gefahrlos aufwärmen und geniessen.»

Infos zu Pilzkontrollstellen: www.vapko.ch. Auskünfte bei Vergiftungen:
24-Stunden-Notfallnummer 145 oder www.toxi.ch