Sappi
Die verzweifelte Suche nach einem Investor für die Papierfabrik Biberist

Bis Ende Juli muss die Papierfabrik Biberist einen neuen Eigentümer gefunden haben. Ansonsten schliesst sie ihre Tore und muss alle verbleibenden Angestellten entlassen. Bis heute verlief die Suche ohne Erfolg. Es bleibt noch ein Monat.

Franz Schaible
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Arbeiter in der Produktionsanlage der Papierfabrik Sappi in Biberist

Arbeiter in der Produktionsanlage der Papierfabrik Sappi in Biberist

Keystone

Die Uhr tickt – gnadenlos rückt der Zeitpunkt der Entscheidung über die Zukunft der «Papieri» in Biberist näher. Mitte Juli werden die Papiermaschinen 8 und 9 zur Produktion von gestrichenem Feinpapier stillgelegt. Der Glaube an eine Verhinderung der Ende März angekündigten Schliessung schwindet. Spätestens Ende Juli entscheidet die Besitzerin der «Papieri», der südafrikanische Sappi-Konzern, über das Schicksal der grössten Papierfabrik der Schweiz.

«Die Stimmung im Betrieb ist gedrückt, die Moral ist schlecht und langsam macht sich Resignation breit», berichtet denn auch Kathrin Schär, Präsidentin der Betriebskommission. Niemand wisse, wie es weitergehen soll. «Die Mitarbeitenden hängen sozusagen in der Luft.» Diese Ungewissheit sei fast nicht zu ertragen, so Schär. Trotzdem würden die Mitarbeitenden ihre Arbeit in gewohnter Weise verrichten. Wenn es noch Arbeit hat. Denn die Stillstandszeiten der Papiermaschinen werden immer länger.

Verzweifelte Suche nach Investor

Auch Nicolas Mühlemann, Geschäftsleiter der «Papieri», versprüht keinen Optimismus. «Schlecht», antwortet er kurz und bündig auf die Frage nach seiner Gefühlslage. «Die Chance zur Rettung der Fabrik ist nicht grösser geworden, sie bleibt klein.» Die Suche nach einem Investor, der den Betrieb für die Herstellung von hochwertigem Verpackungspapier weiterführen würde, sei wie erwartet schwierig. Ein Interessent aus der Papierbranche, der eine Absichtserklärung unterzeichnet hatte, habe sich erst gar nicht mehr gemeldet, ein weiterer habe nach der Fabrikbesichtigung – er beurteilte diese als zu gross – abgesagt. Ein dritter möglicher Investor – eine Finanzgesellschaft mit Papierfabriken im eigenen Portefeuille – habe das Werk besichtigt und werde noch diese Woche Bescheid geben, ob er die Sache weiterverfolgen will, erläutert Mühlemann. Zudem seien noch weitere Private-Equity-Firmen (Beteiligungsgesellschaften) in Verhandlungen. Details kann Mühlemann keine liefern. «Alle Verkaufsverhandlungen laufen direkt über die Sappi-EuropaZentrale in Brüssel.»

Und dort sind vorerst keine Neuigkeiten zu erfahren. «Wir versuchen weiterhin, einen Käufer für das Werk in Biberist zu finden», erklärt Mat Quaedvlieg, Produktionsleiter von Sappi Europa und Verwaltungsrat der Sappi Schweiz AG. Mehr könne er im Moment dazu nicht sagen.

Angst vor dem schlimmsten Fall

Gestern hat Nicolas Mühlemann die gesamte Belegschaft über den Stand der Dinge informiert. Sappi werde den Entscheid über die Fabrik wie angekündigt im Juli kommunizieren. Falls es zur Weiterführung komme, würde man mit der Zustimmung der Arbeitnehmervertretung Antrag auf Einführung von Kurzarbeit stellen. Denn bis zum Wiederanlaufen der Produktionsanlagen nach der Umstellung auf die Herstellung von Feinpapier auf Verpackungspapier werde es eine Durststrecke geben. Und wenn kein Investor zusage, dann trete der schlimmste aller Fälle ein. «Dem gesamten Personal wird gekündigt.»

Sozialplan steht noch nicht

Ebenfalls noch nicht am Ziel sind die Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern über den Sozialplan. Dieser wurde nötig, nachdem Sappi 134 der rund 550 Mitarbeitenden auf Ende Mai gekündigt hat. Eine besondere Knacknuss dabei sei die Regelung über die Pensionskassen-Guthaben, erklärt Markus Baumann von der Gewerkschaft Unia. Eine komplette Schliessung der «Papieri» könnte diese nämlich gefährden. Deshalb werden den nach dem 31. März 2011 ausgetretenen Versicherten vorerst nur 90 Prozent der vollen Freizügigkeitsleistung ausbezahlt (wir berichteten). «Das Ganze muss nun von Experten sauber geprüft werden», sagt Baumann. Die nächste Verhandlungssitzung findet am 8. Juli statt.

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