Solothurn

Die Maskenpflicht kommt im Detailhandel nicht gut an

Hier im Tausendschön an der Schaalgasse darf nur mit Maske konsumiert werden – so wie überall in Solothurn.

Hier im Tausendschön an der Schaalgasse darf nur mit Maske konsumiert werden – so wie überall in Solothurn.

Ein offener Brief von Detailhandelsgeschäften in Solothurn macht auf die negative Seite der Maskenpflicht aufmerksam.

Jetzt ist es schon einen Monat her, dass im Kanton Solothurn nur mit einer Maske eingekauft werden kann. «Wir haben es am ersten Tag bemerkt, dass weniger Leute in unsere Bäckerei gekommen sind», sagt Katrin Aebischer von der Bäckerei Müller. Die Einnahmen seien um 15 bis 20 Prozent zurückgegangen. «Auf längere Frist sind solche Einbussen schwierig und könnte ein kleines Fachgeschäft in eine existenzielle Notlage bringen», erklärt sie.

Im Gespräch mit anderen Detailhändlerinnen und Detailhändlern aus Solothurn, realisierte sie, dass viele mit den Folgen der Maskenpflicht ihre Schwierigkeiten haben. So entschloss sie sich, einen offenen Brief zu schreiben, um auf die Situation der kleinen Läden aufmerksam zu machen. Diesen Brief haben insgesamt 24 Gewerbetreibende unterschrieben. Diese Liste sei aber nicht vollständig, betont Aebischer, da einige Geschäftsinhaber ferienbedingt abwesend waren, als sie auf Unterschriftensammlung ging.

Der offene Brief soll ihre Schwierigkeiten aufzeigen

Durch die Maskenpflicht haben die Detailhändlerinnen und Detailhändler «zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres unverschuldet mit starken wirtschaftlichen Engpässen und stark verminderten Umsätzen zu kämpfen», steht im Brief geschrieben.

«Nach dem überstandenen Lockdown trifft uns das besonders schmerzlich», erklärt Aebischer. «Die Regelungen lassen ausser Acht, dass es Unterschiede gibt, ob in einem Warenhaus eingekauft wird oder in einem kleinen Laden.» In einem kleinen Laden sei die Beratung und der persönliche Kontakt sehr wichtig. «In einem Verkaufsgespräch ist die Mimik sehr wichtig», so Aebischer. Mit einer Maske sehe man diese nicht mehr und verstehe sich auch schlechter.

Keine klaren Forderungen, aber ein Appell

«In unserem Laden haben wir eine Theke und dadurch schon automatisch einen Abstand mit der Kundschaft», so die Bäckerei-Betreiberin. Auch dürfen nicht mehr als drei Kunden gleichzeitig sich in ihrem Lokal aufhalten, ab vier galt schon früher eine Maskenpflicht. «Diese Sicherheitsvorkehrungen haben seit März gut funktioniert. Mit der Maske habe ich das Gefühl, dass die Abstandsregeln weniger eingehalten werden.»

Der Brief enthält keine konkrete Forderung. So fordert sie nicht, dass die Maskenpflicht abgeschafft werden soll. «Natürlich wäre das gut, wenn wir keine Masken mehr tragen müssten, aber wenn die Maske eine gute Massnahme ist, dann soll man die tragen», so Aebischer. Es sei an den Spezialistinnen und Spezialisten zu entscheiden, was sinnvoll sei, aber es müsse eine Änderung geben. «Die Situation ist so widersprüchlich und kann so nicht weiter bestehen», erklärt Aebischer. Zukünftig sollen die Entscheide mit mehr Augenmass und gesundem Menschenverstand gefällt werden.

Eine einheitliche Lösung wird gefordert

Auch der Geschäftsleiter der Suteria, Michael Brüderli, hat einen negativen Einfluss der Maske auf sein Geschäft bemerkt. Der Sommer sei gut gelaufen, aber seit der Maskenpflicht spürt er, dass das Geschäft weniger gut läuft. «Es wäre jetzt richtig, wenn eine einheitliche Lösung gefunden wird», erklärt er.

Ins gleiche Horn bläst Katrin Tatarinoff vom Laden Tausendschön. Sie habe zwar keine Einbussen bemerkt, aber es ginge nicht mehr an, dass jeder Kanton seine eigenen Regeln hat. «Dieser Kantönligeist muss jetzt aufhören.»

Die Kunden wandern ab und sind gereizter

Deborah Grogg von der Drogerie Nagel Naturathek sagt, dass sie gehört habe, dass viele jetzt in jenen Kantonen einkaufen gehen, wo es keine Maskenpflicht gibt. Aber viel störender sei, dass die Gespräche mit den Kundinnen und Kunden erschwert werden. «In einer Drogerie ist der persönliche Kontakt sehr wichtig und ist mit der Maske sehr schwierig», so Deborah Grogg.

Auch im Bioladen Gänterli in der St. Urbangasse klingt es ähnlich. Seit dem Lockdown habe man Sicherheitsvorkehrungen getroffen, die gut funktioniert haben. Mit der Maske sei nun einfach das Klima im Laden schlechter. «Ich habe das Gefühl, dass die Leute gereizter sind», erklärt die Mitarbeiterin Zita Kälin.

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Autorin

Judith Frei

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