Solothurn schreibt Geschichte

Die alte Badstube

Christof Gasser, 59, Betriebsökonom ehemaliger Dozent für Strategisches Management Fachhochschule Nordwestschweiz, lebte und arbeitete während zwölf Jahren in Asien, heute selbstständiger Schriftsteller und Autor der schweizweit erfolgreichen «Solothurn»-Krimis.

Christof Gasser, 59, Betriebsökonom ehemaliger Dozent für Strategisches Management Fachhochschule Nordwestschweiz, lebte und arbeitete während zwölf Jahren in Asien, heute selbstständiger Schriftsteller und Autor der schweizweit erfolgreichen «Solothurn»-Krimis.

Solothurn Tourismus lädt Solothurner ein, von Tag zu Tag eine Kriminalgeschichte weiterzuschreiben. Aus den eingeschickten Ideen entwickelt ein Schreib-Team dann jeweils einen neuen Abschnitt. Teil 10.

Autor: Christof Gasser, erfolgreichster Krimiautor der Schweiz

«Runter bevor uns jemand bemerkt» Kommissar Studer gestikuliert zu einem beleuchteten Fenster des Palais Besenval und bugsiert Jeffrey rasch die Leiter hinunter und folgt ihm hinterher.

Der Schreck der Begegnung sitzt Jeffrey in den Knochen. Er holt tief Luft und lehnt sich mit dem Rücken an einen vermutlich zur alten Badstube gehörenden Mauerrest. «Mach mal halblang, Onkel Bruno. Was tust du eigentlich hier. Ich dachte, Alleingang sei bei euch verpönt.»

«Geht dich nichts an. Amtshandlung», schnarrt Studer.

«Ach so, Amtshandlung. Wie war das genau mit ‘Wir sind ein Team und lösen den Fall gemeinsam’?»

Studer schnaubt abschätzig und verkneift sich die Antwort. Jeffreys Frage hat offenbar einen wunden Punkt getroffen. «Was hoffst du, hier zu finden mitten in der Nacht?», legt dieser nach.

Studer macht einen Schritt auf Jeffrey zu und tippt mit seinem Zeigefinger an seine Stirn. «Untersteh dich, mir meine Fragen zu stellen.

Bevor Jeffrey erneut aufbegehren kann, hebt Studer die Hand. Ein versöhnliches Grinsen löst seine grimmige Miene ab. «Schon gut, das Gewölbe hat mir keine Ruhe gelassen und ich wollte schauen, ob wir etwas übersehen haben.»

«Was denn zum Beispiel?»

«Wenn ich das wüsste, wäre ich nicht hier um nachzusehen, du Schlaumeier», brummt Studer. «Aber wenn du schon da bist, kannst du mir beim Suchen helfen.»

«Wonach?»

«Sage ich dir, sobald wir es gefunden haben.» Studer reckt den gestreckten Daumen nach hinten. «Im Gewölbe habe ich nichts Auffälliges bemerkt. Und wenn wir hier nichts finden, weiss ich nicht mehr wo suchen.»

«Warum nicht weiter oben in der Goldgasse?», wendet Jeffrey ein.

«Weil es gegen oben niedriger und enger wird. Ausserdem: Weshalb sollte man so schwere Klötze wie den «Füdlistein» und womöglich den alten Kosciuszko unterirdisch die Gasse hochschleppen, wenn der Weg abwärts kürzer und weniger beschwerlich ist.»

«Du glaubst, man hat den Stein tatsächlich irgendwo hier versteckt. Den Kosciuszko auch?»

«Oder von hier aus fortgeschafft.» Studer richtete den Strahl seiner Lampe auf die Luke über ihnen. «Die Dinger konnten über die Mauer des Barockgartens in ein Boot gelassen und abtransportiert worden sein. Fort mit Schaden.» Studer machte eine wegwerfende Geste.

Jeffrey richtet seine Lampe ebenfalls auf die Luke. «Vielleicht finden wir Spuren.»

«Vielleicht hätte ich das schon, wenn du nicht dazwischengekommen wärst.» Studer knufft seinen Neffen in die Seite. «Kannst dich nützlich machen, wenn du schon da bist, los.»

Jeffrey erklimmt die Leiter als Erster. Er will die Luke öffnen, als ein helles Klirren und dumpfer Schrei sie beide erstarren lässt.

«Was war das?», stösst Jeffrey hervor.

«Klang wie der Schrei einer Frau», sagt Studer. «Kommt vom Gewölbe, weiter oben.»

Die beiden sehen sich an. Die Erkenntnis leuchtet gleichzeitig in ihren Augen auf. «Verdammter Mist», ruft Studer. Sie lassen alles stehen und liegen und eilen auf dem Weg zurück, auf dem sie gekommen sind. Auf der Höhe des Kollegischulhauses über ihnen wird ihre Befürchtung zur Gewissheit. Zuerst sehen sie nur die Umrisse der Gestalt, die reglos am Boden liegt. Jeffrey ist als Erster bei ihr. Sein Strahl erleuchtet ihr blasses Gesicht und die blutende Wunde am Kopf ober dem linken Ohr.

«Alma!»

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