Grenchen

«Der Weg führt über die Einbürgerung» – FDP-Präsident Daniel Wyss im Interview

Daniel Wyss, öfters auf dem Electroscooter zu sehen, möchte mehr Ausländer für seine Partei begeistern.

Daniel Wyss, öfters auf dem Electroscooter zu sehen, möchte mehr Ausländer für seine Partei begeistern.

Der neuen FDP-Präsident Daniel Wyss möchte mehr Ausländer für die Politik interessieren.

An der letzten Parteiversammlung der FDP Stadt Grenchen wurde der 30-jährige Daniel Wyss als Nachfolger von Jürg Lerch, der interimistisch das Präsidium innehatte, als neuer Präsident der Stadtpartei gewählt. Wir sprachen mit ihm über seine Motivation und die Ziele, die er als neuer Präsident der FDP Stadt Grenchen verfolgt.

Daniel Wyss, was hat Ihr Interesse an der Politik geweckt?

Daniel Wyss: Mein Interesse an der Politik wurde schon in der Berufsschule entfacht und von mir mit Erreichen des Stimmrechtsalters auch aktiv verfolgt. Unser Umfeld mitzugestalten und das Zusammenleben aller Menschen weiterzubringen, liegt mir am Herzen. Durch verschiedene Auslandsaufenthalte wurde mir immer wieder vor Augen geführt, dass in der Schweiz das politische Mitwirken in seiner Form vielfältig ist. In der Schweiz hat man Chancen, sich aktiv zu beteiligen, was eben in anderen Ländern nur eingeschränkt möglich ist.

Und dass die FDP Ihre Partei ist, war bald klar?

Als 14-jähriger Jugendlicher habe ich meine Schiedsrichterkarriere begonnen, und seither habe ich ein starkes Gefühl für Fairness entwickelt. Gerade weil ein Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln besprochen werden kann, war meine Wahl mit der FDP die richtige. Eine ausgewogene Lösung zu finden und diese auch zu vertreten, war für mich entscheidender Faktor, mich in dieser Partei einzubringen. Nicht zuletzt finden sich auch verschiedene Themen, welche typischerweise durch andere Parteien stärker in Anspruch genommen werden. Bei der FDP kann jedoch in einem einzelnen Punkt eine abweichende Position bezogen werden, ohne gleichzeitig das Ganze in Frage zu stellen. Das schätze ich seit meiner Berufsschule an dieser Partei besonders. 

Welche Ziele verfolgen Sie mit der FDP Stadt Grenchen?

Mein persönliches Ziel ist, in Zukunft mehr Ausländer bei uns in der Partei zu haben. Der Weg dazu führt unserer Meinung nach über eine Einbürgerung, die wir unterstützen. Denn in Grenchen leben viele ausländische Menschen, die in vielen Bereichen des Lebens politisch nicht mitwirken. Es ist mir ein Anliegen, auch endlich jene bei uns vertreten zu wissen, welche seit Jahrzehnten in Grenchen leben und Teil unserer Gesellschaft sind.

Gibt es politische Dossiers und Themen, welche Sie persönlich speziell interessieren?

Themen betreffend der Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben für mich einen hohen Stellenwert. Grenchen hat in dieser Hinsicht noch Potenzial – und nicht nur in der Vergabe
der zahlreichen leerstehenden Wohnungen. Als Wohnort wird Grenchen grundsätzlich unterschätzt. Dabei ist der Anschluss mit zwei Bahnhöfen ideal, um sich in verschiedene Richtungen fortzubewegen, auch die Einkaufsmöglichkeiten sind gut zu erreichen. Und das Angebot im Naherholungsgebiet vielfältig.

Wie wollen Sie den politischen Nachwuchs interessieren und motivieren?

Der politische Nachwuchs findet sich oft bei den Jungfreisinnigen. Viele treten irgendeinmal in die FDP über. Folglich ist der «Nachwuchs» in der FDP oft nicht mehr so jung. Ich stellte aber auch fest, dass jüngere Leute sich gerne engagieren wollen. Teilweise können sie wegen anderer Verpflichtungen nicht ein zusätzliches politisches Engagements auf sich nehmen. Sie werden sich somit erst zu einem späteren Lebenszeitpunkt wieder melden. Solche potenziell engagierten Leute gilt es nicht aus den Augen zu verlieren. Anderseits ist das Freizeitangebot in den letzten Jahren gewachsen, sodass vielleicht ein politisches Interesse bestünde, aber andere Prioritäten gesetzt werden.

Braucht es also auch Voraussetzungen für politisches Engagement?

Grundsätzlich sollte das Interesse intrinsisch sein, um aktiv mitzureden, diskutieren und gestalten zu wollen, wie das Zusammenleben aller in Grenchen aussehen soll. Manchmal ist es eben einfacher, eine Lösung von der Politik zu fordern. Demgegenüber bräuchte es auch mehr junge Macher in der Politik, die gerne Teil der Lösung werden.

Die FDP-Fraktion im Gemeinderat ist männlich dominiert. Wurde die Frauenförderung vernachlässigt?

Wie bereits erwähnt hat Grenchen noch Potenzial in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber zugleich ist ein Umdenken notwendig: Eine Sitzung mit mehreren Mitgliedern während des Tages anzusetzen, ist genauso eine Herausforderung wie für eine Alleinerziehende, abends ein wiederkehrendes, politisches Engagement wahrzunehmen. Persönlich vertrete ich den Standpunkt, dass bei der Geschlechterfrage nebst Mann und Frau heutzutage weitere Geschlechtsidentitäten dazuzählen. Ich wünsche mir daher eine FDP-Fraktion, welche grundsätzlich niemanden vernachlässigt.

Bald sind Gemeinderatswahlen: was sind die Themen und Anliegen der FDP?

Generell gilt es die Lebensqualität der Grenchnerinnen und Grenchner zu verbessern und die Steuerlast zu senken: «Gut leben zu vernünftigen Kosten» ist das Motto. In den kommenden Jahren wird sicherlich die steigende Zahl von pensionierten Leuten auch Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt haben. Die Stadt Grenchen kann somit heute die Weichen stellen, um als attraktiver Wohnort zu punkten. Als kinderfreundliche Gemeinde mit UNICEF-Label eben nicht nur für jüngere Generationen, sondern hoffentlich auch für die älteren.

Die Einkaufsmöglichkeiten haben sich über die Jahre verringert und die Geschäftsfortführungen sind längst nicht überall gesichert. Es braucht neue, frische Konzepte und Wege, um Start-ups bei der Firmengründung mit Grenchen als optimalen Standort zu gewinnen und unseren Stadtkern neu erschliessen zu können.

Wie sieht es personell aus? Finden Sie genug Kandidierende für die FDP-Liste?

Wir streben eine volle Liste an und sind diesbezüglich derzeit gut unterwegs. Ob das gelingt, wird sich letztendlich erst zu Beginn des nächsten Jahres zeigen.

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