Freilichtspiel

Buechiwäger Freilichtspiele: Wenn «Brönz» die Menschen vergiftet

Der Verein Buechiwäger Freilichtspiele bringt ein Gotthelf-Stück beim Ramser-Hof in Schnottwil auf die Bühne. Zwölf Vorstellungen sind geplant, die Tribüne fasst 400 Personen, und bereits seien Dreiviertel der Plätze reserviert.

«Meitschi trinke Brönz wie Sirup», wettert Pfarrer Gotthelf (Peter Schneider) von der Kanzel. Daneben spielt sich eine ländliche Wirtshausszene aus dem 19. Jahrhundert ab. Knechte und Mägde spielen Karten und trinken Branntwein, als sei es Wasser.

Mit dabei ist auch die dem Alkohol verfallene Bauerntochter Lisi (Nicole Reusser), deren Mutter kurz nach Lisis Konfirmation gestorben ist. Nun ist die junge Lisi die Meisterin auf dem prächtigen Hof und damit völlig überfordert.

Der Ramser-Hof am Rand von Schnottwil bildet die Kulisse des neusten Freilichtspiels vom Buechiwägerverein. Im Prospekt liest man, die Theateraufführung «Brönz» nach der Erzählung «Wie fünf Mädchen im Branntwein jämmerlich umkommen» von Albert Bitzius alias Jeremias Gotthelf sei die sechste Inszenierung.

Sechste oder fünfte?

OK-«Vizepräsident» Christian Aeschbacher, der seit den Anfängen dabei ist und den Verein präsidiert, korrigiert: «Es ist die fünfte.» Denn die erste Aufführung war das Festspiel «Üse Wäg» anlässlich 600 Jahre Bucheggberg bei Solothurn im Jahr 1991. Ein Jahr später wurde der Verein gegründet.

«Also hat der Verein das erste Festspiel nicht organisieren können.» Alle vier, fünf Jahre wird ein Freilichtspiel auf die Beine gestellt. «Bis vor anderthalb Jahren war im Verein nur noch eine schwache Glut vorhanden, jetzt lodert das Feuer wieder», begrüsste Aeschbacher das Publikum zur Premiere am Dienstagabend.

350 Personen stünden insgesamt im Einsatz, der jüngste Statist zählt gerade 14 Tage. Zwölf Vorstellungen sind geplant, die Tribüne fasst 400 Personen, und bereits seien Dreiviertel der Plätze reserviert. Bei einem Budget von 220 000 Franken hofft der Verein auch dieses Mal, die Kosten im Griff zu haben.

Er sei im Übrigen nur «Vice» des OKs, weil das Präsidium jemandem aus dem Dorf, in dem das Freilichtspiel stattfindet, gebührt. Im Fall von Schnottwil konnte der frühere Gemeindepräsident Stefan Fahrer gewonnen werden.

Billiger Schnaps stillt den Hunger

Lisi geht es nicht gut. Sie kommt wegen ihrer Alkoholsucht vom rechten Weg ab, heiratet einen Geschäftsmann aus der Stadt und findet ein bitteres Ende. Dies der kurze Abriss der Geschichte. Gotthelf, der immer wieder selber ins Spiel eingreift, erzählt von einer Zeit, als billiger Schnaps, eben «Brönz», den Armen nach einem schlechten Jahr half, ihren Hunger zu vergessen.

Als die Ernten wieder üppiger waren, hielt der Branntwein die Menschen weiterhin gefangen, hilft er doch bei «Gsüchti, Zahnweh und Kummer», so der Glaube der Menschen. Trunksucht greift um sich. Bauern versaufen ihren Hof, Mägde ihre Ehre und Knechte ihren Lohn.

Das Spiel der Laienschauspielerinnen und -spieler überzeugt durchwegs. Auch die kleinste Nebenrolle wird ausgespielt. Wohin man als Zuschauer schaut, sieht man Theater, das mit Freude gelebt wird. Feiner Humor hat ebenso Platz wie derbe Spässe. Überzeugend wirkt Lisis Vater Hans (Kurt Egger), der den Intrigen auf seinem Hof letzten Endes nicht Herr wird.

Applaus für die Knechte Bänz

Am meisten Applaus holten sich bei der Premiere die Knechte Bänz (Lorenz Probst) und Res (Bernhard Moser) mit ihrem (vor)witzigen Spiel. Aber eben, bei allem Spass, bei aller Idylle, es ist nur Schein. Denn Branntwein befeuert Wesen und Handeln der Charaktere. Vieles läuft schief und wird mit «Brönz» ertränkt.

Das lässt die Regie (Yvonne Hofer) nie ausser Acht. Seltsam traurig und deprimierend wirken die üppig inszenierten Gemeinschaftsszenen. Verkaterte Knechte spielen Hornussen, am Dorffest bei Redlete und Kegelspiel fliesst Schnaps in Strömen.

Und Lisi? Sie heiratet einen Säufer, der es auf den Hof abgesehen hat, und ihre Kinder vernachlässigt sie. Gnadenlos treibt Gotthelf das Spiel zum unausweichlichen Ende, denn, so seine Überzeugung: «Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen.»

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